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Politik

Palmöl hilft im Kampf gegen Kokain

Ölpalmen sind für Kleinbauern in Peru eine Alternative zum Kokastrauch. Doch jetzt steigen Großunternehmen in das Geschäft mit dem begehrten Biokraftstoff Palmöl ein, zum Leidwesen der Kleinbauern - und des Regenwaldes.

Ex-Kokabauer Hector Oré läuft durch eine Palmölplantage, Quelle: Steffen Leidel

Ex-Kokabauer Hector Oré setzt auf Palmöl

Hector Oré ist nicht im Urlaub, auch wenn er danach aussieht. Leger fällt sein Leinenhemd über die beige Stoffhose, die Haare sind lässig nach hinten gekämmt, seine Füße stecken in blauen Flip-Flops. Über ihm ein Dach aus saftig-grünen Palmwedeln, die nur hier und da die brennende Tropensonne durchlassen. "Es gibt nichts besseres als Ölpalmen", sagt Oré. Es klingt wie ein Bekenntnis, und das ist es auch.

Lange lebte Bauer Oré vom Glauben, dass es schon funktionieren würde, das Projekt mit den Ölpalmen. Es sei besser als der Kokastrauch, völlig legal und rentabel, hatten ihm die Leute von den Vereinten Nationen versprochen. Heute hat er Gewissheit. "Ja, es funktioniert", sagt der ehemalige Kokabauer. Auf 20 Hektar baut er Ölpalmen an, erntet sechs bis sieben Tonnen Palmfrüchte pro Woche. Ein gutes Einkommen ist ihm sicher. 80 Dollar gibt es derzeit pro Tonne. "Koka ließ sich nur drei Mal im Jahr ernten, die Palmfrüchte das ganze Jahr über. Das bedeutet Einnahmen fast jede Woche", sagt Oré.

Hector Oré und seine Familie vor Palmen. Quelle: Steffen Leidel

Hector Oré und seine Familie

Früher wurde im Shambillo-Tal, das etwa 1000 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Lima entfernt am Rande des Amazonas-Gebietes liegt, fast nur Koka angebaut. Heute kultivieren 400 Ex-Kokabauern mit ihren Familien Ölpalmen auf einer Fläche von insgesamt 1800 Hektar.

Hans-Jochen Wiese, der das Büro der Vereinten Nationen für Drogen und Verbrechen (UNODC) in Peru leitet, überzeugte Hector Oré damals. "Uns geht es nicht darum, dass die Bauern nur ein besseres Kakao- oder Kaffeefeld oder eine saubere Ölpalmplantage haben", sagt er. "Wir wollen, dass die ehemaligen Kokabauern sich in Unternehmen organisieren, die ihre Produkte auch selbst vermarkten."

Eigene Ölmühle

Hector Oré und die anderen Ölpalm-Bauern haben sich in Genossenschaften zusammengeschlossen. Sie sind neben Produzenten auch Teilhaber von Ölmühlen. Nur wenige Kilometer von Orés Palmenhain kommt man über eine Piste an eine solche Mühle. Ein süßlicher Geruch liegt über dem Areal, die Palmfrüchte werden dort gepresst und sterilisiert. "Wir verarbeiten sechs Tonnen Palmfrüchte pro Stunde", sagt Arturo Hoyos, Geschäftsführer der Mühle. "Kein Mitarbeiter - allesamt Ex-Kokabauern - will jemals wieder Koka anbauen", versichert er.

Eine Ölmühle im Shambillo-Tal. Quelle: Steffen Leidel

Eine Ölmühle im Shambillo-Tal

Allerdings gibt es in Peru nach wie vor tausende Bauern, die ausschließlich Koka anbauen und sich nicht von Alternativprodukten überzeugen lassen. Seit Wochen demonstrieren sie gegen die von der peruanischen Regierung angeordnete Vernichtung von Kokaplantagen. Präsident Alan García will mit aller Macht gegen den Drogenanbau in seinem Land vorgehen, schreckt auch vor markigen Worten nicht zurück. "Bombardiert die Drogenlabors", sagte er kürzlich. In Peru darf Koka nur für das Staatsunternehmen Enaco angebaut werden. Es ist für den traditionellen Konsum des Kokablatts als Tee oder zum Kauen bestimmt. Der legale Anteil der Kokablattproduktion ist jedoch verschwindend gering.

90 Prozent für Kokainproduktion

Laut Zahlen der UNO wird 90 Prozent der Kokablatt-Produktion für die Herstellung von Kokain verwendet. "Der Trend geht eindeutig nach oben", sagt UN-Experte Wiese. Die Produktivität der Kokafelder sei seit 2001 deutlich gestiegen. Auf mehr als 50.000 Hektar schätzt er die aktuelle Anbaufläche. Dennoch hält Wiese nicht viel davon, mit harter Hand gegen die Kokabauern vorzugehen. "Wir wissen aus der Vergangenheit, dass stark repressive Maßnahmen nur dazu führen, dass die Kokafelder einfach in andere Gebiete verlagert werden."

Zwei Jungs mit Schaufeln in einem Container. Quelle: Steffen Leidel

Früher schaufelten sie Kokablätter, heute Palmfrüchte

Wiese plädiert für den integralen Ansatz. Das Palmölprojekt ist eines der wenigen Alternativen, die von den Bauern bislang akzeptiert wurden. Es funktioniert jedoch nur in flachen Gebieten; für steile Hänge ist die Ölpalme nicht geeignet. Die Kleinbauern in Shambillo-Tal wollen die Anbaufläche weiter erhöhen. "Die Plantagen werden vor allem dort gepflanzt, wo früher Koka angebaut oder Viehzucht betrieben wurde", sagt Wiese. Eine großflächige Zerstörung von Regenwald, wie von Kritikern befürchtet, sieht er durch die Kleinbauern nicht. "Im Gegenteil: Wir verhindern so die ständige Migration der Bauern, die Brandrodung machen, und wenn der Boden dann ausgelaugt ist, einfach weiterziehen. Eine Palmenplantage bietet für mindestens 30 Jahre ein Auskommen."

Hunger auf Biokraftstoff

Allerdings droht den Kleinbauern Konkurrenz. Palmöl ist nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Biokraftstoff. Dieser Markt boomt. Unternehmen wie der peruanische Großinvestor Grupo Romero oder die US-Firma Pure BioFuels haben begonnen, riesige Flächen in Peru aufzukaufen, um dort Ölplantagen zu errichten. Das macht das Palmöl-Geschäft zwar noch lukrativer, aber: "Das sind nun einmal private Unternehmen, die werden ihre Arbeitabläufe optimieren. Der kleine Palmöl-Bauer kann da sicher nicht mithalten. Seine Preise werden immer höher liegen", fürchtet der Mühlenbetreiber Arturo Hoyos im Shambillo-Tal.

Ein Mann steht an einem Kokastrauch. Quelle: Steffen Leidel

Ein Kokastrauch einsam unter Palmen - im Shambillo-Tal gibt es immer weniger Kokafelder

Den Beteuerungen der Unternehmen, die Plantagen nachhaltig zu bewirtschaften und keinen Regenwald abzuholzen, glaubt er nicht. "Viele Leute kennen die Wirklichkeit des Urwaldes nicht. Die denken, da gibt es Würgeschlangen, Tiger und sonstiges Getier. Denen kann man alles erzählen. Uns aber nicht. Uns tricksen sie nicht aus", sagt Arturo Hoyos. "Wer behauptet, für die Palmplantagen müsse kein Wald gerodet werden, der lügt schlicht."

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