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Politik

Papst bricht sein Schweigen zu Tibet

Papst Benedikt hat sich erstmals zu den Unruhen in Tibet geäußert und zum Ende der Gewalt zwischen Chinesen und Tibetern aufgerufen. Derweil spricht die chinesische Regierung allerdings von einem Kampf um Leben und Tod.

Papst (Foto: AP)

Bei seiner Generalaudienz wandte sich der Papst gegen jede Form der Gewaltanwendung

"Mit der Gewalt werden keine Probleme gelöst, sondern sie verschlimmern sich noch", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Mittwoch (19.3.2008) vor Tausenden Gläubigen bei der Generalaudienz.

Medien in Italien hatten in den vergangenen Tagen kritisiert, dass Benedikt am vergangenen Sonntag, dem Palmsonntag, dramatisch auf die Lage im Irak aufmerksam gemacht hatte, die blutigen Vorgänge in Tibet aber mit keinem Wort erwähnte.

Er verfolge mit Trauer und Schmerz die Nachrichten aus Tibet und das Leiden so vieler Menschen, erklärte der Papst. Alle Seiten sollten den Mut haben, den Weg des Dialogs und der Toleranz zu beschreiten, betonte er. Er bete für eine friedliche Lösung zwischen Chinesen und Tibetern.

Jahrzehntelange Spannungen

Benedikt XVI. versucht seit vielen Monaten, die jahrzehntelangen Spannungen zwischen dem Vatikan und Peking beizulegen. In einem päpstlichen Schreiben an alle Katholiken in China hatte er im Juni vergangenen Jahres zu Dialog und Versöhnung aufgerufen.

Dalai Lama (Quelle: AP)

Der Dalai Lama will einen Dialog mit China ohne Vorbedingungen

Seit dem Bruch der Kommunisten mit dem Vatikan 1951 ist die Kirche in China gespalten: Es gibt eine von Peking kontrollierte Staatskirche, die die Autorität Roms ablehnt. Ihr gehören nach offiziellen Angaben fünf Millionen Gläubige an. Zudem gibt es eine Rom-treue Untergrundkirche, die rund zehn Millionen Gläubige zählt. Diese Kirche leidet seit Jahren unter Verfolgungen.

Dalai Lama setzt auf Dialog

Der Dalai Lama befürwortet eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der tibetischen Exilregierung in Indien und China. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter trete für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, sagte einer seiner engen Vertrauten im indischen Dharamsala der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. "Beide Seiten müssen realisieren, dass wir Seite an Seite leben müssen", sagte Tenzin Taklha weiter. "Die Chinesen werden die Tibetfrage niemals durch die Entsendung von Truppen lösen. Der einzige Weg besteht darin, von Angesicht zu Angesicht zusammenzukommen, einen Dialog aufzunehmen und eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung zu erreichen."

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, Quelle: AP

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao setzt bisher auf Gewalt

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hatte am Dienstag betont, ein Dialog mit dem Dalai Lama sei erst möglich, wenn dieser das Ziel eines unabhängigen Tibet aufgebe. Die Aussage des Friedensnobelpreisträgers, er strebe keine Unabhängigkeit an, bezeichnete Wen als "Lüge". Der Dalai Lama hat immer wieder betont, den Tibetern gehe es lediglich um mehr Autonomie - die Volksrepublik China lehnt jedoch auch dies ab.

140 Tote?

China hat den Ton gegenüber den Exiltibetern verschärft und von einem "Kampf auf Leben und Tod" mit dem Dalai Lama und seinen Anhängern gesprochen. Nach Ablauf des Ultimatums an Unruhestifter in Lhasa, sich der Polizei zu stellen, haben sich bis Dienstag 105 Teilnehmer an den Demonstrationen gemeldet, um dadurch eine mögliche Strafminderung in Anspruch nehmen zu können, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Proteste gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet haben sich derweil ausgeweitet und weitere Menschenleben gefordert. Nach exiltibetischen Angaben sind bei den Unruhen in Lhasa und den Protesten an anderen Orten in Tibet und angrenzenden Provinzen bislang mehr als 140 Menschen ums Leben gekommen.

Peking fühlt sich von ausländischen Medien falsch dargestellt

Die chinesische Führung hat am Mittwoch die Tibet-Berichterstattung ausländischer Medien kritisiert. Der tibetische KP-Funktionär Raidi sagte nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, einige westliche Medien hätten absichtlich die Tatsachen verdreht und "schwere Straftaten als eine friedliche Demonstration dargestellt". Die "legitimen Bemühungen zur Aufrechterhaltung der sozialen Stabilität" seien hingegen als gewaltsame Niederschlagung bezeichnet worden.

Unterdessen wurden ausländische Journalisten weiter daran gehindert, über die Lage in Tibet zu berichten. Der Club der Auslandspresse in China (FCCC) teilte mit, er habe 30 Verhaftungen und Reiseverweigerungen registriert. (kas)

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