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Afrika

"Panama Papers": Diese Afrikaner stehen unter Druck

Der Sohn von Kofi Annan, der Neffe von Südafrikas Präsident Zuma, der Vorsitzende des höchsten Gerichts in Botswana - in den Panama Papers tauchen einflussreiche Afrikaner auf. Wir stellen zehn von ihnen vor.

Wer Geschäfte am Fiskus vorbeischleusen oder schmutziges Geld waschen möchte, der kann sich dafür ganz einfach einer anonymen Briefkastenfirma bedienen. Dabei sind Kanzleien wie zum Beispiel Mossack Fonseca in Panama behilflich: Sie gründet für ihre Kunden Scheinfirmen auf der ganzen Welt.

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3 Fragen, 3 Antworten: Wozu sind Briefkastenfirmen da?

Eine solche Firma oder Anteile daran zu besitzen, ist an sich nicht strafbar, bringt die Akteure aber zumindest in Erklärungsnot. Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) decken den Handel mit diesen Firmen jetzt auf. Auch zahlreiche Afrikaner sind darin verstrickt. Die Reaktionen auf den Skandal fielen zwar beschämt aus, doch die meisten überraschte der Skandal nicht.

"Eine Schande für Afrika"

Das Geld, das in Steueroasen verschwinde, sei genau das, das den afrikanischen Staaten für eine bessere Sozialpolitik fehle, sagt Mouhamadou Mbodj im DW-Interview. Er arbeitet für die Anti-Korruptionsorganisation "Transparency International" im Senegal. "Wahrscheinlich lässt sich durch das Fehlen dieser Gelder auch erklären, dass so viele Menschen nach Europa auswandern", so Mbodj.

So sieht es auch Lenny Kasoga, Wirtschaftswissenschaftler an der Universiät von Daressalam in Tansania. "Die Menschen in Afrika wollen wirtschaftliche Entwicklung und moderne Infrastruktur. Sie sehnen sich nach einer Staatsführung, die die Länder voranbringt, die nicht egoistisch ist, sondern vor allem die Interessen der jungen Menschen vertritt." Die Verwicklungen afrikanischer Politiker in die Panama Papers nennt er "eine Schande für Afrika und für die Staatsführung in afrikanischen Ländern".

1. José Maria Botelho de Vasconcelos: Angolas Erdöl-Minister

Als Minister wacht José Maria Botelho de Vasconcelos in der angolanischen Regierung über das Erdöl - immerhin das wichtigste Exportgut des südafrikanischen Landes. Die Panama Papers zeigen: Während seiner ersten Amtszeit erhielt Botelho de Vasconcelos die Vollmacht über ein Unternehmen mit Sitz im Südpazifik. Die Firma war nach eigenen Angaben eine Million US-Dollar wert und 2009 wurde sie aufgelöst. Handelte es sich dabei um eine Scheinfirma?

José Maria Botelho de Vasconcelos Angola Minister Petroleum

Nachdem er schon das Ressort für Wasser und Energie inne hatte, ist er derzeit Minister für Erdöl: José Maria Botelho de Vasconcelos

Auch wenn es bisher keine Korruptionsvorwürfe gegen den langjährigen Minister gab, der angolanische Menschenrechtler und Journalist Rafael Marques sagte der DW, er sei "nicht überrascht", ihn auf der Panama-Liste zu sehen". "Wenn man weiter nachforscht, wird man sicher noch mehr Namen finden." Die Korruption in Angola liege in US-Dollarn gemessen im Milliardenbereich, so Marques. "Ich weiß, dass viele Firmen in Panama gegründet wurden, und dass bekannte Angolaner darin verwickelt sind."

2. Mounir Majidi: Persönlicher Sekretär des Königs von Marokko, Mohammed VI.

"El Boughaz I" - auf diesen Namen wurde das Luxus-Segelschiff umbenannt, nachdem es in den Besitz des Königs von Marokko überging. Den Kauf des Schiffes aus den 1930er Jahren soll laut Recherchen des ICIJ der persönliche Sekretär des Königs, Mounir Majidi, eingefädelt haben - über eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln. Außerdem war Majidi als Direktor einer Gesellschaft in Luxemburg eingetragen, die Millionen erhielt - von wem, ist nicht bekannt. Beide Firmen seien rechtmäßig gegründet worden, hieß es laut ICIJ von Majidis Anwalt.

3. Ian Kirby: Vorsitzender des höchsten Gericht in Botswana

Seit 2010 steht Ian Kirby an der Spitze des "Court of Appeal", des höchsten Gerichts in Botswana. Laut den Recherchen des ICIJ hatte Kirby Anteile an sieben Briefkastenfirmen mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Einige dieser Firmen sollen Immobiliengeschäften gedient haben. Kirby sagte dem Recherchenetzwerk ICIJ, er und seine Ehefrau hätten in diese Firmen nur investiert um sie als Geldanlage zu nutzen.

