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Wirtschaft

Packesel-Rennen im Weltall

Der misslungene Start der Ariane 5 in der Nacht zum Donnerstag (12.12.02) bedeutet einen herben Rückschlag für die europäische Betreibergesellschaft Arianespace. Ihre ohnehin bedrohte Marktführerschaft gerät in Gefahr.

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Ariane 5 kurz vor ihrem Start von Französisch-Guyana in Südamerika

Rund drei Minuten nach ihrem Start vom Weltraumzentrum Kourou im südamerikanischen Französisch-Guyana war die Trägerrakete am Mittwochabend explodiert. Die beiden Satelliten, die sie an Bord hatte, stürzten in den Atlantik. Der Wert beider Satelliten wird insgesamt auf mehr als 600 Millionen Euro geschätzt. Über die Höhe der Versicherungssumme wurde nichts bekannt. Was den Fehlstart verursacht hat, blieb ebenfalls unklar.

Die Ariane 5 sollte der übrigen Welt zeigen, dass Europa beim Geschäft mit Raketen für den Transport kommerzieller Satelliten auch weiter die Nase vorn hat. Sie ist die derzeit stärkste zivile Trägerrakete der Welt: Bis zu zehn Tonnen Nutzlast kann das Kraftpaket nach Angaben der Betreibergesellschaft Arianespace ins Weltall transportieren.

Milliardenumsätze

Wettersatellit MSG-1

Ein Wettersatellit, der von einer Ariane 5 in den Orbit transportiert wurde

Der erste Starttermin für den Jungfernflug platzte am 28. November, weil die hochkomplizierte Technik nicht mitspielte. Der erneute Fehlversuch dürfte auf Seiten der Auftraggeber zu einem Vertrauensverlust führen. Für den Marktführer könnten daraus empfindliche Umsatz-Ausfälle resultieren. Jährlich setzt die Branche etwa zwei Milliarden Euro mit zivil genutzten Trägerraketen um. Daran hat Arianespace einen Anteil von 50 bis 60 Prozent.

Die Betreibergesellschaft ist im besten Sinn ein europäisches Joint Venture. Zu den Eigentümern gehören mehr als fünfzig Unternehmen aus Europa. Unter den Beteiligten in Deutschland sind MAN, die Westdeutsche Landesbank, die Bayerische Vereinsbank sowie das Bremer Technik-Unternehmen Astrium, welches teilweise im Besitz des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ist.

Spitzenposition

Die Ariane 1, 1979

Blick zurück: Die Ariane 1, 1979

Die Spitzenposition von Arianespace ist jedoch bedroht. In den vergangenen Jahren ging ihr Marktanteil um mehr als zehn Prozentpunkte zurück, räumte der Arianespace-Sprecher Franz-Peter Spaumhorst im Gespräch mit DW-WORLD ein. Der Grund dafür ist die wachsende Konkurrenz aus den USA, Russland und China.

In den USA wollen die Unternehmen Lockheed Martin und Boeing verlorenen Boden gut machen. Zu lange hatte man dort auf den Space Shuttle als bevorzugten Packesel fürs Weltall gebaut. Startkosten von 750 Millionen Dollar, die der Shuttle verursacht, sind jedoch nicht konkurrenzfähig. In den vergangenen Monaten haben die Amerikaner allerdings erfolgreich Trägerraketen gestartet, die mit der Ariane zumindest preislich konkurrieren könnten. Ihr Start kostet etwa 140 Millionen Euro. Das ist im Vergleich zu russischen Raketen teuer. Ein russisch-amerikanisches Konsortium, das russische Proton-Raketen nutzt, bietet bereits Starts ab etwa 60 Millionen Euro an.

Doppelter Vorteil

Die Ariane-Rakete hat jedoch zwei Vorteile: Aufgrund ihrer hohen Tragfähigkeit kann sie zwei Satelliten gleichzeitig befördern, obwohl deren Gewicht stetig zunimmt. Dadurch verteilen sich die Startkosten auf zwei Auftraggeber. Zudem gilt die Ariane als äußerst zuverlässig. Versicherungsprämien zur Sicherung von Transporten mit dieser Rakete liegen um etwa die Hälfte unter denen, die beim Start mit anderen Raketen fällig werden, sagt Spaumhorst. Nach dem jüngsten Desaster dürften aber auch die Versicherungen von Ariane-Flügen teurer werden.

Die Geschäfte laufen derzeit ohnehin wenig erfreulich für das in der Nähe von Paris ansässige Joint Venture. Dies liegt an dem Einbruch der Märkte für neue Telekommunikations-Technologien, in dessen Folge auch weniger Satelliten in den Orbit geschossen werden. Allein 2001 schrieb Arianespace bei einem Umsatz von etwa 800 Millionen Euro einen Verlust von knapp 200 Millionen Euro. Im Jahr zuvor betrug der Verlust sogar 250 Millionen Euro. Auch in diesem Jahr wird die Bilanz wohl rote Zahlen ausweisen, die in diesen Größenordnungen liegen. Das bedeutet einen Verlust pro Start von etwa 20 Millionen Euro.

Weltraumschrott

ESA

Eine Ariane 5 hebt vom Weltraumbahnhof Kourou ab, Dienstag, 12. Juli 2001

Arianespace und die daran beteiligten Unternehmen planen zur Sicherung ihres Fortbestehens für die Zeit ab 2005 eine neue Finanzierungsstruktur. Dazu haben sie die europäischen Staaten aufgefordert, stärker auf die Dienste von Arianespace zurückzugreifen. "Wenn ein europäischer Staat einen Satelliten startet, sollte er dies mit einer Ariane tun und nicht mit einem außereuropäischen Konkurrenten", erläutert Spaumhorst die Wünsche des Raumfahrtunternehmens. Anders sei eine Auslastung von Arianespace nicht gewährleistet.

Rückenwind könnte die Ariane – wenngleich ungewollt – von ihren Konkurrenten erhalten. Auch ihnen passieren immer wieder kostspielige Fehler. Erst vergangenen Monat missglückte der Start einer russischen Proton-Rakete, die den mehr als 100 Millionen Euro teuren Kommunikationssatelliten Astra-1K in den Weltraum bringen sollte. Und im Oktober explodierte eine Sojus-Rakete mit einem Forschungssatelliten an Bord. Vom teuren Gepäck dieser Lastesel blieben nur verglühte Reste und etwas Weltraumschrott übrig.

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