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Wirtschaft

Panik am Neuen Markt

Es herrscht Panik am Neuen Markt. Nach kräftigen Verlusten am Montag, erreichte der Nemax50 am Dienstag ein weiteres Allzeittief. Bis Handelsschluss gab der Index 5 Prozent auf 344 Punkte nach.

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Es geht abwärts ...

Auf breiter Front gaben die im Neuen Markt gehandelten Titel nach. Offenbar trennen sich derzeit Kleinanleger und institutionelle Investoren wie Fonds, Versicherungen und Banken von ihren Aktien.

Zu ihren Hochzeiten im Frühjahr 2000 hatten die 50 wichtigsten Titel am Neuen Markt noch bei 9.694 Punkten notiert. Wer damals in den Nemax50 investierte, hat bis heute über neun Zehntel seines Kapitals verloren.

Dagegen muten sich die Verluste des DAX seit Frühjahr 2000 mit einem Sturz von 8.136 auf derzeit knapp 2.900 Punkte fast bescheiden an. Wer damals auf die 30 deutschen Standardwerte setze, hat "nur" etwa zwei Drittel seines Kapitals verloren. Aber auch an diesem Dienstag kannte der DAX nur eine Richtung: nach unten. Er verlor 41 Punkte oder 1,4 Prozent auf 2.873 Zähler.

Woran liegt es? Zwei Gründe sind in erster Linie zu nennen: Zum einen die Angst vor einem Irak-Krieg, der mit den Äußerungen von Großbritanniens Premier Tony Blair wieder wahrscheinlicher geworden ist. Ein Krieg könnte den Ölpreis deutlich steigen lassen - das wäre Gift für die Konjunktur. In den vergangenen Tagen ist der Preis pro Barrel Rohöl bereits deutlich in die Höhe gegangen. Die OPEC-Ölsorten notieren beispielsweise bereits über der Marke von 28 Dollar.

Zum anderen sind Gewinnwarnungen und schlechte Geschäftszahlen für die derzeitige Börsen-Misere verantwortlich. So ist der Gewinn der führenden amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers deutlich eingebrochen. Einzig das besser als erwartet ausgefallene Verbrauchervertrauen in den USA begrenzte die Verluste.

Vor allem die Finanz- und Technologiewerte traf es an diesem Dienstag. Der Elektronikteile-Fabrikant Epcos verlor 9 Prozent. Dazu gesellte sich der Finanzdienstleister MLP mit minus 7,5 Prozent.

Erneut brach auch der Kurs der weltweit größten Rückversicherung Münchener Rück um 8 Prozent ein. Am Markt kursieren Gerüchte, die Allianz wolle ihren Anteil an der Münchener Rück reduzieren. Beide Unternehmen sind eng miteinander verknüpft. Das kommt nicht nur in den Nähe beider Unternehmenszentralen in der Königinstraße am Englischen Garten in München zum Ausdruck. Die Münchener Rück hält 20 Prozent an der Allianz, die Allianz wiederum knapp 25 Prozent an der Münchener Rück. Daher entwickeln sich die Kurse beider Unternehmen meist recht deckungsgleich.

Die Reiseunternehmen TUI und Lufthansa litten unter der Ankündigung der EU-Kommission, die nach den Terroranschlägen in den USA beschlossenen staatlichen Garantien für europäische Fluggesellschaften zum 31. Oktober auslaufen zu lassen. Die TUI büßte 5 Prozent ein, die Lufthansa 4 Prozent. Beide Aktien leiden ebenfalls unter der Gefahr eines Irak-Krieges. Ein solcher bliebe nach Auskunft des TUI Deutschland-Geschäftsführer Volker Böttcher sicher nicht ohne Auswirkungen auf das Geschäft.

Dennoch gilt auch derzeit: Keine Krise ohne Gewinner. Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro führte den DAX mit großem Abstand an und gewann knapp 8 Prozent. Ursache sind Gerüchte, der Weltmarktführer Wal-Mart aus den USA möchte die Metro übernehmen.

Gewinner des Chaos an den Aktienmärkten waren erneut die Anleihen. Der Bund-Future schloss bei 112,64 Punkten etwa 0,3 Prozent im Plus.

Die Bundesbank stellte die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen bei 4,09 Prozent erneut deutlich niedriger fest. Am Montag hatte sie 4,13 Prozent betragen.

Die Dax-Kurse im Einzelnen, wie immer in Euro und ohne Gewähr:

Altana 38,30 (- 0,54)

adidas-Salomon 65,80 (- 0,28)

Allianz 96,60 (+ 0,97)

BASF 36,01 (- 1,79)

Bayer 18,35 (- 0,35)

HypoVereinsbank 15,03 (- 0,49)

BMW 31,86 (- 1,89)

Commerzbank 7,54 (- 0,37)

DaimlerChrysler 34,71 (- 1,32)

Deutsche Bank 49,67 (+ 0,39)

Deutsche Post 9,11 (- 0,31)

Deutsche Telekom 9,15 (+ 0,03)

E.ON AG 43,53 (- 0,47)

EPCOS 8,10 (- 0,80)

Fresenius Med. Care 22,34 (+ 1,10)

Henkel 63,90 (- 1,08)

Infineon Techno 6,42 (- 0,23)

Linde 35,55 (- 0,93)

Lufthansa 9,80 (- 0,42)

MAN 15,29 (- 0,45)

Metro 18,88 (+ 1,37)

MLP 8,28 (- 0,67)

Münchener Rück 111,20 (- 9,50)

TUI AG 16,08 (- 0,87)

RWE 29,31 (- 0,57)

SAP 53,57 (+ 2,18)

Schering 49,25 (- 1,11)

Siemens 37,50 (+ 1,19)

ThyssenKrupp 10,87 (- 0,32)

VW 36,12 (- 2,48)

Nach den Referenzkursen der Europäischen Zentralbank entsprach ein Euro:

0,9828 US-Dollar, 0,6311 Britische Pfund und 121,02 Japanische Yen.

  • Datum 24.09.2002
  • Autorin/Autor Johannes Beck
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2hIE
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