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Asien

Pakistan kommt nicht zur Ruhe

In der Stadt Rawalpindi ist erneut ein Selbstmordanschlag verübt worden. Mindestens 35 Menschen wurden getötet und zahlreiche weitere verletzt, als sich der Attentäter vor einer staatlichen Bank in die Luft sprengte.

Rettungskräfte bergen Anschlagsopfer in Rawalpindi (Foto: AP)

Rettungskräfte bergen Anschlagsopfer in Rawalpindi

Der Tatort liegt nur wenige hundert Meter von einem Armee-Hauptquartier entfernt, das erst vor drei Wochen Ziel eines Taliban-Angriffs war. Der Polizeichef von Rawalpindi, Aslam Tarin, erklärte, die meisten Opfer seien Angehörige der Sicherheitskräfte. Der Angreifer habe zunächst eine Handgranate auf die Schlange stehenden Menschen vor der Bank geworfen und dann den Sprengstoff gezündet, der anscheinend in seinem Motorrad versteckt gewesen sei. Bei der Detonation seien auch in einem in der Nähe liegenden Hotel Menschen zu Schaden gekommen. Der Täter hatte den Zeitpunkt offenbar bewusst gewählt. Zu dem Termin waren zahlreiche Regierungsangestellte und Angehörige der Sicherheitskräfte unterwegs, um in der Bank ihr Gehalt abzuholen.

Nach dem Anschlag am Morgen wurden bei einem weiteren Bombenanschlag auf einen Polizeiposten nahe der östlichen Metropole Lahore mindestens 15 Menschen verletzt.

Kopfgeld auf Taliban-Führung

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlägen. Verdächtigt werden die Taliban. Die pakistanische Regierung verurteilte den Anschlag, betonte aber, die Offensive gegen die radikalen Islamisten in Wasiristan an der afghanischen Grenze werde fortgesetzt. Sie setzte insgesamt fünf Millionen Dollar Kopfgeld auf die Führung der pakistanischen Taliban-Bewegung (TTP) aus. Nach Angaben der Streitkräfte wurden seit Beginn der Offensive mehr als 330-Taliban-Kämpfer und mindestens 36 Soldaten getötet.

Militäroffensive löst massive Gewaltwelle aus

Die Armee sichert den Tatort ab (Foto: dpa)

Die Armee sichert den Tatort ab

Bei dem ersten Anschlag auf das militärische Zentrum in Rawalpindi am 10. Oktober hatten Extremisten das Hauptquartier selbst besetzt. Erst nach 22 Stunden brachten Elitesoldaten die Lage unter Kontrolle. 20 Menschen wurden getötet. Insgesamt wurden im Verlauf der Anschlagswelle, die mit der jüngsten Offensive der pakistanischen Armee in den Hochburgen der islamistischen Aufständischen begann, mehr als 250 Menschen getötet.

Chaos vor der verwüsteten Bank (Foto: AP)

Chaos vor der verwüsteten Bank

Vereinte Nationen reagieren auf jüngsten Anschlag

Wegen der eskalierenden Gewalt kündigten die Vereinten Nationen an, einen Teil ihres internationalen Personals aus Pakistan abzuziehen, das in der langfristigen Entwicklungshilfe eingesetzt ist. Betroffen seien alle ausländischen Mitarbeiter in der Nordwest-Grenzprovinz und den Stammesgebieten, die nicht für Nothilfe, humanitäre Hilfe, Sicherheitsoperationen oder andere "essenzielle" Aufgaben benötigt würden. Der Schutz der verbleibenden Mitarbeiter werde verstärkt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon habe den Schritt angeordnet. Bei Anschlägen in Pakistan wurden in diesem Jahr bereits elf UN-Mitarbeiter getötet.

Autorin: Ulrike Quast/Patrizia Pullano (dpa,ap,afp,rtr)
Redaktion: Martin Muno

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