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Musik

Paco Mendoza: Positive Dancefloor Vibes

Seine Eltern stammen aus Peru und Paraguay, geboren wurde er in Argentinien und aufgewachsen ist er in Deutschland. Was kann Paco Mendoza da anderes machen als panamerikanische Musik mit globalem Anspruch?

Paco Mendoza Bilder des deutsch-Latino-Musikers Paco Mendoza Quelle: Chusma Records

Paco Mendoza

In Deutschland lebt er schon, seit er fünf Jahre alt ist, doch die Beziehung zur spanisch sprechenden Welt hat er nie verloren. Mit seinem Bruder Don Caramelo hat Paco Mendoza in verschiedensten Bandkonstellationen die Mestizo-Bewegung nach Deutschland gebracht. Und auch auf seinem ersten Solo-Album "Consciente y Positivo" (Bewusst und Positiv) steht er ganz in dieser spanisch-lateinamerikanischen Tradition, die politisches Bewusstsein mit dem unbedingten Willen zur Party verbindet.

Paco Mendoza Bilder des deutsch-Latino-Musikers Paco Mendoza Quelle: Chusma Records 2011

Paco Mendoza

Sanftmut und eine latino-typische romantische Ader sind dem Musiker und Menschen Paco Mendoza genauso eigen wie eine gewisse Dosis an Coolness und fröhlicher Ruppigkeit. Cumbia, Reggae, Raggamuffin und andere Dancefloor-Stile haben es dem Sänger von jeher angetan und halten auch sein Plattendebüt unter eigenem Namen stilistisch zusammen.

Politische Botschaft versus Schmachtballade

In seinem Live-Repertoire finden sich auch die eine oder andere Schmachtballade oder getragene, nur mit Gitarre begleitete Lieder wie "Los ejes de mi carreta" des großen argentinischen Barden Atahualpa Yupanqui. Auf "Consciente y positivo" hingegen gibt es kaum Liebeslieder, zumindest keine expliziten. Hier dominiert die politische Botschaft. Der im CD-Titel enthaltene Bewusstseinsaspekt hängt für Mendoza vor allem mit dem HipHop zusammen. Nicht zuletzt deswegen hat er sich mit dem Londoner DJ Vadim einen Produzenten mit HipHop-Erfahrung ins Boot geholt.

HipHop schätzt Mendoza gerade wegen seines sozialen Charakters, und deswegen prangert er in seinen Texten auch immer wieder gesellschaftliche Missstände an. Aber er sei keiner, der alles schwarz sehe, sagt Mendoza, sondern der auch immer viele weitere Möglichkeiten und Auswege im Blick habe.

Bewusstseinserweiterung auf dem Tanzboden

Ähnlich seinen Mestizo-Brüdern in Barcelona, Mexico City oder Paris setzt der studierte Lateinamerika-Wissenschaftler Mendoza unbeirrt auf die Fähigkeit der Musik, das Bewusstsein zu erweitern oder gar gesellschaftlichen Wandel auszulösen. Die explizite Botschaft schimmert bei einigen der Songs schon kräftig durch: Sie tragen Titel wie "Revolucionario" oder "Justicia". In der flotten Ragga-Nummer "En la radio" kritisiert der Musiker – halb singend, halb im Raggamuffin- Style – den Zustand des Radios. Dort würden einfach viel zu viele Kommerzsachen gespielt, meint Paco Mendoza, zehnmal täglich Madonna anstelle von "conscious tunes", die den Leuten wirklich was geben könnten.

Das Lied hatte Mendoza gemeinsam mit seinem Bruder ursprünglich auf Deutsch komponiert und nun in seine zweite "Verkehrssprache" übertragen. Jahrelang hatte er seine Lieder entweder auf Spanisch oder auf Deutsch geschrieben und dann festgestellt, dass es doch reizvoll und durchaus auch arbeitseffizienter sei, schon vorhandenes Material zu übersetzen und so alle Teile seines deutsch- wie spanischsprachigen Publikums zu erreichen.

Solo, aber nie allein

Paco Mendoza Plattencover: Consciente y Positivo

Paco Mendoza Consciente y Positivo CD-Cover

Egal ob als "Criminal" im Duo mit seinem Bruder oder aber in einem seiner unzähligen Projekte, wie etwa zuletzt bei den Koalas Desperados: Paco Mendoza, der im wahren Leben Nils Leske heißt, lebt von der kollektiven Arbeit und vom Netzwerken. Und so waren auch beim ersten, sogenannten Soloalbum viele gute Geister mit von der Partie: neben dem Kolumbianer Mil Santos, der wie Mendoza seit ein paar Jahren in Berlin lebt, auch sein alter Musikerkumpel Lobstarr sowie Deuce Eclipse. Der MC und Reggae-Sänger ist in San Francisco zuhause, stammt aber eigentlich aus Nicaragua.

Man spürt die Seelenverwandtschaft der beiden im gemeinsam intonierten "El Rey", einem entspannten, auf fetten Beats und Streichersamples gebetteten Song. Mendoza erinnert sich schmunzelnd, dass er eigentlich auf eine Gangsta Rap-Einlage gefasst war. Doch dann entpuppte sich Deuce Eclipse als wunderbarer Sänger, der "El Rey" noch mal richtig nach oben gehoben habe. Die Liedzeilen zu Beginn - einer alten mexikanischen Ranchera entliehen - könnten auch aus der Feder des freiheitsliebenden, sonnigen Sympathieträgers selbst stammen: "Mit Geld, ohne Geld – ich mache immer, was mir gefällt. Ich habe weder Thron noch Königin, noch jemanden, der mich versteht. Mein Wort ist Gesetz, ich bin der König, klar...!"

Autorin: Katrin Wilke
Redakteur: Matthias Klaus

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