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Asien

Pakistans furchtlose Menschenrechtlerin

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Asma Jahangir ist eine furchtlose Kritikerin des politischen und militärischen Establishments und die erste Pakistanerin, die den Alternativen Nobelpreis erhält.

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin erhält den Alternativen Nobelpreis gemeinsam mit dem US-Whistleblower Edward Snowden, dem aus Sri Lanka stammenden Menschenrechtler Basil Fernando und dem US-Umweltschützer Bill McKibben in Stockholm. Die 62-jährige Asma Jahangir ist eine der führenden Aktivistinnen des Landes und ehemalige Präsidentin der Anwaltskammer am Obersten Gerichtshof Pakistans. Sie war auch Vorsitzende der Menschenrechtskommission des Landes und arbeitete als UN-Sondergesandte für Religionsfreiheit.

Ein Preis "für alle Aktivisten"

Frauen in Peshawar (Foto:REUTERS)

Frauen in Peshawar

Gegenüber der DW sagte sie, dass der Alternative Nobelpreis keine individuelle Auszeichnung sei, sondern eine Anerkennung der Arbeit aller Menschenrechtler in Pakistan. Diese müssten in ihrem Heimatland unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten, daher sei "der Preis ein Tribut an eine große Zahl von Pakistanern, die sich unermüdlich für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation in Pakistan einsetzen." Er sei auch eine Auszeichnung "für all die Menschen, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden sind und keine eigene Stimme besitzen."

Die Auszeichnung zeige der Welt auch, dass nicht alles schlecht sei in Pakistan, und dass es Menschen gebe, die sich immer wieder gegen ihre Unterdrückung zur Wehr setzten, so die Preisträgerin. Pakistan habe sich schon weit in Richtung Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entwickelt, "auch und gerade dank des Einsatzes vieler Menschenrechtsaktivisten im Land", so Jahangir.

Dass Asma Jahangir sich als Frau so vehement für Menschenrechte einsetzte, handelte ihr in der männlich dominierten pakistanischen Gesellschaft oft Schwierigkeiten ein: "Ich wurde verhaftet und unter Hausarrest gestellt, aber das hat mich nur entschlossener gemacht. Als Anwältin habe ich oftmals schwierige und sensible Fälle übernommen, in denen es um die Verteidigung von Minderheiten- und Frauenrechten ging" – mit Folgen, sagt sie gegenüber der DW, auch für ihr eigenes Leben: "Ich werde immer wieder bedroht, und ehrlicherweise ist das Ausmaß dieser Drohungen manchmal ziemlich beängstigend. Aber ich kann nicht anders. Ich muss weitermachen." In einem im Jahr 2012 mit der DW geführten Interview beschuldigte Asma Jahangir den mächtigen pakistanischen Geheimdienst ISI, hinter vielen dieser Drohungen zu stecken.

Ein langer Kampf

Christliche Sternsinger in einer Kirche in Karatschi (Foto:afp)

Christliche Sternsinger in einer Kirche in Karatschi

Asma Jahangir wurde 1952 als Tochter einer wohlhabenden Familie in Lahore geboren. In den 1960er Jahren protestierte ihr Vater mehrfach gegen die Politik Islamabads, die Unabhängigkeitsbewegung im späteren Bangladesch zu unterdrücken. Dafür wurde er mehrfach verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. “Diese Erfahrung hat mich zeit meines Lebens geprägt”, sagt Asma Jahangir heute. "Dadurch habe ich gelernt, nicht weiter materialistisch zu denken. Mein Vater hat sich für seine Ideale eingesetzt, und die Art, wie er immer wieder ins Gefängnis gegangen und mit einem Lächeln zurückgekommen ist, hat mich sehr inspiriert." Asma Jahangirs Vater starb mit 61 Jahren an Krebs. "Damals saßen meine Schwester und ich an seinem Bett, und er sagte uns: Ich werde nicht sterben, ich werde durch euch weiterleben", erinnert sich Asma Jahangir.

Die jungen Schwestern beherzigten seine Worte: 1980 gründeten sie ein Frauenrechtsforum. In ihren zahlreichen Funktionen, etwa als Vorsitzende der Menschenrechtskommission von Pakistan oder als UN-Sondergesandte für Religionsfreiheit, erhob Asma Jahangir wiederholt ihre Stimme gegen die Unterdrückung religiöser Minderheiten, gegen so genannte "Ehrenmorde", oder gegen Mißhandlungen an Häftlingen in pakistanischen Gefängnissen.

"Heute", sagt Asma Jahangir, "ist das Bewusstsein für diese Probleme in der pakistanischen Gesellschaft größer als früher." Die Politiker in ihrem Heimatland seien Menschenrechtsfragen gegenüber aufgeschlossener. Und auch das Recht auf freie Meinungsäußerung sei mittlerweile im Großen und Ganzen gegeben. Trotzdem habe Pakistan noch viel zu tun auf seinem Weg zu einer wirklichen Demokratie. "Und demokratische Strukturen sind wichtig", sagt Asma Jahangir. "Denn sie verhelfen uns zu einer noch größeren Stimme."

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