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Neu Delhi warnt vor Exekution

Pakistan verurteilt Spion aus Indien zum Tode

Die Beziehungen zwischen den benachbarten Atommächten sind seit Jahrzehnten gespannt. Jetzt gießt ein Militärgericht zusätzlich Öl ins Feuer.

 Pressevorführung einer Vernehmung des angeblichen indischen Spions Jadhav(Getty Images/AFP/A. Qureshi)

Pressevorführung einer Vernehmung des angeblichen indischen Spions Jadhav

Ein Militärgerichtshof in Pakistan hat einen indischen Staatsbürger wegen Spionage zum Tode verurteilt. Das teilte das Militär in Islamabad in einer kurzen Stellungnahme mit. Der frühere Marine-Offizier Kulbushan Sudhir Jadhav war im März 2016 in der unruhigen südpakistanischen Provinz Baluchistan festgenommen worden. Ihm waren vor Gericht Spionage und Sabotage vorgeworfen worden mit dem Ziel, Pakistan zu destabilisieren und Krieg anzuzetteln.

Baluchistan ist der Ausgangsort eines für Pakistan immens wichtigen geplanten milliardenschweren Wirtschaftskorridors zwischen China und Pakistan (CPEC). In einer vom pakistanischen Fernsehen gezeigten Befragung sagte Jadhav, er sei vom indischen Geheimdienst beauftragt worden, das CPEC-Projekt und die Sicherheitsbemühungen pakistanischer Sicherheitskräfte in der Millionenstadt Karachi und Beluchistan zu behindern. Das Video war viel diskutiert worden, weil Jadhav seltsam entspannt und zuvorkommend wirkte.

Indien bestellt Botschafter ein

Die indische Regierung bestätigte, dass Jadhav ein indischer Bürger und ehemaliger Marineoffizier sei, wies aber den Vorwurf zurück, er sei ein Spion. Das Außenministerium in Neu Delhi berief den pakistanischen Botschafter ein. In einer Stellungnahme des Ministeriums hieß es, Jadhav sei aus dem Iran entführt worden und seine Anwesenheit in Pakistan sei niemals glaubwürdig erklärt worden. Sollte das Todesurteil vollstreckt werden, werde Indien das als vorsätzlichen Mord ansehen.

Zwischen den beiden verfeindeten südasiatischen Nachbarn sind Festnahmen und Inhaftierungen von angeblichen und echten Geheimdienstmitarbeitern an der Tagesordnung. Gewöhnlich werden solche Gefangene am scharf bewachten Grenzübergang Waggah ausgetauscht. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein der Spionage Beschuldigter zum Tode verurteilt wird.

Beziehungen auf Tiefpunkt

Das Urteil könnte weitreichende Folgen für die Beziehungen zwischen den beiden Atommächten haben, die bereits drei Kriege gegeneinander geführt haben. Zur Zeit befindet sich das bilaterale Verhältnis bereits auf einem Tiefpunkt. Friedensgespräche sind seit längerer Zeit ausgesetzt. Zudem trägt die Unsicherheit über die außenpolitische Ausrichtung der neuen US-Regierung dazu bei, dass beide Seiten im Konflikt die Grenzen neu austesten. Indiens Premierminister Narendra Modi hatte Pakistan jüngst als Hindernis für die Entwicklung der gesamten Region bezeichnet.

wl/sti (dpa, epd)