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Aktuell Welt

"Panama Papers" alarmieren Ermittlungsbehörden

Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen von Politikern und Prominenten in Panama dürften weltweit zu Ermittlungen führen. Die betroffene Kanzlei sieht sich zu Unrecht am Pranger.

Dienstmarke eines Steuerfahnders (Foto: dpa)

Dienstmarke eines Steuerfahnders

Am schnellsten reagierte die Steuerbehörde in Australien. Sie kündigte an, sie werde mehr als 800 vermögende Kunden der Panama-Kanzlei Mossack Fonseca wegen möglicher Steuerflucht ins Visier zu nehmen. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung " berichtet, ihr seien umfangreiche Daten über Briefkastenfirmen in Panama zugespielt worden.

"Parkplatz" für Gelder

Aus den zusammen mit einem internationalen Medienverbund ausgewerteten Unterlagen gehe hervor, dass zahlreiche internationale Politiker, Sportler und Prominente ihr Geld in Offshorefirmen geparkt haben. Die Briefkastenfirmen sollen vor allem von der Kanzlei Mossack Fonseca gegründet worden sein, so die "SZ". Die Gründung von Briefkastenfirmen ist an sich legal. Sie werden aber oft genutzt, um Vermögen vor dem Finanzamt zu verstecken oder Gelder zu "waschen".

Der deutsche Steuerfahndungsexperte Frank Wehrheim rechnet damit, dass es nach den spektakulären Enthüllungen "weltweit Ermittlungen" geben wird. Auch in Deutschland würden die Veröffentlichungen sehr aufmerksam beobachtet, sagte Wehrheim den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Da starren jetzt alle Steuerfahnder der Republik drauf. Hier geht es nicht nur um Steuerhinterziehung, sondern auch um Geldwäsche und andere Delikte", so Wehrheim, selbst ehemaliger Steuerfahnder. "Dagegen sind die bislang bekannten Steuer-CDs eine Kleinigkeit."

SPD-Vize fordert Konsequenzen

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner forderte angesichts der Medienberichte eine härtere Gangart gegen Steuerhinterzieher. "Der Kampf gegen Steueroasen muss deutlich konsequenter geführt werden, gesetzliche Schlupflöcher müssen geschlossen werden", sagte Stegner der Zeitung "Handelsblatt". Millionenfache Steuerhinterziehung sei "Schwerstkriminalität gegen das Gemeinwesen". Ähnlich reagierten Politiker von Linken und Grünen.

Sitz der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama-Stadt (Foto: AP)

Sitz der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama-Stadt

Kanzlei: Wurden gehackt

Die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca räumte ein, dass die veröffentlichten Dokumente zum Teil von ihr stammen. "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen", sagte Kanzlei-Anwalt Ramón Fonseca Mora. Er führt die Firma gemeinsam mit dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack. Zugleich erklärte Fonseca, sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Panamas Präsident Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation des mittelamerikanischen Landes bei der Aufklärung zu. "Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Maß an Transparenz gearbeitet wird", hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts. Die Staatsanwaltschaft in Panama-Stadt leitete Ermittlungen ein.

wl/ml (dpa, afp, rtr)