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Asien

Pakistan wieder offen für NATO-Konvois

Die NATO darf ihre Truppen in Afghanistan wieder auf dem Landweg über Pakistan versorgen. Experten glauben, dass die pakistanische Regierung in Islamabad so ihre internationale Isolation beenden will.

Pakistan Afghanistan Nachschubroute für NATO geöffnet Khyber Pass(Foto:Qazi Rauf/AP/dapd)

Pakistan Afghanistan Nachschubroute für NATO geöffnet am Khyber Pass

Pakistan erlaubt der NATO nach mehr als einem halben Jahr wieder, ihre Truppen in Afghanistan über pakistanisches Gebiet hinweg zu versorgen. Der Streit über die Nachschublinien hatte das Verhältnis zwischen Pakistan und den USA stark belastet.

Islamabad hatte die Versorgung über sein Staatsgebiet hinweg wegen eines Luftangriffes von NATO-Streitkräften auf pakistanisches Gebiet gesperrt. Durch den Luftschlag in der Nähe von Salala an der Grenze zu Afghanistan waren im vergangenen November 24 pakistanische Soldaten getötet worden. Die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA waren darauf in eine Eiszeit geraten.

Unabhängige Untersuchungen des Luftangriffs durch das US-Verteidigungsministerium und durch die NATO haben ergeben, dass "ungenügende Koordination" und ein Mangel an "grundlegendem Vertrauen" zu der Tragödie geführt hätten. Washington hatte sich gegenüber Islamabad zunächst nicht entschuldigt. Pakistan wies dagegen die Untersuchungsberichte zurück und bestand auf einer Entschuldigung durch USA und NATO.

Langes Warten auf Entschuldigung

"Die Verluste, die das pakistanische Militär erleiden musste, tun uns leid." Das waren die von Islamabad lang erwarteten Worte, die die amerikanische Außenministerin Hilary Clinton am 3. Juli ausgesprochen hat. "Wir sind entschlossen, eng mit Pakistan und Afghanistan zusammenzuarbeiten, damit so etwas nicht wieder geschehen kann", fügte Clinton in einem Telefongespräch mit ihrem pakistanischen Amtskollegen Hina Rabani Khar hinzu.

Islamabad antwortete darauf, in dem es am Dienstag (03.07.2012) ankündigte, seine Grenzen für NATO-Konvois wieder zu öffnen. Für die NATO ist der Landtransport durch Pakistan der billigste Weg, ihre Truppen in Afghanistan zu versorgen. Die sind in ihrem jetzt schon ein Jahrzehnt andauernden Einsatz gegen militante Islamisten auf Nachschub dringend angewiesen.

Ein LKW wird an der pakistanisch-afghanischen Grenze abgefertigt. Foto:Matiullah Achakzai/AP/dapd

Pakistan lässt wieder Nachschubkonvois pasieren, die die NATO-Truppen in Afghanistan versorgen

Blick nach Vorn

Pakistan-Experten sagen, Islamabad sei zunehmend verzweifelt auf der Suche nach einem Weg aus dieser Krise. Der in London lebende Journalist Farooq Sulehria sagte gegenüber DW, die Übereinkunft zwischen Pakistan und den USA sei nicht plötzlich erfolgt, sondern sei vielmehr Resultat intensiver Hinterzimmer-Diplomatie beider Parteien. "Ich denke, Washington hat Islamabad Zuckerbrot und Peitsche angeboten. Pakistan hatte kaum eine andere Wahl", so Sulehria. "Es wäre für Pakistan ein Desaster gewesen, wenn die USA, die ein wichtiger Geldgeber internationaler Finanzinstitutionen wie Währungsfonds und Weltbank sind, ihre sowieso schon schwache Wirtschaft nicht weiter unterstützen würden."

Malik Siraj Akbar von der National-Endowment-For-Democracy-Stiftung in der US-Hauptstadt Washington ist der Ansicht, beiden Ländern sei klar geworden, dass sie vom Status Quo nicht profitieren könnten und sie sich bewegen mussten. "Beide Länder haben sich inzwischen beruhigt und sie wissen, dass sie wieder zum Tagesgeschäft übergehen müssen." Beobachter gegen davon aus, dass Islamabads Entscheidung zugunsten der NATO und der USA dazu betragen wird, die Spannungen im Verhältnis zu Amerika abzubauen.

Regionale Interessen

Malik Siraj Akbar glaubt, dass Islamabad die USA davon überzeugen konnte, Pakistans Interessen in Afghanistan nicht zu Gunsten Indiens oder anderer Regionalmächte auf Spiel zu setzen. "Pakistan hat den Amerikanern ihre nationalen Interessen und ihre eingeschränkte Handlungsfreiheit erklärt." Pakistan unternehme nichts gegen das militante Haqqani-Netzwerk, weil es seine Interessen in Afghanistan nicht aufgeben wolle, so Akbar.

Die USA hatten Pakistan dazu gedrängt, gegen das Haqqani-Netzwerk im umkämpften Nordwesten des Landes vorzugehen, das Angriffe von Pakistan auf afghanisches Gebiet unternehmen soll.

Farooq Sulehria weist auf den großen Einfluss hin, den die pakistanische Armee auf die Außen- und Verteidigungspolitik hat. Die Armee sei noch nicht soweit, ihre jahrzehntelange Politik Afghanistan gegenüber aufzugeben. Die Armee will eine Regierung in Kabul, die Pakistans Interessen gegenüber Indien unterstützt.

Schlagen die Islamisten zurück?

Die Wiedereröffnung der NATO-Versorgungslinien ist in Pakistan unpopulär. Präsident Asif Ali Zardari und die von seiner Partei PPP geführte Regierung sind unter enormen politischen Druck der Oppositionsparteien geraten, darunter radikale islamische Gruppierungen. Beobachter gegen davon aus, dass die Regierung, obwohl sie die Beziehungen zu den USA wieder normalisiert habe, eine ernste Reaktion der radikal-islamischen Parteien fürchten muss.

Sulehria weist darauf hin, dass die Entscheidung nicht nur von den Islamisten abgelehnt werde, sondern bei der gesamten urbanen Mittelschicht auf Ablehnung stoße. Und schlimmer sei, fügt er hinzu, dass die Entscheidung unpopulär bleiben werde. Bewaffnete Gruppen, darunter die Taliban, haben bereits angekündigt, NATO-Fahrzeuge angreifen zu wollen.

Der DW-Korrespondent in Islamabad, Shakoor Rahim, berichtet, dass die Oppositionsparteien der Regierung vorwerfen, sie gefährde die nationale Sicherheit. Sie beklagen darüber hinaus, dass die Entscheidung, die Versorgungstransporte wieder zu erlauben, einem Parlamentsbeschluss vom Beginn dieses Jahres widerspreche.

Vor kurzem hat Nazeer Bhatta von der oppositionellen "Pakistan Muslim League" DW gegenüber gesagt: Wenn die Regierung eine Entscheidung über die Versorgungskonvois der NATO fällen wolle, müsse sie die Zustimmung des Parlamentes einholen. Er hielte es für "höchst unglücklich, wenn die NATO-Versorgungslinien ohne die Zustimmung des Volkes geöffnet würden". Najam Rafique, Direktor am Institut für Strategische Studien, ein Think-Tank in der Hauptstadt Islamabad, sagte DW dagegen, die Proteste gegen die Regierungsentscheidung würden bald wieder vergessen sein.

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