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Syrien

Palmyra angeblich schon wieder unter Kontrolle der IS-Miliz

Offenbar nur ein taktischer Rückzug: Aktivisten melden, dass die IS-Miliz erneut in die syrische Wüstenstadt Palmyra eingerückt ist. Nach russischen Luftangriffen habe sie sich kurzzeitig in Vororte zurückgezogen.

Syrien Palmyra (Getty Images/AFP/L. Beshara)

Die berühmte Zitadelle von Palmyra

Die militärische Lage in und um die zentralsyrische Stadt Palmyra erinnert an ein Katz- und Mausspiel zwischen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf der einen Seite und den Truppen des Regimes und der russischen Luftwaffe auf der anderen Seite. Aktivisten des IS seien am Mittag erneut in die  historische Oasenstadt eingefallen und kontrollierten nun die gesamte Stadt samt UNESCO-Weltkulturerbe-Gelände, teilte der Leiter des Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, mit. "Trotz der anhaltenden Luftangriffe hat der IS ganz Palmyra wieder zurückerobert." Die den syrischen Rebellen nahestehende Organisation mit Sitz in Großbritannien beruft sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die Palmyra Coordination Group bestätigte den Vormarsch und erklärte, die Dschihadisten hätten aus mehreren Richtungen angegriffen und die Verbände des Regimes zum Rückzug nach Süden gezwungen. Auch das IS-Sprachrohr Amak meldete, die Dschihadisten hätten die antike Wüstenstadt wieder vollständig unter ihrer Kontrolle gebracht.

Widersprüchliche Angaben

Nach Meldungen russischer Nachrichtenagenturen konnte die Miliz etwa 4000 Kämpfer neu gruppieren und einen zweiten Versuch starten, um Palmyra wieder einzunehmen. Trotz großer Verluste bei Personal und Material bemühe sich der IS, in der Stadt erneut Fuß zu fassen. Die Miliz habe erhebliche Verstärkung aus ihren Hochburgen Rakka und Deir al Zor herangeführt. Die Truppen des syrischen Regimes seien in Kämpfe verwickelt, um Palmyra zu verteidigen.

Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, über Nacht seien mehr als 60 Luftangriffe auf Stellungen, Konvois und Nachschublieferungen des IS geflogen worden. Dabei seien mehr als 300 Dschihadisten getötet worden. Man habe zudem elf Panzer und 31 weitere Fahrzeuge zerstört. Die syrische Armee habe in der Nacht Verstärkung bekommen. Die Terrormiliz habe Selbstmordattentäter mit Autobomben in den Kampf geschickt.

Die IS-Kämpfer waren schon Samstagabend in die kulturell bedeutende Stadt eingefallen, konnten am Sonntagmorgen durch heftige Luftangriffe Russlands aber vorübergehend in Vororte vertrieben werden.

Syrien Palmyra Islamischer Staat Kämpfer (Reuters/Amaq)

Das Bild aus einem Amak-Video zeigt IS-Kämpfer am Berg Hayan südlich von Palmyra

Offensive in Provinz Homs

Der IS hatte vor wenigen Tagen eine überraschende Offensive in der Provinz Homs gestartet, in der antike Oasenstadt liegt.

Erst im März hatten Truppen des syrischen Regimes mit russischer Luftunterstützung Palmyra zurückerobert, nachdem die Stadt etwa zehn Monate unter der Kontrolle des IS gestanden hatte. Die Dschihadisten hatten während ihrer Herrschaft über die Stadt zahlreiche einzigartige historische Kulturgüter aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zerstört. So sprengten sie die Tempel Baal und Bal-Schamin sowie den Triumphbogen. Die Ruinen der früheren Handelsmetropole gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

kle/uh/haz (afp, dpa, rtre, ape)

 

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