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Nahost/Nordafrika

Palästinensische Gebiete: Journalistisches Fadenspiel

Dunia Bader berichtet für palästinensische Jugendliche - zwischen den Fronten. Die Journalistik-Studentin gehört zur jungen Redaktion des Online-Portals "Qudscom", der neuen jungen Stimme in Jerusalem.

Der Konflikt ist zwar gleich um die Ecke. Aber Dunia Bader hat nicht vor, sich in Gefahr zu bringen. Sie erhält ein paar letzte Hinweise von ihrer Chefredakteurin, hängt sich ihr Kamera-Equipment um und macht sich auf den Weg durch die Straßen Jerusalems. Die 21-Jährige ist Reporterin des palästinensischen Online-Portals "Qudscom", "Euer Jerusalem". Hier berichtet sie für und über palästinensische Jugendliche in ihrer Stadt - rund 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre, dennoch kommen sie in den Medien kaum vor.

Dunia Bader hat den Auftrag bekommen, eine Reportage über minderjährige Palästinenser in Haft zu schreiben. Das Qudscom-Redaktionsbüro ist nur wenige Meter von dem Damaskus-Tor entfernt, das in die Altstadt führt. Nach dem Freitagsgebet kommt es hier oft zu Ausschreitungen - Palästinenser demonstrieren gegen die Präsenz der israelischen Soldaten und für einen ungehinderten Zugang zu den heiligen Stätten.

Als Journalistin zwischen Fronten

Viele minderjährige Demonstranten werden bei den Ausschreitungen - unter anderem wegen Steinwerfens - von israelischen Soldaten festgenommen. Laut der Menschenrechtsorganisation B'Tselem sollen sich derzeit mehr als 400 Jugendliche in israelischen Militärgefängnissen befinden (Stand Februar 2016).

Blick von dem Qudscom-Redaktionsbüro auf die Altstadt Jerusalems. (Foto: Alice Kohn)

Blick aus der Qudscom-Redaktion auf die Altstadt Jerusalems

Über sie will Dunia berichten - doch zu den Demonstrationen zu gehen, wäre zu gefährlich für die Journalistik-Studentin. Außerdem würden die Soldaten ihr eh den Zugang verwehren, sagt sie. Also muss die junge Reporterin einen anderen Dreh für ihre Reportage finden.

Qudscom hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Themen zu berichten, die junge Erwachsene in Jerusalem beschäftigen: Soziales, Kultur, Familie. Denn die politisch angespannte Situation im Nahen Osten beeinflusst auch die Mediensituation. Reporter ohne Grenzen listet die Palästinensischen Gebiete auf Platz 132 von 180 Ländern. Journalisten kämpfen hier an mehreren Fronten: Auf der einen Seite behindern israelische Sicherheitskräfte oft palästinensische Reporter bei der Arbeit, verwehren ihnen den Zugang, beschlagnahmen Material oder nehmen sie fest. Auf der anderen Seite werden viele von ihnen vom palästinensischen Geheimdienst beobachtet. Bei Kritik an der Regierung oder Berichten über Korruption drohen auch hier - unter dem Vorwurf des Staatsverrats - Festnahmen.

Gefahren abwägen

Dunia Bader bei Redaktionssitzung von Qudscom (Foto: Alice Kohn)

Dunia Bader bei einer Qudscom-Redaktionssitzung

In dieser Gemengelage finden sich Dunia Bader und ihre Kollegen seit 2014 zurecht. Qudscom ist eines der ersten Medienprojekte der Jugendorganisation Palestinian Youth Vision, unterstützt von der DW Akademie, der Organisation für Medienentwicklung der Deutschen Welle. "Ich empfinde es als meine Aufgabe, etwas an mein Land zurück zu geben, indem ich der Welt erzähle, was hier passiert", sagt die quirlige Dunia Bader.

Braucht es dafür besonders viel Mut? Man müsse vor allem kreativ sein und andere Wege finden, sagt die 21-Jährige. Wenn man als Journalist im Gefängnis sitze, helfe das niemandem. Daher hat sie beschlossen, für ihre Reportage nicht über die Verhaftungen zu berichten, sondern Jugendliche zu portraitieren, die schon aus dem Gefängnis entlassen wurden: Wieso wurden sie festgenommen? Wie hat der Gefängnisaufenthalt sie verändert? "So gebe ich dem Thema eine persönliche Note. Und bringe mich selbst nicht in Gefahr."

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