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Politik

Pakt mit Gaddafi

Der libysche Staatschef Gaddafi galt im Westen jahrelang als Ausgestoßener. Nun gilt er Tony Blair als wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Terrorismus.

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Der historische Moment

Es war ein wahrhaft historischer Moment, als Tony Blair und Muammar Gaddafi sich am Donnerstag (25.3.2004) in einem Beduinenzelt in der libyschen Hauptstadt Tripolis die Hände reichten. Der letzte britische Premierminister, der vor Blair Libyen besuchte, war Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs gewesen. Spätestens nachdem sich Oberst Muammar Gaddafi 1969 an die Macht putschte, war ein solcher Besuch ohnehin unvorstellbar.

Gaddafi, der Diktator mit der Neigung zu bizarren Inszenierungen seiner Macht, war für den Westen ein Ausgestoßener, eine Inkarnation des Staatsterrorismus. US-Präsident Ronald Reagan bezeichnete ihn einst als den "verrückten Hund des Nahen Ostens" und trachtete ihm 1986 direkt mit Luftangriffen nach dem Leben - 101 Menschen wurden dabei getötet, unter anderem eine Adoptiv-Tochter des Diktators.

Endgültig zum Ausgestoßenen der Staatengemeinschaft wurde Gaddafi, als sich Libyens Verantwortung für den Bomben-Anschlag auf den PanAm-Jumbo über dem schottischen Lockerbie herausstellte, bei dem 1988 270 Menschen ums Leben kamen. Zudem rüstete Libyen über Jahre die Irish Republican Army (IRA) auf.

Die Wende

Seit einigen Jahren versucht Libyen, die internationale Isolation aufzubrechen. Im Dezember 2003 tat Gaddafi schließlich nach monatelangen Geheimverhandlungen mit den USA und Großbritannien den entscheidenden Schritt zum Anschluss an die internationale Gemeinschaft: Er gab den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bekannt. Seitdem besuchten schon italienische und spanische Spitzenpolitiker Tripolis. Erst vor wenigen Tagen war der Nahost-Gesandte der US-Regierung, William Burns, beim libyschen Staatschef zu Gast.

"Wichtiges Signal" an die arabische Welt

Blair versprach auf einer Pressekonferenz vor seinem Abflug, die "Schmerzen der Vergangenheit" bei seinem Besuch nicht zu vergessen. Der britische Premier fügte aber hinzu: "Lasst uns Ländern, die dem Terrorismus und der Entwicklung von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen abschwören, die Hand zur Partnerschaft reichen." Und Gaddafi griff beherzt zu: Eine "neue Partnerschaft" zwischen Großbritannien und Libyen wurde verkündet. Die Zusammenarbeit beider Länder sei ein "wichtiges Signal" an die arabische Welt, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien am Kampf gegen den Terrorismus mitzuwirken, sagte Blair nach der Begegnung mit Gaddafi.

Das Beispiel Libyen zeige, dass die arabischen Staaten bei der Zerschlagung des "gemeinsamen Feindes, dem fanatischen Terrorismus von El Kaida" helfen könnten. Blair kündigte die Zusammenarbeit beider Länder bei der Bekämpfung des Terrorismus und den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen an. "Uns vereint der gemeinsame Kampf gegen Extremismus und den El-Kaida-Terrorismus, der die westliche und die arabische Welt gleichermaßen bedroht", bekräftigte Gaddafi.

Wirtschaftsabkommen unterzeichnet

Bekräftigt wurde der neue Pakt auch mit Zählbarem. Britische Firmen sind an der Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit dem ölreichen Libyen sehr interessiert. Der britisch-niederlänische Konzern Shell/Royal Dutch gab in London die Unterzeichnung eines Abkommens mit der staatlichen libyschen Ölgesellschaft National Oil Corporation bekannt, das nach Firmenangaben die Grundlage für "eine langfristige strategische Partnerschaft" legt.

Die OPEC schätzt Libyens bekannte Ölreserven auf 36 Millarden Barrel. Shell hatte sich vor zwölf Jahren aus Libyen zurückgezogen, nachdem die internationale Gemeinschaft wegen des Lockerbie-Attentats Sanktionen gegen das Land verhängt hatte. (sams)

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