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Asien

Pakistans Zerreißprobe

Für Pakistans Präsident Asif Ali Zardari geht es bei der Bekämpfung der Taliban um nicht weniger als das Überleben seines Landes. Pakistan sei der Herausforderung gewachsen - wenn es nicht alleine gelassen werde.

Pakistanischer Armeesoldat im Einsatz (Foto: AP)

Pakistanischer Armeesoldat beim Einsatz im Swat-Tal

Seit rund zwei Monaten läuft im Nordwesten des Landes eine Groß-Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban. Rund 2,5 Millionen Menschen sind aus der Region rund um das Swat-Tal geflohen. Und obwohl die Armee dort noch lange gebunden sein wird, rücken Regierungstruppen auch in Südwaziristan vor. Das Gebiet ist paschtunisches Stammesland und liegt an der afghanischen Grenze.

Karte, Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan Freies Bildformat

Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan



Der pakistanische Taliban-Experte Ahmed Rashid spricht von einer neuen Qualität im Kampf gegen den Terror. "Wir sehen zum ersten Mal, dass Militär und Regierung am gleichen Strang ziehen." Und dabei solle es nicht bleiben, erklärt der Experte. Das Swat-Tal allein reiche nicht aus. "Die Armee muss in Waziristan in die Offensive gehen. Das ist die Heimat der Taliban. Von dort aus haben sie sich verbreitet und mit Al Qaida und anderen Extremisten aus dem arabischen Raum und Zentralasien verbündet. Die Truppen müssen in die Stammesgebiete."

Engere Zusammenarbeit?

Schon jetzt sind in Südwaziristan rund 45.000 Menschen auf der Flucht. Pakistanische Kampfjets und Kampfhubschrauber sind im Einsatz, um den Militär-Konvois am Boden den Weg zu ebnen. Von der afghanischen Seite der Grenze starten unbemannte US-Kampfdrohnen und werfen Bomben ab. Dabei sollen allein am Dienstag mehr als 70 militante Kämpfer ums Leben gekommen sein.

Flüchtlingselend im Swat-Tal (Foto: AP)

Flüchtlingselend im Swat-Tal



"Die Amerikaner koordinieren diese Attacken sicher mit der pakistanischen Armee", ist Taliban-Experte Rashid überzeugt. "Wir werden jetzt auch verstärkt Bewegung bei den Truppen in Afghanistan sehen. Sie werden versuchen, flüchtende Taliban aus Waziristan abzufangen." Für die Zukunft rechnet Rashid mit einer viel engeren Kooperation zwischen den US- und NATO-Truppen in Afghanistan auf der einen Seite und der pakistanischen Armee auf der anderen.

Regierung in der Verantwortung

Die pakistanisch-afghanische Grenze zerschneidet das Siedlungsgebiet der Paschtunen, die das Rückgrat der Taliban sind. Auf der pakistanischen Seite der Grenze haben Regierung und Armee die Losung ausgegeben, Baitullah Mehsud auszuschalten. Der 35-jährige gilt als Kopf der pakistanischen Taliban-Bewegung und soll bis zu 20.000 Kämpfer befehligen.

Der Experte Ahmed Rashid geht von einem langen, blutigen Krieg aus, der die pakistanische Gesellschaft belasten wird. Die Regierung habe jetzt die wichtige Aufgabe, ihre Bevölkerung über die Taliban aufzuklären – und ihr klar zu machen, dass der aktuelle Konflikt ein Kampf von Pakistanern gegen Pakistaner sei. "Hier sind keine ausländischen Agenten am Werk. Die Regierung muss klarstellen, dass es eine einheimische Bedrohung ist, der wir uns stellen müssen."

Foto: AP

Pakistanische Armee auf der Suche nach aufständischen Kämpfern

Pakistanischer Nachholbedarf

Die westlichen Staaten, vor allem die USA, haben Pakistan in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, nur halbherzig gegen radikale Islamisten zu kämpfen und sogar heimlich mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dem steuert Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi entgegen. "Wir müssen lernen, die Hintergründe zu verstehen: Warum sprengt sich ein sechzehnjähriger Selbstmordattentäter in die Luft, für was?" Der Minister wirbt um Vertrauen und bittet den Westen um dauerhafte Unterstützung.

Aber auch Pakistan selbst sieht Shah Mahmood Qureshi in der Pflicht. "Wir müssen als Staat kompetenter werden. Wir müssen unsere Sicherheitskräfte besser schulen und ausrüsten." Und nicht zuletzt müssten die staatlichen Strukturen verbessert und reformiert werden. Denn nur so könne Pakistan die von den Terroristen zurückeroberten Gebiete auch tatsächlich halten.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Esther Broders

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