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Welt

Palin contra Biden - das Duell der Vizekandidaten

Sie gilt als unerfahren. Er nimmt es bei der Wortwahl nicht immer genau. Deswegen dürfte das TV-Duell der zwischen Sarah Palin und Joe Biden einige Überraschungen bereithalten.

US-Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin und Joe Biden (Quelle: DW)

Wer ist die beste Nummer zwei?

Am Donnerstagabend (02.10.2008, Ortszeit) wird es spannend. Dann beginnt zur besten amerikanischen Sendezeit die erste und einzige Fernsehdebatte zwischen den beiden US-Vizepräsidentschaftskandidaten. Sarah Palin gegen Joe Biden - die republikanische Gouverneurin aus Alaska tritt gegen den demokratischen Senator aus Delaware an.

Vor allem die 44-jährige Palin hat seit ihrer Nominierung Ende August für viel Wirbel gesorgt, im positiven wie im negativen Sinne. Sie mobilisiert zwar die Basis, lässt Experten aber aufstöhnen. Vor Journalisten wird Palin unter Verschluss gehalten, eine Pressekonferenz hat sie seit ihrer Nominierung noch nicht gegeben. Wahlkampfauftritte absolviert sie zusammen mit dem Präsidentschafrskandidaten der Republikaner, John McCain, und ihre wenigen Interviews sind alle aufgezeichnet.

Palins ungeschickte Interviews

Sarah Palin (Quelle: AP)

Steht vor der Bewährungsprobe TV-Duell: Sarah Palin

Deshalb blickt Amerika mit Spannung auf das Duell. Dabei sind die Erwartungen an Sarah Palin gering, hat sie doch vor allem in ihren letzten Fernsehinterviews keine gute Figur gemacht. Sie wirkte unnatürlich, ihre Antworten waren aus Floskeln und Schlagworten zusammengesetzt und brachten zum Teil mehr Verwirrung als Aufklärung.

In einem NBC-Interview wurde Palin beispielsweise zu ihrer außenpolitischen Erfahrung befragt. Im Wesentlichen fiel ihr dazu ein, dass man von Alaska aus Russland sehen könne und es eine Landesgrenze zu Kanada gebe. Auch beim Thema Wirtschaft fielen die Antworten nicht viel substanzieller aus.

Das Parteivolk liebt die "Hockey-Mum"

Palins Interviews lassen auch konservative Kolumnisten zusammenzucken. Die Vizepräsidentschaft sei für sie schlicht eine Nummer zu groß, heißt es da. Vereinzelt wurde sogar gefordert, Palin solle persönliche Gründe vorschieben, um die Kandidatur niederzulegen.

Die republikanische Basis allerdings liebt die Frau mit der einfachen Sprache und dem strahlenden Lächeln, die Elche erlegt, fünf Kinder großzieht, sich selbst so gerne als die "Hockey-Mum" von nebenan darstellt und trotzdem Karriere gemacht hat.

Annette Heuser, Leiterin des Washingtoner Büros der Bertelsmann-Stiftung, meint, Palin habe neue Werte in den Wahlkampf getragen - erzkonservative Werte, die viele Amerikaner ansprächen und in der politischen Debatte bislang weder von John McCain noch von seinem Rivalen Barack Obama bedient worden seien. Insofern sei es ihr gelungen, ein "politisches Vakuum" zu füllen, was für die Wahlen ganz entscheidend sei, so Heuser.

Bidens Ausrutscher werden übersehen

Joe Biden (Quelle: AP)

Diesmal fallen seine Patzer auf: Joe Biden

McCains Wahlkampf-Team hat die Medien in den letzten Wochen wiederholt dafür kritisiert, dass sie Sarah Palin viel stärker unter die Lupe genommen hätten als Obamas Vizekandidaten Joe Biden.

Denn auch Biden hat sich den einen oder anderen Patzer geleistet, worüber aber weniger berichtet wird. In einem Interview zur Wirtschaftskrise etwa zitierte Joe Biden aus einer vermeintlichen Fernsehansprache von US-Präsident Franklin Roosevelt aus dem Jahr 1929. Das Problem dieser Aussage war allerdings, dass 1929 das Fernsehen noch in seiner Anfangsphase steckte. Das aktuelle Medium war das Radio, und der amerikanische Präsident hieß Herbert Hoover und nicht Franklin Roosevelt.

Doch Joe Biden ist außenpolitisch ein Experte und hat 35 Jahre Erfahrung im Senat vorzuweisen. Während der Debatten im Vorwahlkampf hat er sich nicht schlecht geschlagen, obwohl er für sein lockeres Mundwerk bekannt ist. Im TV-Duell muss Biden also aufpassen, dass er nicht zu herablassend oder gar ausfällig wird. Und Sarah Palin muss zeigen, dass sie in einem Live-Gespräch mehr zu bieten hat als zusammenhanglose Sätze.

Vize ist wichtiger geworden

Die Politologin Annette Heuser hält die Debatte diesmal für besonders wichtig, weil sich die Rolle des Vizepräsidenten in den letzten Jahren deutlich gewandelt habe. Dies liege auch daran, dass die USA in den vergangenen Jahren mit Dick Cheney einen starken Vizepräsidenten gehabt hätten, der im Hintergrund die Strippen zog, um dem innen- und außenpolitisch schwachen Präsidenten George W. Bush zu Hilfe zu kommen.

Daher, so meint die Expertin, wollten die Amerikaner künftig sehr viel genauer wissen, wer der zweite Mann oder die zweite Frau hinter dem Präsidenten werden soll.

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