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Aktuell Kultur

"Palasttreppe" kehrt nach Polen zurück

Deutschland gibt das von den Nazis geraubte Gemälde "Palasttreppe" von Francesco Guardi an das Nationalmuseum in Warschau zurück. Die Geschichte des Bildes zeigt, wie schwierig der Umgang mit NS-Raubkunst ist.

"Das Bild wurde von den Nazis geklaut. Wir haben kein Recht, das Kunstwerk länger zu behalten", sagte Baden-Württembergs Kultur-Staatssekretär Jürgen Walter. Seit 14 Jahren lagert das Gemälde des italienischen Rokoko-Malers Francesco Guardi im Depot der Stuttgarter Staatsgalerie. Die Geschichte des Bildes, das die prachtvolle Palasttreppe des Dogenpalastes in Venedig zeigt, ist verworren: 1939 wurde das Kunstwerk von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, nach Kriegsende beim "Central Collecting Point Wiesbaden" eingeliefert, von dort gelangte es in die Universität Heidelberg, war dann Leihgabe im Kurpfälzischen Museum und kam schließlich nach Stuttgart, wo es über Jahre im Depot verschwand.

Guardi als Faustpfand

Obwohl bekannt war, dass es sich bei dem Werk um Raubkunst handelt, scheiterte die Restitution bislang an schleppenden Verhandlungen. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Bundesregierung mit der Herausgabe des Gemäldes gezögert. Dabei spielte auch die unklare Rückgabesituation um eine historische Schriftensammlung in Krakau eine Rolle. Deutschland erhebt darauf Anspruch und hatte das Guardi-Bild quasi als eine Art Pfand zurückbehalten. Nun hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Haltung geändert: Es liege Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Herzen, "ein neues Momentum in den Dialog über die Rückführung von Kulturgütern zu bringen", sagte ein Ministeriumssprecher. Polen sei "ein ganz wichtiger Partner für Deutschland". Heute (31.03.13) wird Steinmeier die "Palasttreppe" seinem polnischen Amtskollegen Radosław Sikorski im Auswärtigen Amt in Berlin übergeben.

"Wir sind beide froh, dass dieses bedeutende Werk nach rund 75 Jahren wieder nach Polen an das Nationalmuseum Warschau zurückkehrt. Die Rückgabe ist ein sichtbares Symbol gegenseitigen Vertrauens. Sie ist gleichzeitig ein Beleg für den Erfolg und ein wichtiger Impuls für eine engagierte Fortsetzung unseres Kulturgüterdialogs", erklärten die beiden Außenminister vor der Übergabe.

az/sh (dpa/Auswärtiges Amt)