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Aktuell Welt

Pakistan trauert und droht den Taliban

Nach dem blutigsten Terroranschlag in der Geschichte Pakistans steht das Land unter Schock. Premier Sharif droht den Taliban mit Vergeltung. Die Luftwaffe fliegt neue Angriffe gegen die Terroristen.

Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif gibt sich entschlossen: Der Krieg gegen die Extremisten werde weitergeführt, "bis der letzte Terrorist eliminiert ist". Sein Büro teilte gleichzeitig mit, das seit 2008 geltende Moratorium für die Vollstreckung der Todesstrafe für Terroristen werde aufgehoben. In pakistanischen Gefängnissen sitzen mehr als 8000 zum Tode verurteilte Häftlinge.

Sharif hatte sich nach seinem Wahlsieg im Jahr 2013 um Friedensgespräche mit den Taliban bemüht. "Diese Option offen zu halten, ist nach meinem Gefühl nicht mehr machbar", sagte der Premier bei einem Treffen mit führenden Politikern aller im Parlament vertretenen Parteien in Peshawar. "Der Gesprächsprozess begann, und das Ergebnis ist das, was vor Ihnen liegt."

Fast 150 Tote

Die Zahl der Todesopfer des Terrorangriffs der Taliban auf eine Schule in Peshawar stieg auf mindestens 148. Bei den allermeisten von ihnen handelt es sich um Schülerinnen und Schüler. Viele der Kinder und Jugendlichen wurden von dem Terrorkommando, das am Dienstag auf das Schulgelände gestürmt war, mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Mehr als 150 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. Die sieben Angreifer wurden im mehrstündigen Feuergefecht mit Polizei und Armee getötet.

Der Angriff der radikalislamischen Rebellenbewegung Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) auf die vom Militär betriebene Schule war der tödlichste Anschlag in der Geschichte Pakistans. Die Taliban bezeichneten ihn als Vergeltungsakt für eine Armeeoffensive in den Stammesgebieten, bei der seit dem Sommer hunderte Rebellen getötet wurden. International löste das Schulmassaker Entsetzten und Empörung aus. Selbst die Taliban im Nachbarland Afghanistan verurteilten den Anschlag. "Das absichtliche Töten unschuldiger Menschen, Kinder und Frauen widerspricht den Grundlagen des Islam", erklärte ein Sprecher der Extremisten.

Gebete und Mahnwachen

In ganz Pakistan gedachten die Menschen zum Auftakt einer dreitägigen Staatstrauer mit Gebeten und Mahnwachen der Terroropfer. Viele Schulen blieben geschlossen, ebenso Regierungs- und Verwaltungsbüros. In Peshawar begannen Familien und Angehörige, die Opfer des Anschlags zu beerdigen. Schwarze Flaggen wehten auf den Gebäuden. Hunderte Schüler zogen in Trauerzügen durch die Stadt. Auch in Indien, das mit Pakistan verfeindet ist, wurde der Toten gedacht. Schulen und das Parlament in Neu-Delhi hielten eine Schweigeminute ab.

Das Schulgebäude in dem sich das Massaker ereignete, wurde für Journalisten geöffnet. In dem Bericht einer dpa-Korrespondentin heißt es: "Die Brutalität, mit der die Angreifer vorgingen, hat auf jedem Meter grausame Spuren hinterlassen. Die weißen Marmortreppen vor dem Vorlesungssaal, in dem die meisten der Schüler starben, sind mit Blut überströmt. In dem Auditorium liegen Scherben und Schuhe der Schüler in großen Blutlachen. Die Wände des Hörsaals und in den Klassenräumen sind übersät von Hunderten Einschusslöchern. Zerrissene Bücher und blutverschmierte Stifte liegen neben menschlichen Gliedmaßen."

Pakistans Armeechef Sharif (l.) mit dem afghanischem Präsidenten Ghani (Foto: ARG)

Pakistans Armeechef Sharif (l.) mit dem afghanischem Präsidenten Ghani

Der pakistanische Armeechef Rahil Sharif reiste unterdessen nach Afghanistan, um eine gemeinsame Militäraktion gegen die Taliban zu koordinieren. Sharif verlangte in Kabul zudem die Auslieferung von TTP-Gründer Mullah Fazalullah, der im Nachbarland Zuflucht gesucht haben soll. Die pakistanischen Streitkräfte bombardierten gleichzeitig Verstecke islamistischer Terrorgruppen im Nordwesten des Landes. Bei einem US-Drohnenangriff in Afghanistan sollen vier pakistanische Taliban-Kämpfer getötet worden sein.

wl/re (dpa, afp, rtr, epd)