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Asien

Pakistan liefert Extremisten an Indonesien aus

Einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Bali im Jahr 2002, Umar Patek, ist von Pakistan an Indonesien ausgeliefert worden.

Archivfoto von Umar Patek aus dem Jahr 2007(Foto:File/AP/dapd)

Patek wurde im März im pakistanischen Abbottabad gefasst

Unter Ausschluss der Medien kam Patek am Donnerstag um 7 Uhr Ortszeit in Indonesiens Hauptstadt Jakarta an. Nach seiner Ankunft wurde der 41-jährige umgehend in ein Gefängnis südlich der Hauptstadt gebracht, sagte ein Sprecher der indonesischen Polizei. Man habe strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen, hieß es weiter, denn schließlich habe man es mit einem mutmaßlichen Terroristen zu tun.

Osama bin Ladens Versteck in Abbottabad(Foto:Aqeel Ahmed/AP/dapd)

Hatte Patek in Abbottabad Kontakt zu bin Laden?

Patek war der meist gesuchte islamistische Extremist in Südostasien. Er ist im März im pakistanischen Abbottabad gefasst worden, wo der Al-Kaida Anführer Osama bin Laden am 2. Mai diesen Jahres von US-Kommandos erschossen wurde. Der in den 90er Jahren in Afghanistan ausgebildete Patek soll enge Verbindungen zum südostasiatischen Arm der Al-Kaida haben.

Zudem soll er Mitglied der Extremistenorganisation Jemaah Islamiyah (JI) sein, die sich zu den Attentaten von Bali im Jahr 2002 bekannt hatte. Bei den Anschlägen auf Nachtclubs auf der Ferieninsel waren 202 Menschen getötet worden.

Internationale Fahndung

Nicht nur in Indonesien wurde Umar Patek polizeilich gesucht. Auf den Philippinen kämpfte er für eine radikale islamistische Bewegung, die Moro islamische Befreiungsfront. In Australien und den USA wurde er auch im Zusammenhang mit mehreren Terroranschlägen gesucht. Jetzt soll Umar Patek in seinem Heimatland vor Gericht gestellt werden. Die Terrorexpertin der International Crisis Group (ICG) Sidney Jones findet dies sinnvoll.

Gedenkfeier für die britischen Opfer des Anschlags auf Bali in 2002 (AP Photo/PA,Johnny Green)

Pateks Anschläge richteten sich oft gegen Ausländer

"Die Philippinen haben nicht genug Beweise gegen ihn", sagte Sidney Jones gegenüber DW-WORLD.DE. "Die USA will sicher nicht zusätzlich die Verantwortung für einen weiteren Terrorverdächtigen übernehmen", so Jones weiter. Klar sei nur, dass keiner ihn haben will.

Die indonesische Regierung vermutet, dass Umar Patek Drahtzieher mehrer Terroranschläge in Indonesien ist. Er soll unter anderem eine Serie von Bombenanschlägen auf christliche Kirchen in mehreren indonesischen Städten mitgeplant haben. Damals kamen im Jahr 2000 an Heiligabend 18 Menschen ums Leben. Patek soll auch ein Übungslager in Aceh, der westlichsten Provinz Indonesiens, mit aufgebaut haben. Das Lager wurde 2010 entdeckt und aufgelöst.

Mehrfach angeklagt

Höchstwahrscheinlich wird Patek jedoch wegen der Anschläge auf Bali im Jahr 2002 angeklagt werden, erklärt Jones. "Er hatte auch etwas mit dem Weihnachtsattentat zu tun, aber die Beweise sind unzureichend", so Jones, “Es gibt kaum Zeugen und auch fast keine forensischen Beweise." Falls das erfolglos sein sollte, gebe es mehrere kleinere Vergehen, für die Umar Patek belangt werden könnte. Sie nennt zum Beispiel seine Einreise nach Indonesien mit gefälschten Papieren oder seine Besuche bei anderen mutmaßlichen Terroristen in Jakarta, die ebenfalls polizeilich gesucht werden.

Indonesische Polizisten tragen die Leichen mutmaßlicher Terroristen aus einem Haus in Bekasi(AP Photo/Tatan Syuflana)

Effektiv aber tödlich: Indonesiens Antiterror-Einheit

In Indonesien wurde die Gefangennahme Pateks sehr begrüßt. Zuvor waren die indonesischen Sicherheitskräfte in Verruf gekommen, da die letzten Großaktionen gegen mutmaßliche Terroristen immer mit dem Tod der Verdächtigen endeten.

Globaler Terror?

Sicherheitsexperten vermuten, dass Umar Patek, der sich sowohl zu den Anschlägen im Jahr 2000 und 2002 bekannt hatte, einer der wenigen indonesischen Extremisten sei, der das Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen islamistischen Gruppierungen in Asien kennt.

Einige Beobachter äußerten aber auch Sorge über die Auslieferung. Falls er zu einer Gefängnisstrafe kommen sollte, könnte Umar Patek seine Terror-Kenntnisse an andere Insassen weitergeben. Laut Ansyaad Bhai, Chef der Antiterrorbehörde Indonesiens, könnte die Anwesenheit Pateks in Indonesien weitere Anschläge im Land nach sich ziehen.

Australien warnte auch davor, dass Pateks Verhaftung weitere Gewalttaten in Indonesien gegen Ausländer auslösen könnte.

Autorin: Ziphora Robina
Redakteur: Chi Viet Giang

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