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Nahost

Papst: Brücken bauen zu anderen Religionen

Nach einer Messe mit zehntausenden Gläubigen in Jordanien zieht der Vatikan bislang eine positive Bilanz der päpstlichen Nahost-Reise. Doch die schwierigste Etappe steht noch bevor: Am Montag reist der Papst nach Israel.

Papst Benedikt XVI. bei der Messe im Stadion in Amman(Foto: AP)

Der Vatikan ist zufrieden: Bislang verlief die Nahost-Reise gut

Mit einem Appell zum friedlichen Miteinander der Religionen hat Papst Benedikt XVI. die erste Etappe seiner Nahost-Reise in Jordanien beendet. Am Sonntag (10.05.2009) feierte er mit zehntausenden Gläubigen im Fußballstadion der jordanischen Hauptstadt Amman eine Messe. Dabei rief er die Minderheit der Christen in der Region zum Dialog mit den anderen Religionen auf.

In seiner Predigt sagte er, es bedürfe eines besonderen Mutes, angesichts der ungewissen Lage im Nahen Osten seinen "christlichen Wurzeln und der christlichen Mission im Heiligen Land" treu zu bleiben. Dennoch könne und müsse die Kirche einen wichtigen Beitrag zur "Förderung einer Kultur wahrer Menschlichkeit" leisten. Im Beisein des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem und Jordanien, Fuad Twal, rief er seine Zuhörer dazu auf, "neue Brücken" zu bauen für Begegnungen der Anhänger der verschiedenen Religionen.

Kommunionkinder mit jordanischen Flaggen (Foto: AP)

1200 Kinder erhielten während der Papst-Messe in Amman ihre Erstkommunion - und den päpstlichen Segen.



Nachdrücklich bedauerte der 82-jährige Papst, dass Kirche und Gesellschaft nicht immer die Rolle der Frauen als Botschafterinnen der Liebe zu würdigen wüssten. Diese brächten "Wärme und Menschlichkeit in eine Welt, die den Wert eines Menschen allzu oft nach den kalten Kriterien von Nutzen und Profit bestimmt". Danach segnete er rund 1200 Kinder, die während der Messe ihre Erstkommunion erhielten. Am Nachmittag besuchte der Papst die Stelle am Jordan, an der Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll.

Positive Bilanz des Besuches in Jordanien

Der Vatikan zog unterdessen eine positive Bilanz des Papst-Besuches in Jordanien. Die Begegnungen mit dem Volk, König Abdullah II. und den staatlichen Stellen seien sehr herzlich und positiv verlaufen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Offenbar konnte der Papst den vor allem durch die Regensburger Rede 2006 gestörten Kontakt zum Islam wieder konsolidieren. Die jordanischen Gesprächspartner honorierten die vielfältigen Bemühungen des Papstes, die angeschlagenen Beziehungen zu reparieren. Auch die Resonanz in den Medien fiel zustimmend aus. Und Vatikanprälaten vermerkten erleichtert, dass die Intentionen des Papstbesuchs bislang nicht, wie bei vergangenen Reisen, durch andere Themen überschattet wurden.

Papst Benedikt läuft zusammen mit Prinz Ghazi bin Mohammed durch die König-Hussein-Moschee (Foto: AP)

Der Papst mit Prinz Ghazi bin Mohammed in der König-Hussein-Moschee

Benedikt XVI. hat mit seiner erfolgreichen Etappe in Jordanien zugleich auch gute Voraussetzungen für seine nächsten Tage in Israel und den Palästinensergebieten geschaffen, die ungleich schwieriger werden dürften. Ab Montag (11.09.2009) geht es für das Kirchenoberhaupt um die christlich-jüdische Aussöhnung, die trotz guter Anläufe immer wieder zurückgeworfen wird. Es geht um die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel, an denen beide Seiten interessiert sind, die jedoch kompliziert bleiben.

Irritationen durch Williamson-Affäre

Zuletzt hatten die Debatten um die Aufhebung der Exkommunikation der konservativen Pius-Bruderschaft die Beziehungen belastet. Mit der Wiedereingliederung des Holocaust-Leugners, Bischof Richard Williamson, hatte der Papst bei Juden weltweit für große Irritationen gesorgt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland erwartet von Papst Benedikt bei seinem Besuch ein klares Wort der Entschuldigung. Spätestens in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem werde "ihm gar nichts übrig bleiben, als sich noch einmal zur Pius-Bruderschaft und zum Bischof Williamson zu äußern", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, in einem Zeitungsinterview. Zudem fügte er hinzu, er hielte es auch für eine "schöne Geste", wenn der Papst sich " für die Jahrhunderte lange Verfolgung der Juden entschuldigen würde". Benedikt verkenne die Lage, wenn er sich auf einer "Pilgerreise" wähne. Es gelte vielmehr "politische Signale zu setzen, die uns Zuversicht vermitteln".

Die Verkündigungskirche von Nazareth (Foto: dpa)

In Nazareth laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: In der biblischen Heimatstadt Jesu wird der Papst am Donnerstag erwartet


Ferner sind in den kommenden Tagen Treffen mit dem israelischen Staatschef Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sowie mit muslimischen und jüdischen Geistlichen geplant. Außerdem wird der Papst den Felsendom, die Klagemauer in Jerusalem und ein palästinensisches Flüchtlingslager besuchen. Am Donnerstag wird er in Nazareth, der biblischen Heimatstadt Jesu, eine Open-Air-Messe feiern, bevor er am Freitag nach Rom zurückkehrt. (ina/ap/kna/epd)

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