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Aktuell Welt

Palästinenser-Präsident Abbas verurteilt den Holocaust so scharf wie nie

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat so scharf wie nie zuvor die Judenvernichtung in Nazi-Deutschland verurteilt. Ein Signal an Israel, die Friedensgespräche wiederaufzunehmen?

Zum ersten Mal bezeichnete Abbas den Völkermord der Deutschen an rund sechs Millionen Juden als "das abscheulichste Verbrechen der Menschheit in der jüngeren Geschichte". Die Stellungnahme wurde anlässlich des Holocaust-Gedenktags in Israel veröffentlicht, der am Sonntagabend begonnen hat. Abbas äußerte laut der Nachrichtenagentur Wafa auch sein Mitgefühl mit "den vielen unschuldigen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden" sowie mit ihren Angehörigen. Der Holocaust sei ein Ausdruck des Rassismus, "den wir ablehnen und bekämpfen".

Der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) rückt damit offenbar von Positionen ab, die er drei Jahrzehnte zuvor in seiner Doktorarbeit vertreten hatte. Damals hatte er den Holocaust relativiert und der "zionistischen Bewegung" vorgeworfen, sie habe mit dem Regime von Adolf Hitler kooperiert.

Abbas appelliert an Israel

Die Palästinenser, die immer noch in Unterdrückung und ohne Freiheit und Frieden lebten, so Abbas weiter, seien "die ersten, die ein Ende von Ungerechtigkeit und Diskriminierung fordern" - egal, gegen wen sie gerichtet seien. "Anlässlich der schmerzhaften Erinnerung an den Holocaust rufen wir die israelische Regierung dazu auf, diese Gelegenheit zu ergreifen, einen gerechten und umfassenden Frieden auf der Basis einer Zwei-Staaten-Lösung zu erzielen - Palästina und Israel, die Seite an Seite in Sicherheit und Frieden leben", sagte Abbas

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu äußerte sich bereits zu den ungewöhnlichen Worten und kritisierte, Abbas wolle nur die Weltöffentlichkeit besänftigen. Er habe einen Bund mit der radikalislamischen Hamas geschlossen, die die Judenvernichtung leugne und die Zerstörung Israels und damit einen zweiten Holocaust anstrebe. Abbas solle lieber "zwischen einem Pakt mit der Hamas und einem echten Frieden mit Israel wählen".

Neue Bedingungen für Friedensverhandlungen

Die Beziehungen zwischen den Israelis und den Palästinensern sind derzeit auf einem neuen Tiefpunkt, seitdem die PLO mit der Fatah als größter Fraktion vor wenigen Tagen ein Aussöhnungsabkommen mit der radikalislamischen Hamas geschlossen hat. Die den Gazastreifen kontrollierende Hamas, die Israels Existenzrecht bislang nicht anerkennt und wegen Anschlägen und Raketen auf Israelis auf der Terrorliste der USA und der EU steht, war mit der gemäßigten Fatah seit Jahren zerstritten. Die israelische Regierung setzte als Reaktion auf die Einigung die seit Wochen kriselnden Friedesverhandlungen aus und bereitet Sanktionen vor.

Am Samstag verkündete Mahmud Abbas bei einer Rede vor dem PLO-Zentralrat in Ramallah, dass eine Palästinenserregierung unter Beteiligung der Hamas Israel anerkennen werde. Er stellte aber auch Bedingungen für weitere Friedensgespräche, die Israel wiederum als "letzten Nagel im Sarg des Friedensprozesses" bezeichnete. So müssten vor weiteren Verhandlungen zunächst die Grenzen eines zukünftigen Palästinenserstaates abgesteckt und ein Baustopp israelischer Siedlungen durchgesetzt werden. Außerdem solle Israel endlich die zugesagte Freilassung der palästinensischen Gefangenen durchführen.

chr/re (dpa, afp)