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Aktuell Afrika

Papst besucht Große Moschee in Bangui

Am letzten Tag seiner ersten Afrika-Reise tritt Papst Franziskus abermals demonstrativ für Toleranz und den Dialog der Religionen ein. In der Großen Moschee von Bangui mahnt er Christen und Muslime zum Frieden.

In der Zentralafrikanischen Republik wurde die Begegnung des Papstes mit der muslimischen Gemeinde der Hauptstadt mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Der Besuch von Franziskus in der Großen Moschee gilt als wichtige Geste und Signal der Versöhnung. Denn in dem Krisenstaat verlaufen die blutigen Konflikte entlang ethnischer und sozialer, aber auch religiöser Linien. Beim Besuch der Koukoudou-Moschee forderte Papst Franziskus eine Abkehr von Hass und Gewalt. Christen und Muslime seien Brüder und müssten sich für den Frieden einsetzen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Wer sage, er glaube an Gott, müsse ein Mann oder eine Frau des Friedens sein. "Sagen wir gemeinsam Nein zum Hass, zur Rache, zur Gewalt, besonders zu jener, die im Namen einer Religion oder im Namen Gottes verübt wird! Gott ist Friede, Salam", sagte Franziskus, das arabische Wort für Frieden nutzend. Auch der Imam der Koudoukou-Moschee, Tidiani Moussa Naibi, forderte eine friedliches Miteinander der Religionsgruppen. Im Anschluss wollte Franziskus eine Messe im Stadion der Hauptstadt feiern. Dazu werden Zehntausende Gläubige erwartet.

Auf der letzten Etappe seiner Afrika-Reise hatte Papst Franziskus am Sonntag die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik zur Einheit aufgerufen. Franziskus äußerte in Bangui die Hoffnung, dass nach den für Ende Dezember geplanten Parlaments- und Präsidentenwahlen ein Neubeginn möglich sei. Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza sprach mit Blick auf die Welle der Gewalt in ihrem Land von einem "Abstieg in die Hölle". "Zentralafrikaner haben anderen Zentralafrikanern unaussprechliches Leid zugefügt", sagte sie. Allein die Präsenz des Papstes in Bangui sei aber ein "Sieg des Glaubens über die Angst".

"Heilige Pforte" eröffnet

Während einer Abendmesse in der Kathedrale von Bangui richtete das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Appell "an alle, die zu Unrecht Gebrauch von Waffen dieser Welt machen, diese Instrumente des Todes niederzulegen". Als Zeichen der Solidarität mit den 1,7 Millionen Katholiken in der Zentralafrikanischen Republik, die etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, öffnete der Papst während der Eucharistiefeier bereits jetzt die "Heilige Pforte". Damit läutete er das "Heilige Jahr der Vergebung und Versöhnung" ein. Eigentlich beginnt dieses erst am 8. Dezember. Dabei ermahnte er die Jugendlichen, nicht vor den inneren Problemen aus dem Land zu fliehen, sondern für den Frieden zu arbeiten. "Niemals hassen, immer vergeben", ließ er sie mehrmals wiederholen.

Franziskus besuchte in Bangui auch ein Lager, in dem etwa 3700 Binnenflüchtlinge leben, die meisten davon Frauen und Kinder. Sie mussten lange Zeit ohne internationale Hilfe auskommen, wie ein Comboni-Missionar berichtete, der das Camp mit seinen Ordensbrüdern betreut. Der Papst ermutigte die Bewohner, den Glauben an die Zukunft nicht zu verlieren und für den Frieden zu arbeiten.

Drei Religionen im Dialog

Zudem traf der 78-Jährige mit den drei Gründern der sogenannten Interreligiösen Plattform zusammen. Dies sind der katholische Erzbischof der Hauptstadt, Dieudonne Nzapalainga, der Imam der größten Moschee, Oumar Koubine Layama, und der Vorsitzende der Evangelischen Allianz, Nicolas Guerekoyamene-Gbangou. Die Evangelische Allianz ist ein Zusammenschluss evangelikaler Kirchen. Das Trio hat eine Zusammenarbeit vereinbart, um der Gewalt im Land Einhalt zu gebieten.

Das muslimische Rebellenbündnis Séléka hatte im März 2013 den christlichen Staatschef François Bozizé gestürzt. Der Putsch zog das Land im Herzen Afrikas in eine Spirale der Gewalt zwischen verfeindeten Milizen. Tausende Menschen wurden getötet, hunderttausende in die Flucht getrieben. Im Dezember 2013 intervenierte Frankreich militärisch in seiner ehemaligen Kolonie. Im September 2014 folgte dann ein UN-Blauhelmeinsatz in dem krisengeschüttelten Staat.

Im Rahmen seiner sechstägigen Reise hatte Franziskus auch Kenia und Uganda besucht. Er sprach mit Spitzenpolitikern und Religionsvertretern und besuchte Flüchtlingslager, Armenviertel und Sozialeinrichtungen. Zentrale Themen seiner Ansprachen waren Frieden und Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung, Versöhnung und ein verantwortlicher Umgang mit Natur und Bodenschätzen.

kle/as (kna, afp, dpa)