Panama Papers: Putin kritisiert Vorwürfe | Aktuell Europa | DW | 07.04.2016
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Aktuell Europa

Panama Papers: Putin kritisiert Vorwürfe

Kreml-Chef Putin sieht die "Panama Papers" als Versuch, sein Land zu destabilisieren. Gleichzeitig nimmt er einen Freund in Schutz, der Geld ins Ausland geschafft haben soll. Von Korruption könne keine Rede sein.

Fünf Tage nach der Veröffentlichung der so genannten "Panama Papers" hat sich Wladimir Putin erstmals zu Wort gemeldet. Der russische Präsident erklärte in St. Petersburg, durch die Enthüllungen rund um die panamaische Finanzkanzlei Mossack Fonseca solle fälschlich der Verdacht der Korruption erweckt werden.

Gegenüber russischen Nachrichtenagenturen erklärte das Staatsoberhaupt, die Unterstellungen über Offshore-Firmen sollten Russland "gefügiger machen". Informationen, wonach sich in den "Panama Papers" Spuren bis in die russischen Führungszirkel finden, dementierte Putin und ergänzte, sein Name tauche in den Unterlagen nicht auf. Zuvor hatte bereits Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärt, bei den veröffentlichen Unterlagen handele es sich um einen Angriff auf "Putin, Russland und die Stabilität des Landes". Viele der beteiligten Journalisten seien frühere Mitarbeiter des US-Außenministeriums und des US-Geheimdienstes CIA.

Putins "Bruder" unter Verdacht

Der internationalen Medienrecherche zufolge taucht Putin tatsächlich nicht in den Papieren auf. Allerdings fällt der Name Sergej Roldugin - ein Cellist, der mit Putin so gut befreundet ist, dass er ihn "seinen Bruder" nennt. Die beiden Männer kennen sich seit Ende der 70er-Jahre, Roldugin ist der Patenonkel von Putins Tochter Maria.

Dem Cellisten werden Briefkastenfirmen zugeschrieben, über die rund 1,75 Milliarden Euro gelaufen sein sollen. Putin wies die Anschuldigungen gegen Roldugin zurück. "Fast alles Geld, das er verdient hat, hat er in die Anschaffung von Musikinstrumenten im Ausland gesteckt und sie nach Russland gebracht", erklärte der Präsident. "Ich bin stolz auf solche Menschen."

Ein weltweites Netzwerk von Journalisten hatte mehrere Monate lang einen umfangreichen Datensatz über Briefkastenfirmen ausgewertet, die über die Finanzkanzlei Mossack Fonseca laufen. Die Rechercheergebnisse, die am Wochenende veröffentlicht wurden, riefen weltweit Steuerfahnder auf den Plan und forderten bereits ihr erstes prominentes Opfer: In Island trat Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson zurück, nachdem bekannt wurde, dass seine Frau eine Briefkastenfirma betrieb, die Anteile an den 2008 zusammengebrochenen Banken des Landes hielt.

djo/sc (afp, dpa, rtr, APE)