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Musik

Papa Wemba ist tot: Abschied vom König des Rumba-Rock

Papa Wemba war afrikanischer Superstar und seine Musik der größte Exportschlager der Demokratischen Republik Kongo. Während eines Konzerts brach der 66-Jährige jetzt auf der Bühne zusammen und starb kurze Zeit später.

Gerade noch jubelten ihm seine Fans beim "FEMUA 2016"- Festival in Abidjan, einer Stadt in der Elfenbeinküste, zu, da stürzte Papa Wemba auf der Bühne und stand nicht mehr auf. Zunächst machten die Tänzer mit der Show weiter, doch ziemlich schnell waren Sanitäter des Roten Kreuzes zur Stelle. Aber sie hätten sie ihn nicht mehr retten können, sagte Papa Wembas Sprecher dem kongolesischen Radiosender "Okapi" am Sonntagmorgen kurz nach dem Tod des Sängers. Er habe sich schon vor seinem Auftritt beim Festival unwohl gefühlt. Die Todesursache ist noch unbekannt.

Seine Fans sind geschockt, denn Papa Wemba hat in Afrika nahezu Kultstatus. Keine Musik prägte den afrikanischen Kontinent so wie die der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire) - und Papa Wemba war einer ihrer größten Stars. Als die frühere belgische Kolonie 1960 ihre Unabhängigkeit feierte - untermalt von Joseph Kabaseles legendärer kongolesischer Rumba - drückte er allerdings noch die Schulbank. Geboren 1949, verbrachte Jules Shungu Wembadio Pene Kikumba, wie der Musiker eigentlich heißt, seine Kindheit in Léopoldville - dem heutigen Kinshasa, Kongos Hauptstadt und Musikmetropole.

Kinshasa am Fluss Congo (Foto: Liliam Chagas / MRE)

Kinshasa – die Hauptstadt des Kongo und Heimat von Papa Wemba

Papa Wembas Stunde kam 1969, als er mit anderen jungen Musikern die Gruppe Zaiko Langa Langa gründete. Die Band baute sich in Kinshasa schnell eine große Fangemeinde auf und begann, die Rumba-Klänge zu erneuern. Die sogenannte Nouvelle Vague, die neue Welle der kongolesischen Musik, verzichtete - aus Kostengründen - auf Kabaseles Bläserensembles, und rückte dafür Gitarre und Gesang mehr in den Vordergrund. Dabei holte sie sich neue Impulse vom amerikanischen Soul. "Man sagt, die Musik hat keine Grenzen. Ich höre viel mehr ausländische Musik", sagte Papa Wemba, der sich selbst als Avantgardist bezeichnete, in einem DW-Interview. Er wurde schnell zum Superstar des kongolesischen 'Soukous', einer Tanzmusik, zu der in den 1970er und 1980er Jahren ganz Afrika tanzte.

Ein Hang zu Designermode

Papa Wembas Markenzeichen war eine hohe, nasale Stimme. Pate stand dafür nicht zuletzt die amerikanische Soul-Größe Otis Redding, dessen Hit "Fa fa fa" Papa Wemba später in sein Repertoire übernehmen sollte. Prägend waren außerdem die Klagelieder, mit denen seine Mutter einst bei Trauerfeiern auftrat. Zaiko Langa Langa legte den Grundstein für seine Karriere als Frontmann. Wemba verließ die Gruppe nach rund vier Jahren, um 1977 seine eigene Formation Viva la Musica zu gründen.

Papa Wemba PHOTO / JUNIOR D. KANNAH

Papa Wemba posierte gern - hier im September 2014 in Kinshasa

In dieser Zeit setzte der Sänger auch modisch neue Akzente und kleidete sich in exzentrische Designermode aus Übersee. Schon sein Vater habe seine Anzüge in Brüssel bestellt, sagte Papa Wemba. "Als ich 1977 das erste Mal in Belgien war, entdeckte ich dort die große Mode. Nicht die europäische, sondern die japanische Mode. Jedes Mal, wenn ich nach Zaire zurückkam, präsentierte ich meine Outfits im Fernsehen. Die Jugend war verrückt danach!" Sein Kleidungsstil wurde vielfach imitiert. "Ich habe halt Spaß daran, mich zu kleiden", begründete Wemba seine Leidenschaft. "Wir laufen ja alle nicht nackt herum. Als Sänger habe ich ein Recht auf meinen persönlichen Stil."

Internationaler Erfolg

In den 1980er Jahren wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der damaligen Republik Zaire immer schwieriger. So wie viele andere Künstler verlagerte auch Papa Wemba seinen Lebensmittelpunkt mehr und mehr nach Paris. Es war eine Zeit, in der afrikanische Künstler unter dem Label der Weltmusik mehr denn je ein internationales Publikum fanden. Gemeinsam mit dem britischen Musiker und Produzenten Peter Gabriel arbeitete Wemba an seiner internationalen Karriere. "Um den internationalen Markt zu erobern, muss man sich den Regeln des Showbiz beugen", sagte er der Deutschen Welle. Dazu gehörte auch das Format: Ein kongolesisches Lied läuft mindestens sieben Minuten - internationalen Hitparaden verlangen deutlich kürzere Versionen.

Papa Wemba

Auch in Deutschland ein gern gesehener Gast – Papa Wemba auf dem Afrika-Festival in Würzburg 2011

Wemba wagte den Spagat: Für ein weltweites Publikum erfand er sich neu, genoss es, zu experimentieren, und tourte mit einer passenden Band. Viva la Musica blieb seine kongolesische Formation, mit der er zwischendurch Auftritte und Studiozeit für seine kongolesische Stammgemeinde einschob, die er sich so gewogen hielt. "Was ich mache, ist nicht mehr kongolesische Musik, nicht mal afrikanische Musik", sagte er einmal. "Es ist ganz einfach Musik."

Zum 50-jährigen Bestehen der Afrikanischen Union gab der Musikstar 2013 ein großes Konzert in Addis Abeba. Ein Jahr später veröffentlichte er sein letztes Album "Maître d'école", auf dem er wieder einmal die kongolesische Rumba neu erfand. Dafür stand er mit Musikgrößen wie dem kongolesischen Sänger und Komponisten JB Mpiana oder der malischen Interpretin Nana Kayaté im Studio.

Nicht nur musikalisch traf Papa Wemba den Ton, sondern auch bei der Wahl des Radioprogramms. Zum fünfzigsten Jubiläum des DW-Kisuaheliprogramms sang er ein Ständchen und schob nach: "Ich bin der wahre Verfechter der kongolesischen Musik. Und ich höre Deutsche Welle."

Am 24. April 2016 ist Papa Wemba in Abidjan gestorben.

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