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Politik

Pakistans Anwälte protestieren gegen den Ausnahmezustand

Der Ausnahmezustand hat das Leben in Pakistan verändert - auch das der Anwälte. Sie kommen jeden Tag zum Gericht - nicht um zu arbeiten, sondern um gegen ihren Präsidenten zu protestieren. Eine Reportage aus Lahore.

Protestierende Anwälte in Islamabad (6.11.2007, Quelle: AP)

Demonstrationen für den geschundenen Rechtsstaat

Protestierende Anwälte werden von Polizisten verprügelt (6.11.2007, Quelle: AP)

Der Protest ist gefährlich - viele Bürger nehmen Verhaftungen und Prügel in Kauf

Sie tragen Trauer - die Anwälte in Lahore. Auch Mohammed Ramzan Chaudry. Mit schwarzem Anzug und schwarzer Krawatte sitzt er vor dem Gericht, in das er nicht mehr gehen will. Stattdessen denkt er an seine Verhaftung. Kurz nach dem 3. November war es, also kurz nach der Ausrufung des Ausnahmezustands: "Es war total dunkel, wir waren in Einzelhaft. Niemand durfte mit uns reden oder uns sehen. Vorher mussten wir in einem Polizeiwagen sitzen. 36 Stunden. 48 Stunden. Sie haben uns noch nicht einmal erlaubt, zur Toilette zu gehen."

Der Anwalt zeigt auf seine Stirn, dann deutet er auf einige Kollegen. Alle haben Narben. An den Armen, im Gesicht. 20 Tage lang war Chaudry in Haft. Wegen terroristischer Aktivitäten - so lautete die Anklage: "Wir wurden als Terroristen bezeichnet, weil wir unsere Stimme gegen die verfassungswidrige Handlung von diesem Präsidenten hier erhoben haben. Das war unser Fehler." Chaudry lacht: Sie sitzen hier vor Terroristen, sagt er. Dann wendet er sich seinen Kollegen zu, um zu beraten, was in den nächsten Tagen getan werden muss.

"Unrecht wird nicht durch Unrecht legitim"

Rahman Malik ist auch dabei. Er erzählt, vom Boykott der Gerichte: "Die Leute, die jetzt auf der Richterbank sitzen, sind gar keine Richter. Sie sind Angestellte der Regierung. Sie sagen nicht, dass die Verfassung oberste Priorität hat, sondern Musharraf."

Dutzende Anwälte sind in Haft - US-Menschenrechtler demonstrieren für deren Freilassung (5.12.2007, Quelle: AP)

Dutzende Anwälte sind in Haft - US-Menschenrechtler demonstrieren für deren Freilassung

Deshalb erscheinen die Anwälte nicht im Gerichtssaal. Und dabei soll es auch erst einmal bleiben - egal ob Musharraf nun die Uniform abgelegt hat oder nicht. Unrecht, sagt Malik, kann schließlich nicht durch weiteres Unrecht legitimiert werden: "Deshalb sagen wir, er darf kein Präsident sein. Er muss auch von diesem Posten zurücktreten, weil er ihn nur durch seine Machtfülle innehat. Weil er der Armeechef war."

Darin sind sich die Anwälte einig: Das Problem in Pakistan heißt Musharraf. Sayed Mohammed Shah, der Präsident der Anwaltsvereinigung von Lahore, ist aber auch von der Opposition enttäuscht: "Nur die politischen Parteien können die Massen mobilisieren. Aber sie geben den Leuten nicht, was sie brauchen." Statt mit einer Stimme gegen die Diktatur zu sprechen, reichten sie Musharraf die Hand, sagt er. "Das ist der Grund, warum die Leute nicht auf die Straße gehen. Weil die politischen Parteien ihre Rolle nicht übernehmen. Es sind ja nicht die Anwälte, die die Menschen aus ihren Häusern holen können."

Hoher Preis fürs Engagement

Polizisten verhaften einen Anwalt in Lahor (6.11.2007, Quelle: AP)

Polizisten verhaften einen Anwalt in Lahore

Ein paar Proteste gibt es noch: Vor dem Eingang zum Gericht zum Beispiel haben sich einige Musharraf-Gegner versammelt. Sie machen Krach - lassen sich dabei von Polizisten beobachten, die sich mit Schild und Schlagstock am Straßenrand postiert haben.

Wahid Amu Chaudry schaut dem Spektakel zu. Er gehört zu den ganz jungen Anwälten. Nur sieben Jahre Erfahrung hat er - keine Rücklagen, keinen Zweitjob. Ihn kommt der Protest teuer zu stehen: "Irgendjemand muss ja rauskommen und diese Nation beschützen. Aber wenn ich zu meiner Familie nach Hause komme und wir haben nichts zu essen, dann bin ich schon sehr frustriert." Durch den Boykott verdiene er kein Geld, sagt er. Und niemanden scheint das zu interessieren: "Wir brauchen Leute, die auf die Straße gehen. Wir kämpfen doch für alle, nicht nur für uns. Ich will doch kein Premierminister werden. Ich will nur die Rechte unserer Leute verteidigen."

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