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Asien

Pakistans militärischer Geheimdienst ISI

Nach den WikiLeaks-Veröffentlichungen gerät auch Pakistan unter Druck. Die Dokumente belasten den Militärgeheimdienst ISI, die Taliban unterstützt zu haben. Islamabad weist diese Kritik von sich.

ISI-Hauptquartier nach einem Anschlag im Jahr 2007 (Foto: picture alliance/dpa)

ISI-Hauptquartier in Rawalpindi nach einem Anschlag im Jahr 2007

Der militärische Nachrichtendienst Pakistans - Inter-Services Intelligence (ISI) - untersteht allein dem Militär in der Garnisonsstadt Rawalpindi. Er wurde 1948 - ein Jahr nach der Staatsgründung Pakistans - als militärischer Geheimdienst ins Leben gerufen. Rasch bekam er neue Aufgaben. Während der Militärherrschaft von Ayub Khan in den 1950er und 60er Jahren überwachte der ISI die demokratische Opposition im Lande und sicherte die politische Herrschaft der Militärs. Bald galt der ISI als Staat im Staate. Er ist mächtig und verfolgt seine eigenen Interessen. Immer wieder werden Korruptionsvorwürfe gegen den ISI erhoben, ohne dass ernsthaft versucht wird, den angeblichen Amtsmissbrauch zu bekämpfen. Der letzte Versuch, den militärischen Nachrichtendienst unter die Kontrolle der demokratisch gewählten Regierung Pakistans zu stellen, scheiterte 2008.

Strategische Überlegungen

Kontrollen an der pakistanisch-afghanischen Grenze (Foto: picture alliance/dpa)

Kontrollen an der pakistanisch-afghanischen Grenze (Foto: 2008)

Das Hauptinteresse des ISI gilt traditionell Indien, denn das große Nachbarland wird seit der Aufteilung des indischen Subkontinents 1947 als ernsthafte Bedrohung für die Existenz Pakistans eingestuft. Vor allem ein möglicher indischer Vorstoß in Richtung Islamabad und Rawalpindi würde die Militärs vor ein strategisches Problem stellen. Dort ist das Territorium Pakistans relativ schmal. Islamabad und Rawalpindi als politische und militärische Nervenzentren des Landes wären im Falle eines militärischen Angriffs verwundbar. Deshalb gehen die Militärs davon aus, dass die pakistanische Armee einen größeren Rückzugsraum Richtung Westen braucht. Von dort, im Osten Afghanistans, könnte die Armee sich sammeln und zum Gegenangriff übergehen.

Dieses Konzept setzt aber eine Verständigung mit den lokalen Machthabern im Osten Afghanistans voraus: den Taliban. Bündnisse mit ihnen aufzubauen und zu pflegen, um eine Zusammenarbeit im Falle eines Krieges mit Indien zu sichern, ist offenbar ein Schwerpunkt des ISI. Gleichzeitig sind solche Bündnisse dafür da, den indischen Einfluss in Afghanistan zurückzudrängen, um zu verhindern, dass Indien Pakistan einkreisen kann.

Karte des afghanisch-pakistanischen Grenzgebiets (Grafik: DW)

Es ist deshalb nicht überraschend, dass sowohl Washington als auch der afghanische Geheimdienst den ISI seit langem beschuldigen, die aufständischen Taliban in Afghanistan heimlich zu unterstützen und auszubilden. Dem ISI wurde auch vorgeworfen, hinter dem Anschlag auf die indische Botschaft in Kabul 2008 zu stehen und Verantwortung für ein Attentat auf Präsident Hamid Karsai zu tragen.

Brennpunkt Kaschmir

Islamabad weist derartige Vorwürfe regelmäßig zurück und weist nachdrücklich darauf hin, dass die pakistanische Armee seit Monaten die Taliban entlang der Grenze zu Afghanistan militärisch bekämpfe. Das liegt durchaus im Eigeninteresse Pakistans. Die pakistanischen Taliban sind aus Sicht des ISI eine ernstzunehmende Bedrohung. Ihre Bekämpfung wird ferner von den USA politisch und finanziell unterstützt.

Unruhen im indischen Teil Kaschmirs im Juli 2010 (Foto: AP)

Unruhen im indischen Teil Kaschmirs im Juli 2010

Der ISI sieht in Kaschmir auch einen weiteren Schwerpunkt für seine Aktivitäten, um den Einfluss Indiens einzudämmen. Die Himalayaregion Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan aufgeteilt, wird aber von beiden Ländern ganz für sich beansprucht. In dem von Pakistan verwalteten Teil Kaschmirs soll der militärische Geheimdienst Pakistans Ausbildungslager für islamistische Extremisten unterhalten haben, die Terroranschläge in dem von Indien verwalteten Teil Kaschmirs verübt haben.

Diese Terrorgruppen sollen auch im November 2008 mit Hilfe des ISI am Terroranschlag von Mumbai maßgeblich beteiligt gewesen sein. Der ISI bestreitet vehement die Vorwürfe. Festgenommene Verdächtigte haben diese aber teilweise bestätigt. Seit dem Terroranschlag von Mumbai belasten die angeblichen Aktivitäten des ISI alle diplomatischen Bemühungen um eine Entspannung zwischen Islamabad und Neu Delhi schwer.

Autor: Grahame Lucas
Redaktion: Tamas Szabo / Esther Broders