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Aktuell Afrika

Pannen bei Parlaments- und Präsidentenwahl in Nigeria

Bei der Registrierung für die Wahlen in Nigeria per digitalem Fingerabdruck gab es technische Pannen. In einigen Wahlbezirken muss deswegen die Abstimmung am Sonntag nachgeholt werden.

Viele der rund 60 Millionen Wahlberechtigten mussten stundenlang Schlange stehen, um sich in einem der rund 150.000 Wahllokale registrieren zu lassen. Erst am Nachmittag begann wegen technischer Probleme die eigentliche Abstimmung. In einigen Bezirken wird die Wahl am Sonntag nachgeholt.

Wie die Wahlkommission später bekannt gab, funktionierten an "vielen" Orten die elektronischen Scanner zur Identifizierung von Fingerabdrücken und biometrischen Ausweisen nicht überall (Artikelbild). Auch Staatschef Goodluck Jonathan, der vor der Wahl Kopf an Kopf mit Oppositionsführer Muhammadu Buhari lag, brauchte deswegen mehrere Anläufe für die Registrierung. Das westafrikanische Land setzte diese Technik erstmals bei einer Wahl ein.

Naja'atu Muhammed, Mitglied im Vorstand der größten Oppositionspartei APC, sagte der Deutschen Welle, sie sei im allgemeinen sehr zufrieden mit dem Ablauf der Abstimmung. Insbesondere mit der ihrer Einschätzung nach sehr großen Wahlbeteiligung. Allerdings sei es zu Beginn des Registrierungsprozesses zu erheblichen Verzögerungen gekommen.

Knappes Rennen erwartet

Erste Ergebnisse werden wegen der Verschiebung nicht vor Montag erwartet. Beobachter rechneten in Afrikas bevölkerungsreichster Demokratie mit einem knappen Wahlausgang. Sie räumen dem 72 Jahre alten früheren Militärdiktator und Muslim Muhammadu Buhari gute Chancen auf einen Sieg ein. Sollte der 57 Jahre alte Amtsinhaber und Christ Goodluck Jonathan tatsächlich unterliegen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit 1999, als Nigeria wieder demokratisch wurde. In den Jahren 1983 bis 1985 hatte Buhari schon an der Staatsspitze gestanden.

Goodluck Jonathan (links) und der Favorit Muhammadu Buhari (Foto: DW/Ubale Musa, Abuja Nigeria)

Goodluck Jonathan (links) und sein Herausforderer Muhammadu Buhari

Boko Harams Terrorfeldzug

Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen - 360.000 Polizisten waren im Einsatz - schlug die islamistische Miliz Boko-Haram mehrfach zu: Zwei Angriffe ereigneten sich laut Bewohnern und einem Wahlhelfer in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im nordöstlichen Bundesstaat Gombe. Dabei sollen laut unterschiedlichen Angaben in den Medien fünf bis sieben Menschen getötet worden sein.

Bei einem Autobombenanschlag auf ein Wahllokal in südöstlichen Enugu hingegen wurde niemand verletzt. Im Osten des Landes explodierten nach Polizeiangaben zwei Bomben in zwei noch nicht geöffneten Wahllokalen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. Eine dritte Bombe wurde entschärft. Außerdem legten unbekannte Hacker zeitweise die Webseite der Wahlkommission lahm und forderten den Präsidenten auf, die Wahlen nicht zu manipulieren.

23 Enthauptungen am Vortag der Wahlen

Bereits am späten Freitagabend hatten mutmaßliche Kämpfer des Islamistengruppe Boko Haram im Nordosten Nigerias, in dem Dorf Barutai, nach Angaben eines örtlichen Abgeordneten 25 Menschen enthauptet und zahlreiche Häuser in Brand gesteckt. Eine Krankenschwester bestätigte die Enthauptungen und gab an, es seien 32 Verletzte in das Krankenhaus gebracht worden. Die Islamisten halten demokratische Wahlen für "unislamisch". Wegen ihrer Vormarschs im Norden des Landes war der Urnengang um sechs Wochen verschoben worden.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Zuletzt meldete Nigerias Armee Erfolge im Kampf gegen Boko Haram.

nem/kle (afp, dpa)