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Deutschland

Papa ist zurück

Oberstleutnant Günter Bohn ist nach dem zweiten Afghanistaneinsatz wieder bei seiner Familie. Die Zeit ohne Vater war für Frau und Kinder nicht einfach. Dennoch werden sie ihn ein drittes Mal ziehen lassen müssen.

Quelle: Daniel Scheschkewitz

Zurück im Alltag: Oberstleutnant Günter Bohn war vier Monate in Afghanistan

Für Alexander Bohn kam der Papa gerade zum rechten Zeitpunkt aus Afghanistan zurück. Am Vorabend seines 13. Geburtstages, war Günter Bohn sicher auf dem Militärflughafen in Köln-Wahn gelandet. Von dort waren es nur noch zwei Stunden über die Autobahn bis nachhause ins pfälzische Saulheim. Sekt und Apfelsaftschorle waren dort bereits kalt gestellt. Alexander erinnert sich. "Ja, es war schön und hat gut gepasst. Wir haben dann noch ein bisschen gewartet und dann meinen Geburtstag zusammen gefeiert." Und auch Günter Bohn, der als Oberstleutnant nun schon seinen zweiten Afghanistaneinsatz hinter sich hat, genießt es, wieder im Kreis der Familie im pfälzischen Saulheim zu sein." So richtig abgeschlossen hatte ich den Einsatz erst dort, wo ich ihn auch begonnen hatte, nämlich zuhause im Kreise meiner Familie."

Abspannen im Kreis der Lieben

Zwar hat Bohn auch während der vier Monate im Norden Afghanistans den Kontakt nachhause nicht abreißen lassen und fast tagtäglich mit seiner Familie telefoniert. Aber das ist kein Ersatz für den Papa vor Ort: "Ist schon wichtig, dass er jetzt wieder da ist. Man braucht schon mal Hilfe bei den Hausaufgaben und jemand der im Haushalt mithilft," sagt Alexander. Und der jüngere Bruder Max pflichtet ihm eifrig nickend bei. Zurück in den Familienalltag - das klingt einfacher als es nach vier Monaten Afghanistans tatsächlich ist. Deswegen gibt es auch eine medizinische Nachsorge und einen obligatorischen Besuch beim Truppenarzt der Bundeswehr.

Außerdem gibt es so genannte Nachbetreuungsseminare an, die für die heimkehrenden Soldaten bindend sind. Das Seminar dauert drei Tage und wird von Psychologen geleitet. "Da wird in einer Gruppe von maximal 20 Leuten durch Fragen und Spiele geschaut, ob jemand Probleme aus dem Einsatz mitgebracht hat, die so noch nicht zutage getreten sind", erklärt Günter Bohn.

Waffeneinsatz präsenter als zuvor

Quelle: Daniel Scheschkewitz

Im Kreis der Familie: Vater Günter, Mutter Christiane, Alexander (re.) und Max

Bohn, der als Presseoffizier unter anderem Journalisten auf Konvois zu begleiten hatte, vergleicht seinen Einsatz in Kundus Ende 2007 mit dem in Kabul im Winter 2005/2006: "Ich habe vor zwei Jahren zwar auch erlebt, dass es Anschläge in Afghanistan gab. Und auch danach konnte man ja in den Medien immer wieder verfolgen , dass Afghanistan noch kein friedliches Land ist. Durch meine Erfahrungen in Kundus sage ich aber: Der Waffeneinsatz ist inzwischen deutlich präsenter als noch vor zwei Jahren."

Bohn hat miterleben müssen, wie im Lager Raketen einschlugen. Er hat traumatisierte und verletzte Soldaten von Einsätzen zurückkommen sehen. Darüber hat er abends dann auch mit seiner Frau Christiane am Telefon gesprochen. Die Mutter von Alexander und Max musste dann oft besorgte Verwandten oder auch Nachbarn beruhigen. Die Unterstützung aus dem Kreis der Bundeswehr nahm sie gern in Anspruch. "Alle zwei bis drei Wochen wurde ich angerufen von der Familienbetreuungsstelle. Alle vier Wochen waren Veranstaltungen. Die haben sich schon sehr um uns gekümmert“, erzählt sie.

Auslandseinsätze belasten Familienalltag

Bohn lebt in einer intakten Familie. Bei anderen Soldaten zerbrechen häufig über die Einsatzzeit Freundschaften, Beziehungen und sogar ganze Familien. Christiane Bohn sieht einem erneuten Einsatz ihres Mannes mit gemischten Gefühlen entgegen. "Nächstes Jahr ist es wahrscheinlich wieder soweit. Und es ist auch nicht absehbar, dass das mal aufhört, so wie die Lage ist in Afghanistan. Man muss das hinnehmen. Es ist sein Beruf.“ Bohn selbst lässt keinen Zweifel daran, dass für ihn der nächste Afghanistan-Einsatz kommen wird. Dann vielleicht sogar im gefährlicheren Süden.

Aber Bohn ist kein Draufgänger-Typ. "Der Oberstleutnant Bohn wird dort als Pressestabsoffizier seinen Dienst tun und wird dort nicht als Konvoi-Führer unterwegs sein. Denn ich bin weder Fallschirmjäger noch Waffenspezialist." Für seine Sicherheit mag es den kleinen, aber feinen Unterschied machen. Für seinen Sohn Alexander wird auch diese Zeit wieder ein Verlust sein: "Wir unternehmen dann nicht soviel - ja es fehlt eben einer."

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