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Wirtschaft

Panzerschränke für den Hausgebrauch gefragt

Hohe Einbruchszahlen und Null-Zins für das Ersparte bringen die Deutschen dazu, Schutzmaßnahmen in den eigenen vier Wänden zu treffen. Der Auftragseingang bei Tresorherstellern steigt und steigt.

Die Sicherheitsbranche in der Bundesrepublik verzeichnet deutlich wachsende Umsätze. Das resultiert zum einen aus der steigenden Zahl von Einbrüchen. So weist die Kriminalstatistik mit über 167.000 Wohnungseinbrüchen im vergangenen Jahr einen negativen Rekordwert aus. Das entspricht einem Zuwachs von rund zehn Prozent innerhalb nur eines Jahres. Nicht einmal 15 Prozent dieser Straftaten werden aufgeklärt.

Aber auch aufgrund der Tatsache, dass es für Sparguthaben so gut wie keine Zinsen mehr gibt, investieren die Deutschen inzwischen kräftig in die Absicherung ihres Vermögens in den eigenen vier Wänden. In diesem Kontext stieg bei Herstellern von Tresoren für den Privatbereich die Nachfrage in den vergangenen Monaten um fast 30 Prozent.

Bargeld im Sparstrumpf

Nach einer Studie der amerikanischen Depotbank "State Street" bewahren die Bundesbürger rund die Hälfte ihres Barvermögens Zuhause auf. Allerdings setzte in den letzten Monaten ein regelrechter Run auf Schließfächer bei Banken ein. Die gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Außerdem, so der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, übersteigt vor allem in Städten die Nachfrage das vorhandene Angebot. Darum entscheiden sich viele Deutsche inzwischen für die Anschaffung eines Tresors in den eigenen vier Wänden.

Tresor

Wandsafe mit digitalem Zahlen-Schloss entspricht hohem Sicherheitsstandard.

Bei der Firma Burg-Wächter im nordrhein-westfälischen Wetter etwa, dem deutschen Marktführer für Tresore, stiegen die Aufträge um fast 30 Prozent. "Eine erhöhte Nachfrage im Bereich der Safes für den privaten Bereich haben wir ja schon einmal bei der Finanzkrise deutlich erlebt", sagt Vertriebsleiter Dietmar Schake. Doch jetzt sei der Bedarf im Umfeld der enorm gestiegenen Einbruchszahlen extrem gestiegen. "Das schürt einfach Angst."

Aber auch die Diskussion um die Einführung einer Obergrenze für Bargeldzahlungen sowie die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank habe bei einigen Kunden den Ausschlag zur Anschaffung eines Tresors gegeben.

Angst treibt Umsätze

Über genaue Absatzzahlen schweigen sich die deutschen Hersteller zwar aus, doch in der Branche geht man beim Umsatz von einem höheren dreistelligen Millionenbetrag aus. Besonders gefragt von Privathaushalten sind Möbeleinbautresore und kleinere Schränke, die im Boden verankert werden. In der Standardgröße passen in diese Wertbehältnisse größere Bargeldsummen, Schmuck sowie mindestens ein Aktenordner für wichtige Unterlagen.

Rund 100 verschiedene Modelle hat Marktführer Burg-Wächter im Programm. Bis hin zum Panzergeldschrank aus der Serie "Royal" für den Geschäftsbereich zum Stückpreis von 18.000 Euro. In den "Royal" passen neben großen Mengen Bargeld natürlich auch schwergewichtige Goldbarren. Ein Modell, das übrigens auch gern von Kunden aus dem Ausland bestellt wird. Dietmar Schake bezeichnet das Modell aus doppelwandigem Stahlblech und einem Aufbohrschutz für das Elektronikschloss als den "Mercedes unter den Tresoren."

Symbolbild Einbruch

Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt laut Kriminalstatistik dramatisch

Auch die Nachfrage nach solchen Panzerschränken für den Geschäftsbereich hat nach Angaben des Frankfurter Unternehmens European Certification Body GmbH spürbar angezogen. Im Vergleich zu 2014 stieg der Absatz um rund zehn Prozent auf mehr als 50.000 Tresore im Wert von rund 34 Millionen Euro.

Zahlenkombinationen schrecken Einbrecher

Für den privaten Bereich liegen die Anschaffungskosten je nach Ausführung zwischen 400 und 1.000 Euro. Das gestiegene Sicherheitsbedürfnis in Deutschland lässt sich nach den Worten von Dietmar Schake übrigens nicht am Alter festmachen. Natürlich gehöre die Altersgruppe 50 Plus zum Kundenkreis, doch inzwischen gehen auch immer mehr junge Single-Haushalte auf Nummer sicher.

Da Schlüssel immer das Risiko bergen, dass man sie verlegt oder verliert, geht nach den Worten von Dietmar Schake auch bei den Möbeleinbautresoren der Trend hin zu elektronischen Zahlen-Schlössern mit über einer Million Kombinationsmöglichkeiten. "Nach dreimaligem Fehlversuch sperrt die Elektronik für fünf Minuten. Nach jedem weiteren Fehlversuch 20 Minuten. Als Einbrecher über das Elektronikschloss in den Tresor hineinzukommen, das ist fast unmöglich." Denn so viel Zeit hat ein Dieb nicht.

Staatliche Unterstützung bei der Einbruchssicherung

Aber auch wer einen Tresor besitzt, darf sich nach Überzeugung der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und das Bundes nicht zu sicher fühlen. Für Hauseigentümer und Mieter geht es entscheidend um einen umfassenden Einbruchsschutz von der Tür bis zu den Fenstern. Doch nur 28 Prozent der deutschen Haushalte verfügen bisher über solche Sicherungsvorkehrungen. Nach einer Umfrage wollen nun über 20 Prozent nachrüsten, was der Sicherheitsbranche weiteren Auftrieb verleihen dürfte.

Diesem Sicherheitsbedürfnis trägt die Bundesregierung inzwischen Rechnung. So gewährt die KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Zuschüsse zum Beispiel für den Einbau von Alarmanlagen oder für die Nachrüstung von einbruchshemmenden Türen und Fenstern in Höhe bis zu 1.500 Euro. Für Einzelmaßnahmen gibt es einen Zuschuss von zehn Prozent der Gesamtsumme.

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