Pakistan: Mit Menstruations-Binden gegen Zensur des Films ″Pad Man″ | Filme | DW | 16.02.2018
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Filme

Pakistan: Mit Menstruations-Binden gegen Zensur des Films "Pad Man"

Der Film "Pad Man" über den Erfinder von günstigen Damenbinden kommt in Pakistan nicht ins Kino. Angeblich widerspricht er Tradition und Kultur. In den sozialen Medien wird protestiert - mit Binden und Tampons.

Der indische Film "Pad Man" erzählt in Bollywood-Manier die Geschichte von Arunachalam Muruganantham, der eine Maschine für kostengünstige Damenbinden entwickelte. Er bemerkte eines Tages, dass seine Frau zum Auffangen ihrer Menstruation Zeitungspapier und Stofffetzen nutzte, weil sie nicht genug Geld für Hygieneprodukte besitzt.

In Pakistan müssen Filme aus dem Ausland zunächst von der Zensur-Behörde begutachtet und freigegeben werden, bevor sie im Kino gezeigt werden dürfen. "Pad Man", so tweetet die pakistanische Regierung, liege der Behörde noch nicht vor – und wird es womöglich auch nie.

Gegenüber "The Indian Express" sagte nämlich Ishaq Ahmed von der stattlichen Zensur-Behörde, dass man nicht erlauben könne, Filme zu importieren, die "gegen unsere Traditionen und Kultur" seien.

Der Protest folgte prompt über die sozialen Medien. Eine Twitter-Nutzerin merkte sarkastisch an: "Gott möge verhindern, dass wir einen Film über einen natürlichen, biologischen Prozess schauen, der etwas mit Frauen zu tun hat".

Andere Nutzer veröffentlichten Fotos mit sich und ihren Hygieneartikeln. Manche enthielten Botschaften an die Behörde wie diese hier:

"Du bist geboren, weil deine Mutter eine Menstruation hat. Für die Periode muss man sich nicht schämen".

Es sind nicht die ersten Binden, die bei Twitter als Kommentar zum Film "Pad Man" erscheinen. Einige Bollywood-Schauspieler posierten zum Filmstart am 9. Februar unter dem Hashtag #PadManChallenge mit Damenbinden, um für den Film und mehr Normalität im Umgang mit dem Thema Menstruation zu werben.

#PadManChallenge: Posieren mit Binden und Tampons

So zeigte sich etwa Sidharth Malhotra mit einer Gruppe von Frauen und schrieb "Ja, das sind Binden. Sie alle gehören diesen tollen Frauen. Und sie waren froh, mir eine zu leihen, sodass ich sie unterstützen kann bei dieser wirklich notwendigen Initiative. Alles Gute, Team Padman."

Kino-Star Akshay Kumar spielt die Hauptrolle in "Pad Man", der erfolgreich in den indischen Kinos anlief. Der Film basiert auf dem Buch, das Twinkle Khanna über den Damenbinden-Erfinder geschrieben hat. Sie ist auch die Produzentin des Films. Mit ihm wollte Khanna ein Tabu in Indien brechen:

Stofffetzen, Blätter und Sand statt Binden

Laut einer staatlichen Statistik nutzen in ländlichen Gebieten in Indien weniger als die Hälfte der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren Hygieneprodukte für ihre Blutung. Die Alternativen neben Zeitungspapier und Stofffetzen: Blätter, Sand und Asche. Das führe zu Entzündungen, so Trisha Shetty. Mit ihrer Organisation "SheSay" klagt sie derzeit gegen den Steuersatz von zwölf Prozent auf Damenbinden vor Indiens Oberstem Gerichtshof. Der Umgang mit der Monatsblutung habe nicht nur gesundheitliche Folgen: Rund 23 Prozent der Mädchen würden die Schullaufbahn abbrechen, wenn ihre Menstruation beginne, so Shetty.

Menstruierende Frauen gelten als unrein

Wer sich Hygieneprodukte für die Menstruation in Indien leisten kann, erhält diese nur höchst diskret und in einer schwarzen Plastiktüte im Geschäft. Frauen und Mädchen, die menstruieren, gelten als unrein, dürfen in manchen Familien nicht auf dem gemeinsamen Sofa Platz nehmen, keine Tempel betreten, religiös bedeutende Gegenstände berühren oder eingelegtes Gemüse anfassen – es gibt den Aberglaube, dass dieses dann verdirbt.

Dass sich solche Vorstellungen bis heute halten, liegt an fehlender Bildung und daran, dass die Menstruation ein mit Scham besetztes Thema ist. Wenn Mädchen überhaupt über ihre monatlichen Blutungen aufgeklärt werden, geschehe das in der achten, neunten oder zehnten Klasse, sagt Aditi Gupta. Die Menstruation beginne aber bei vielen Mädchen viel früher. Oft ließen Lehrer das Thema im Unterricht auch komplett unter den Tisch fallen, weil es ihnen unangenehm sei. Deswegen hat Gupta mit ihrem Mann Tahin Paul 2014 ein Comic-Buch geschrieben, das unter dem Namen "Menstrupedia" Schulkindern den weiblichen Zyklus erklärt – angstfrei und offen. Nach eigenen Angaben erreicht das Buch rund 150.000 Mädchen in Indien und wird in mehr als 250 Schulen gelesen.

"Pad Man" schafft Aufmerksamkeit

Dass das Thema durch der Film "Pad Man" nun breiter in der Öffentlichkeit diskutiert wird und auch durch Schauspieler und Schauspielerinnen Aufmerksamkeit erhält, findet Gupta gut und hilfreich. Dass sich durch "Pad Man" viel im Alltag an den Vorbehalten gegen die Menstruation und dem Umgang mit ihr ändert, glaubt sie nicht: "Es geht um etwas, das ganz tief in unserer Kultur verwurzelt ist."

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