4. Clive Khulubuse Zuma: Neffe des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat es derzeit nicht gerade leicht: Er hat mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen und deswegen läuft gegen ihn sogar ein Amtsenthebungsverfahen. Da kommt diese Nachricht gänzlich ungelegen: Den Enthüllungsberichten zufolge, soll Zumas Neffe, Clive Khulubuse Zuma, umstrittene Öl-Geschäfte mit Joseph Kabila, dem Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, gemacht haben. Aus den Papieren wird nun deutlich, dass Khubuluse Zuma als Vertretungsberechtigter für eine zwielichtige Firma eingetragen war, über die die Geschäfte liefen.

Südafrika Banner Zuma must fall in Kapstadt

Nach den jüngsten Nachrichten wird die Liste seiner Kritiker sicher nicht kürzer: Viele Südafrikaner haben genug von Präsident Jacob Zuma und fordern "Zuma must fall" - "Weg mit Zuma"

5. Jaynet Désirée Kabila Kyungu: Zwillingsschwester des Präsidenten der DR Kongo

Sie gilt als eine der einflussreichsten Personen rund um Präsident Joseph Kabila. Seit 2012 sitzt Jaynet Désirée Kabila Kyungu im kongolesischen Parlament, außerdem gehört ihr ein Medienunternehmen. Die Panama Papers zeigen, dass sie gemeinsam mit einem kongolesischen Geschäftsmann an der Spitze einer Offshore-Firma mit Sitz im Südpazifik stand. Die Firma hatte laut ICIJ-Angaben Anteile an einem der größten Mobilfunkanbieter im Kongo.

6. Bukola Saraki: Nigerias Senats-Präsident

Der Senats-Präsident gilt als dritt-mächtigster Mann in Nigeria - nach dem Präsidenten und dessen Stellvertreter. Zurzeit steht Saraki in Nigeria wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Nach Angaben der nigerianischen Zeitung "Premium Times" zeigen die enthüllten Dokumente Sarakis Frau als Besitzerin mehrerer Firmen in Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln und auf den Seychellen.

7. Kojo Annan: Sohn des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan

Ein Appartement in London für 500.000 US-Dollar hat Kojo Annan laut den Recherchen des ICIJ im Jahr 2003 gekauft - über eine Briefkastenfirma mit Sitz im Südseestaat Samoa. Außerdem war er als Direktor von zwei weiteren Firmen eingetragen, mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik. Diese Firmen würden nach den geltenden Gesetzen handeln und dienten legalen Zwecken, erklärte Annans Anwalt dem ICIJ. Es ist nicht das erste Mal, dass Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut werden.

Kojo Annan Sohn von Kofi Annan

Gerät durch die Enthüllungen in Bedrängnis: Kojo Annan, Sohn von Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan

Kojo Annans Vater, der Ghanaer Kofi Annan, war von 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN). In dieser Zeit vergaben die UN im Rahmen des "Öl-für-Lebensmittel-Programms" einen Auftrag an die Schweizer Firma, für die Kojo Annan arbeitete. Der Vorwurf der Vetternwirtschaft ging um. Eine unabhängige Untersuchung fand dafür jedoch keine Beweise.

8. Kalpana Rawal: Stellvertretende Vorsitzende des höchsten Gerichts in Kenia

Die Inderin Kaplana Rawal ist seit 2013 stellvertretende Vorsitzende an Kenias "Supreme Court". Davor waren sie und ihr Mann laut der Panama Papers als Direktoren von zwei Firmen in der Karibik eingetragen. Auch ihre Familie soll ähnliche Firmen genutzt haben, um in und um London mit Immobilien zu handeln. Rawal gab gegenüber ICIJ an, ihr Mann habe sie ohne ihr Wissen als zweite Direktorin angegeben. In die Geschäfte ihrer Familie sei sie nicht eingebunden gewesen.

9. John Addo Kufuor: Sohn des ehemaligen Präsidenten von Ghana, John Agyekum Kufuor

Auch der älteste Sohn von Ghanas ehemaligem Präsidenten John Agyekum Kufuor taucht in den Panama Papers auf. Unter anderem soll er mit seiner Mutter über ein 75.000 US-Dollar schweres Bankkonto in Panama verfügt haben. Schon 2005 berichteten ghanaische Medien von Vorwürfen gegen den Präsidentensohn wegen Korruption und Vetternwirtschaft. Die Untersuchungskommission konnte ihm jedoch nichts anlasten.

10. Mamadie Touré: Die Witwe des ehemaligen Präsidenten von Guinea-Conakry, Lansana Conté

Auch Jahre nach dem Tod ihres Mannes gilt Mamadie Touré als einflussreiche Persönlichkeit in ihrer Heimat. Die Panama Papers zeigen, dass Touré eine Vollmacht für eine Firma in der Karibik hatte - genau zu der Zeit als sie in Kontakt war mit einem Bauunternehmen, von dem sie später Bestechungsgelder erhalten haben soll. 5,3 Millionen US-Dollar soll sie angenommen haben, so der Vorwurf US-amerikanischer Behörden. Als Gegenleistung soll ihr Mann dem Unternehmen Bergbaukonzessionen erteilt haben.

Mitarbeit: Madalena Sampaio, Sandrine Blanchard, Iddi Sessanga

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