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Asien

Pakistans Blogger und der Fall Rimsha Masih

Die in Pakistan wegen Gotteslästerung angeklagte junge Christin ist wieder frei, aber die Debatte um das umstrittene Blasphemie-Gesetz dauert an. Zum Beispiel in der Blogger-Szene des Landes.

Pakistanische Christen mit Holzkreuzen und Transparenten, auf denen sie Gerechtigkeit für Rimsha fordern

Immer wieder protestierten Christen in Pakistan für die inhaftierte Rimsha

Die 14-jährige Rimsha Masih war nach drei Wochen Haft am vergangenen Wochenende (08.09.2012) gegen eine Kaution von einer Million Rupien (umgerechnet 8500 Euro) freigelassen worden. Das offenbar geistig zurückgebliebene Mädchen war am 16. August in einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt Islamabad verhaftet worden, weil es angeblich Koranseiten verbrannt hatte. Ein Verdacht, der sich in der Folge als falsch erwies. Der Imam Khalid Chishti, der Rimsha angezeigt hatte, sitzt mittlerweile selbst in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, die verbrannte Koran-Seiten in die Tasche des Mädchens geschmuggelt zu haben, um die Stimmung gegen die christliche Minderheit in der Nachbarschaft anzuheizen. Rimsha Masih ist mittlerweile wieder bei ihrer Familie, die aus Sicherheitsgründen an einem unbekannten Ort untergebracht wurde, um sie vor möglichen Übergriffen durch radikale Muslime zu schützen.

Die "Gleichgültigkeit der Zivilgesellschaft"

Seit August berichten die pakistanischen Medien immer wieder ausführlich über den Fall. Und auch in der Blogger-Szene des Landes ist der Fall Rimsha ein präsentes Thema. Blogger kritisieren vor allem den Missbrauch des berüchtigten Blasphemie-Gesetzes in Pakistan. Nach diesem Gesetz kann die Schändung des Korans mit lebenslanger Haft bis hin zur Todesstrafe geahndet werden.

Pakistanische Christen mit einem Transparent - Aufschrift: Lasst Rimsha frei!

"Lasst die unschuldige Rimsha frei" - steht auf dem Plakat dieser christlichen Demonstrantin

Die Bloggerin Saman Jafri kritisiert die Gleichgültigkeit der Zivilgesellschaft im Fall Rimsha Masih. In Ihrem Blog für die Zeitung "The News" schreibt sie: "Warum sind die für einen Wechsel und Fortschritt in Pakistan Parolen skandierende Bürger stumm, wenn es um Rimsha geht? Warum eine solche Gleichgültigkeit, wenn Ihr wirklich einen Wechsel wollt? Oder soll dieser Wechsel nur für die muslimische Bevölkerung des Landes sein? Wenn das der Fall ist, dann befürchte ich, dass die Hindus und Christen, die aus Pakistan fliehen, wohl das Richtige tun, weil kein Ende ihrer Misere in Sicht sei."

Das "Monster der Intoleranz"

Der Blogger Yusuf Nasim scheint den Grund für die Gleichgültigkeit zu kennen. In seinem Blog für die renommierte pakistanische Zeitung "Dawn" schreibt er: "Warum stehen die Muslime nicht auf und beziehen Stellung? Warum lassen wir Halunken wie Khalid Chishti bei der Rechtsdebatte in den Mittelpunkt rücken – wenn die Gebildeten und Begabten nur am Rande bleiben? Diese absurde Situation kommt daher, dass die muslimische Gesellschaft zögert, rationales Denken zur Lösung eines Problems einzusetzen. Es ist das Zögern, den Islam auf eine kritische Weise zu studieren. Das kritische Denken ist das größte Tabu für die Muslime heute."

Wasim Arif ist der Meinung, dass Pakistan nur dann weiterkommen kann, wenn die Bürger des Landes eine Lösung ihrer Intoleranz finden. In seinem Blog für die Tageszeitung "Daily Times" schreibt er: "Die schweigende Mehrheit erlaubt es, Intoleranz und Extremismus florieren zu lassen. Wir sind es, die mit unserem Schweigen und  unserer Gleichgültigkeit tagtäglich das Monster der Intoleranz füttern. Wenn wir uns diesem Monster nicht in den Weg stellen, wird es uns alle verschlingen."

Audio und Video zum Thema