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Asien

Pakistans Frauen packen es an

Immer mehr Frauen in Pakistan wollen ihre Lage verbessern und fordern mehr Rechte ein. Die Regierung hat in den vergangenen Jahren einige Änderungen auf den Weg gebracht, aber die Umsetzung der Gesetze fehlt.

Pakistanische Frauen demonstrieren für ihre Rechte (Foto: AP)

Immer mehr Pakistanische Frauen demonstrieren für ihre Rechte

Wenn Frauen in Pakistan ein Bankkonto eröffnen, ein Visum beantragen oder ein Haus kaufen wollen, dann werden sie stets nach ihrem Vater, Bruder oder Ehemann gefragt. "Das ist zu einem Teil unseres Lebens geworden", sagt Zavi Fatima, eine junge Nachrichtensprecherin aus Pakistan. Sie hat mehr Rechte als andere junge Frauen in Pakistan, weil sie aus einer wohlhabenden und gebildeten Familie stammt. Beruf und Karriere sind für Frauen aus der städtischen Oberschicht schon fast normal. Das zeigen auch erfolgreiche pakistanische Politikerinnen wie Fatimah Jinnah, Schwester des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah, und Benazir Bhutto, die erste Regierungschefin eines islamischen Landes.

Zavi Fatima (Foto: Zavi Fatima)

Zavi Fatima hat mehr Rechte als andere junge Frauen in Pakistan

Doch sie stehen nur für eine Minderheit. Die Mehrheit der Frauen in Pakistan genießt nicht solche Freiheiten. Sie haben in der traurigen Realität mit strikten Geschlechterverhältnissen zu kämpfen - egal, ob aus rechtlichen oder traditionellen Gründen.

Mädchen - Last statt Freude

Gerade auf dem Land sind Traditionen noch sehr stark verankert. Mädchen gelten dort eher als Belastung. Sie brauchen bei der Hochzeit eine Mitgift und ziehen anschließend auch noch zur Familie des Ehemanns. Eine verlorene Altersvorsorge für die Eltern. "In den ländlichen Regionen Pakistans treffen Männer daher oft auf sehr ungerechte oder grausame Art und Weise die Entscheidungen für die Frauen in ihrem Haus", sagt Zavi. "So werden zum Beispiel in der südlichen Provinz Sindh Frauen auch mit dem Koran zwangsverheiratet.“ Kein anderer könne sie dann heiraten. Das Land und Eigentum der Frauen bleibe in der Familie.

Asma Jahangir, Anwältin und Menschenrechtlerin aus Pakistan (Foto: Mukhtar Khan/AP/dapd)

Asma Jahangir, Anwältin und Menschenrechtlerin aus Pakistan, hilft Frauen in Notsituationen

Doch nicht nur Traditionen, sondern auch mangelnde Bildung sei ein Teil des Problems. "Frauen wissen oft nicht, dass Traditionen auch einfach falsch ausgelegt werden", meint Zavi. Beispielsweise das islamische Konzept von Waldiyat, was wörtlich so viel wie Vaterschaft bedeutet. "Waldiyat ist nicht per se schlecht", sagt Zavi. Es bedeute lediglich, dass eine Frau ein männliches Familienmitglied um Rat bitten sollte, wenn es um eine wichtige Entscheidung gehe. Aber vielerorts werde es falsch angewendet, nämlich "nicht als Rat, sondern als Zwang".

Frauenrechte und Nationale Gesetzgebung

Pakistanische Frauen treiben Sport (Foto: DW/Saeed)

Das Frauen heute öffentlich trainieren können ist nur durch die neue Gesetzgebung möglich

Die Ungleichbehandlung der Frauen in Pakistan liegt aber auch an Gesetzen, die die Rechte der Frauen im Laufe der Jahre sehr eingeschränkt haben. Dies spüren immer wieder auch die Frauen der Oberschicht. So hat sich Jehan Ara, Präsidentin einer IT-Firma in Pakistan und weit über 40, darüber beschwert, dass sie für ein Visum für Indonesien die schriftliche Erlaubnis ihres Vaters benötigte. Laut Verfassung von 1973 ist die Gleichstellung der Geschlechter fest verankert. Doch die Umsetzung lässt sehr zu wünschen übrig.

Zudem gab es im Laufe der Geschichte immer wieder Rückschläge beim Kampf für mehr Gleichberechtigung. Beispielsweise führte der von 1977 bis 1988 regierende General Zia-ul-Haq 1979 Gesetze ein, die sogar deutlich frauenfeindlicher waren als die Scharia-Rechtsprechung. In Pakistan sind sie bekannt unter dem Namen Hadood-Verordnungen. Sie verboten Frauen, Sport zu treiben und verankerten die sogenannte Purdah. Demnach müssen sich Frauen in der Öffentlichkeit hinter einem Schleier oder Vorhang verbergen.

Selbst Benazir Bhutto setzte sich zwar für Frauenrechte ein, legte jedoch in ihren beiden Amtszeiten Ende der 1980er und Mitte der 1990er Jahre keine neuen Gesetze vor. Erst im Jahr 2006 verabschiedete das pakistanische Parlament unter der Regierung von General Musharraf das Frauenschutzgesetz, das die Aufhebung einiger Hadood-Verordnungen vorsah.

Schwierige Umsetzung

Britta Petersen, Büroleiterin der Heinrich Böll Stiftung in Islamabad, Pakistan (Foto: Petersen)

Britta Petersen, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Islamabad, Pakistan

"Auch die aktuelle Regierung hat versucht, die Lage der Frauen in Pakistan zu verbessern, aber viele der Probleme bleiben wegen alter Bräuche und Traditionen erhalten", sagt Britta Petersen, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Islamabad. Immer mehr Frauen setzten sich daher für mehr Gleichberechtigung ein. Die Umsetzung der Gesetze sei aber weiterhin selbst in Großstädten schwierig, sagt Petersen. "Wenn Sie ein Gesetz durchsetzen wollen, dann müssen Sie eine Polizei haben, die gut genug ausgebildet ist und motiviert ist, bestimmte Vorfälle überhaupt zu verfolgen", sagt Frau Petersen. "Und dann müssen Sie noch Zeugen finden, die bereit sind auszusagen."

In den vergangenen drei Jahrzehnten konnten Frauen- und Menschenrechtsaktivisten in Pakistan bereits viele Erfolge erzielen. "Viel mehr als wir erwartet haben", sagt Asma Jahangir, bekannte Anwältin und Frauenrechtsaktivistin in Pakistan. Damit Frauen in ganz Pakistan davon profitieren könnten, müsse aber noch viel mehr passieren. "Das wird noch einige Zeit dauern", sagt Jahangir.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch in Deutschland noch gar nicht lange her ist, dass Männer zustimmen mussten, wenn eine Frau ein Konto eröffnen wollte“, sagt Petersen. Wie in Deutschland brauche auch in Pakistan ein solcher Wandel Zeit.

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