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Kultur

Panama sagt ja zu Kanalerweiterung

Die Bürger Panamas haben sich klar für die Erweiterung des Panama-Kanals enschieden. Während Staatschef Torrijos das "si" als "Grundstein für eine bessere Zukunft" feiert, fürchten Kritiker hohe Kosten und Umweltschäden.

Blick von oben auf den Kanal

Panama will mehr Platz für Schiffe schaffen

Der Panama-Kanal ist für die modernen Schiffe zu klein und kann den gewachsenen Verkehr kaum noch bewältigen. Doch die Erweiterung der Wasserstraße an der engsten Stelle des amerikanischen Kontinents ist umstritten. Das Großprojekt der Kanalbehörde, das gigantischen Containerschiffen die Durchfahrt zwischen Pazifik und Atlantik ermöglichen soll, wird nach Angaben von Präsident Martín Torrijos 5,25 Milliarden Dollar (4,16 Milliarden Euro) kosten. Mit dem größeren Kanal soll Panama konkurrenzfähig bleiben, außerdem spricht die Regierung von bis zu 42.000 neuen Jobs. Kritiker sehen allerdings bedeutend höhere Kosten und fürchten Umweltschäden als Folge der Erweiterung.

Doch das Ergebnis des Volksentscheids ist eindeutig: Rund 80 Prozent der Wähler stimmten nach offiziellen Angaben für den Ausbau des fast 100 Jahre alten Kanals.

Lange Warteschlangen an Kanalzufahrten

Karte Panama mit Panama-Kanal

Parallel zu den bereits existierenden zwei Fahrrinnen soll eine dritte gebaut werden - mit neuen, größeren Schleusen. Zudem sollen der Wasserspiegel im Gatúnsee erhöht und die Fahrrinnen vertieft werden. Ziel des Ausbaus ist es vor allem, den Kanal für die neue Generation großer Containerschiffe befahrbar zu machen. 10.000 Container können diese transportieren - bisher sind es 4000. Zur Zeit durchqueren den Panama-Kanal rund 14.000 Schiffe pro Jahr - fünf Prozent des weltweiten Seehandels. Schon jetzt bilden sich Warteschlangen an den Kanalzufahrten. Die Durchfahrt dauert an sich nur acht bis zehn Stunden - doch mit den Wartezeiten brauchen die Schiffe im Durchschnitt 26 Stunden.

Touristen beobachten die Einfahrt von Schiffen in den Panama-Kanal

Stau im Kanal

Ohne Ausbau würde der Kanal seine Kapazitätsgrenzen nach Angaben der Betreiber im Jahr 2012 erreichen; nach der Erweiterung sollen deshalb jährlich 17.700 Schiffe die Abkürzung vom Pazifik zum Atlantik nehmen können. Panama müsse sich dem Wettbewerb stellen, hatte Präsident Torrijos argumentiert, andernfalls werde der Kanal zugunsten anderer Routen an Bedeutung verlieren.

"Projekt nutzt nur der Oligarchie"

Containerschiff auf dem Panama-Kanal

Wirtschaftlich ist der Kanal für Panama von großer Bedeutung: 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen von ihm ab. Der Ausbau würde nach Angaben der Regierung direkt 7000 neue Arbeitsplätze schaffen - und indirekt bis zu 35.000 weitere. Kritiker rechnen aber mit Kosten von bis zu acht Milliarden US-Dollar kosten. Sie sagen, die Regierung solle das Geld lieber in die Bekämpfung der Armut stecken, von der 40 Prozent der Panamaer betroffen sind.

"Das Projekt wird nur Panamas Oligarchie nutzen, die Hunderte Millionen Dollar an Schmiergeldern kassieren wird", kritisiert Miguel Bernal, Rechtsprofessor an der Universität von Panama. Außerdem beklagt er, die Opposition habe zu wenig Geld für die Nein-Kampagne, während die Regierung "verschwenderisch" gewesen sei.

Der Panama-Kanal wurde zwischen 1904 und 1914 von den Vereinigten Staaten gebaut. Frankreich war zuvor mit einem ähnlichen Plan gescheitert. Er ist etwa 80 Kilometer lang. Schiffe müssen seit seiner Eröffnung nicht mehr das Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas umfahren und sparen so drei bis vier Tage Fahrtzeit. (je/chr)

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