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Wirtschaft

Pachtpreise verdrängen Bio-Anbau

Die Nachfrage nach Bio steigt schneller als die nach konventionellen Lebensmitteln. Die Bio-Bauern kämpfen trotzdem mit Problemen: Hohe Pachtpreise und eine neue EU-Ökoverordnung verunsichern die Zunft.

Der deutsche Markt für Bio-Produkte hat im vergangenen Jahr um knapp fünf Prozent auf einen Umsatz von 7,91 Milliarden Euro zugelegt. Danach hat sich das Wachstum nach Angaben von Branchenverbänden zwar verlangsamt, doch "insgesamt ist das Potenzial am Bio-Markt noch längst nicht ausgeschöpft", sagte Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in Nürnberg.

Dort beginnt am Mittwoch die BIOFACH, die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel. Knapp 2350 Aussteller aus 74 Ländern zeigen bis zum Samstag verteilt auf acht Hallen des Nürnberger Messegeländes die globale Bio-Vielfalt im Lebensmittel- und Kosmetik-Markt.

Die Top Fünf der Ausstellerländer sind neben Deutschland mit 630, Italien mit knapp 300, Spanien (117), Frankreich (114) und die Niederlande (99). Die Nachfrage nach Bio-Produkten und die internationalen Märkte wachsen. Weltweit steht die Branche jedoch auch vor Herausforderungen, unter anderem durch internationale Handelsabkommen und Weiterentwicklungen in der Gesetzgebung.

Gebremster Landbau

In Deutschland kämpfen die Bio-Bauern zudem noch mit einem weiteren Problem: Die hohe Nachfrage nach Biomasse hat die Pachtpreise in der Landwirtschaft durch die Decke gehen lassen. Wer da noch auf Getreide, Gemüseoder Viehhaltung setzt, kann oft nicht mehr mithalten. "Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum das Wachstum im Öko-Landbau so gebremst ist und viele kleine Betriebe rückumstellen - sie können nicht mehr mithalten auf dem Pachtmarkt", sagt der Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft, Felix Prinz zu Löwenstein. "Die Pachtpreise sind gebietsweise in völlig absurde Höhen gegangen."

Das verschärft ein Problem, mit dem die Branche seit Jahren kämpft: Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln legt hierzulande kontinuierlich zu, doch die heimischen Bauern kommen mit der Produktion nicht hinterher. Auch im vergangenen Jahr ist der Markt weiter gewachsen", bestätigt Diana Schaack von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Mit knapp fünf Prozent Plus haben die Bio-Produkte stärker zugelegt als der stagnierende konventionelle Markt für Lebensmittel und Getränke.

Gebildete Käufer

Zugleich sorgt aber eine anstehende Änderung der EU-Ökoverordnung für Unruhe unter den Bauern. Es fehlten nach wie vor verlässliche Angaben, die eine vernünftige Investitionsplanung ermöglichten, klagt die Branche. "Keiner investiert in den Öko-Landbau, wenn er nicht weiß, wie sein Kuhstall in drei Jahren aussehen soll", erklärt Elke Röder vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN).

Und wer kauft Bio-Produkte? "Das ist eine gut gebildete Gruppe, weltoffen, aufgeschlossen, auch etwas einkommensstärker sowie anspruchsvoll, was die Ernährung angeht", charakterisiert Wolfgang Adlwarth vom Nürnberger Marktforscher GfK die typischen Bio-Käufer. "Diese Käufergruppe kauft weniger Menge, gibt aber 17 Prozent mehr für ihr Essen aus." AMI-Daten zufolge legen die Kunden besonders viel Geld für Bio-Milchprodukte und Bio-Eier auf den Tisch.

Der Trend auf der diesjährigen Messe gehe zu den so genannten "Free From-Produkten", erklärt die Nürnberger Messegesellschaft. Laut Expertenschätzungen leidet heute etwa jeder fünfte Verbraucher an einer Laktoseintoleranz, etwa sieben Prozent vertragen keinen Fruchtzucker. Diese Personen, sind sich Marktkenner einig, kauften verstärkt Lebensmittel mit Bio-Siegel, da sie sich hier einer hohen Rohstoffqualität sicher sein können.