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Politik

Pakistans Oppositionsführerin Benazir Bhutto ermordet

Kurz vor den Parlamentswahlen ist die Hoffnungsträgerin der pakistanischen Opposition einem Anschlag zum Opfer gefallen. Mindestens 16 weitere Menschen wurden durch das Selbstmordattentat in den Tod gerissen.

Benazir Bhutto, Archivbild

Mit ihr stirbt die Hoffnung

Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist am Donnerstag (27.12.2007) bei einem Attentat ums Leben gekommen. Den Angaben zufolge erlag sie in einem Krankenhaus in der Garnisonsstadt Rawalpindi ihren schweren Verletzungen.

Polizei spricht von gezielter Tötung

Der Tatort in Rawalpindi, AP

Der Tatort in Rawalpindi

Polizeiangaben zufolge feuerte ein Selbstmordattentäter kurz nach einer Wahlkampf-Kundgebung Schüsse auf das Auto Bhuttos. Danach habe er sich selbst in die Luft gesprengt. Der Fernsehsender Ary-One berichtete, die 54-jährige Bhutto habe einen Kopfschuss erlitten. Bei dem Anschlag wurden 16 weitere Menschen getötet.

Auf der Straße waren mehrere Leichen zu sehen. Zuvor hatte es noch geheißen, Bhutto sei unverletzt geblieben. Mitte Oktober waren bei einem Selbstmordanschlag auf Bhutto in Karatschi rund 150 Menschen getötet worden. Die Politikerin war erst kurz zuvor nach acht Jahren im Exil in ihre Heimat zurückgekehrt.

Anschlag kurz vor den Wahlen

Wut und Tränen in Pakistan, AP

Wut und Tränen in Pakistan

"Es ist die Tat derjenigen, die die Auflösung Pakistans betreiben", sagte ein Parteisprecher, "sie war das Symbol der Einheit." Der Anschlag auf die Oppositionsführerin und ehemalige Premierministerin Pakistans erfolgte knapp zwei Wochen vor den Parlamentswahlen.

Pakistans Präsident Pervez Musharraf veruteilte das Attentat als Werk von Terroristen. Diese stellten die größte Gefahr für die Nation dar. Er appellierte an seine Landleute, Ruhe zu bewahren und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. In zahlreichen Städten kam es bereits zu gewaltsamen Unruhen. Anhänger Bhuttos setzten Autos in Brand. Die Sicherheitskräfte wurden in besondere Alarmbereitschaft versetzt.

Reaktionen aus dem Ausland

Das US-Außenministerium erklärte, "der Anschlag zeigt, dass

es noch immer Kräfte in Pakistan gibt, die die Aussöhnung und eine demokratische Entwicklung untergraben wollen." US-Präsident George W. Bush bezeichnete das Attentat als einen "feigen Akt". Die Kräfte, die hinter dem Anschlag stehen, müssten vor Gericht gestellt werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Mordanschlag scharf verurteilt. Das terroristische Attentat richte sich auch gegen die Stabilität und den demokratischen Prozess zwei Wochen vor der wichtigen Parlamentswahl in dem Land, erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Merkel appellierte an die politischen Kräfte in Pakistan, "in der gegenwärtigen Lage Ruhe zu bewahren und ihrer Verantwortung für Sicherheit und Demokratie gerecht zu werden."

Der russische Vizeaußenminister Alexander Losjukow warnte, die Tat könne eine Welle des Terrorismus in Pakistan auslösen.

Leben und sterben für die Politik

Bhutto beim Allama-Iqbar-Schrein in Lahore (12.11.2007, AP)

Bhutto beim Allama-Iqbar-Schrein in Lahore (12.11.2007)

Benazir Bhutto wurde am 21. Juni 1953 in eine reiche Familie mit Landbesitz geboren. Ihr Vater Zulfikar Ali Bhutto gründete die Pakistanische Volkspartei (PPP). Er war Anfang der 70er Jahre Präsident und Ministerpräsident des Landes.

Nach einem Politik-Studium in Harvard und Oxford kehrte Benazir Bhutto 1977 nach Pakistan zurück, kurz bevor das Militär ihren Vater aus dem Amt putschte. Sie erbte nach der Hinrichtung ihres Vaters durch den neuen Machthaber, General Muhammad Zia-ul-Haq, im Jahr 1979 die Führung der PPP.

Bhutto wurde 1988 zur Ministerpräsidentin gewählt, wurde jedoch 1990 von dem damaligen Präsidenten wegen Korruptionsvorwürfen entlassen. Sie übernahm 1993 erneut die Macht, nachdem ihr Nachfolger Nawaz Sharif nach einem Streit mit dem Präsidenten zum Rücktritt gezwungen worden war. Ihre zweite Amtszeit war jedoch ebenfalls von kurzer Dauer: 1996 kehrte Sharif wieder in das Amt zurück.

Gefängnis, Exil und die Rückkehr

Benazir Bhutto, 7.11.2007, AP

Leben in ständiger Gefahr

1999 wurden Bhutto und ihr Ehemann Asif Ali Zardari zu fünf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von knapp neun Millionen Dollar verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, von einer Schweizer Firma Schmiergelder eingestrichen zu haben. Ein höheres Gericht hob das Urteil später auf. Bhutto und ihr Ehemann, der während ihrer Amtszeit zwischen 1993 und 1996 Minister für Investitionen war, befanden sich zur Zeit des Urteils im Ausland und kehrten nicht nach Pakistan zurück.

Im Jahr 2006 schloss sich Bhutto der Allianz zur Wiederherstellung der Demokratie an, der auch ihr Erzrivale Sharif angehörte. Beide hatten jedoch sehr unterschiedliche Ansichten über den Umgang mit Präsident Pervez Musharraf: Bhutto entschied sich für Verhandlungen mit dem Armeechef, während Sharif jeden Kontakt ablehnte.

Der zweite Anschlag war tödlich

Nachdem ihr Musharraf Schutz vor neuen Korruptionsklagen zugesichert hatte, kehrte Bhutto am 18. Oktober 2007 nach acht Jahren Exil in ihre Heimat zurück, wo ihr Hunderttausende einen überschwänglichen Empfang bereiteten. Am nächsten Tag kamen bei einem Selbstmordanschlag auf Bhutto in Karachi 139 ihrer Anhänger und Sicherheitsleute ums Leben. Bhutto erklärte anschließend, den Kampf für die Demokratie fortsetzen zu wollen. (vem)

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