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Aktuell Deutschland

Paar verwechselt Flüchtlingsheim mit Gasthof - und wird bewirtet

In Franken haben Flüchtlinge ein Rentnerpaar bewirtet, das ein Asylbewerberheim mit einem Gasthof verwechselt hatte. "Keiner kannte sie, aber ich verstand sie gut: Sie hatten Hunger", sagte einer der Bewohner.

Das sich hier ein Asylbewerberheim verbirgt, ist nicht leicht zu erkennen (Foto: dpa)

Das sich hier ein Asylbewerberheim verbirgt, ist nicht leicht zu erkennen

Der Flüchtling Kawa Suliman aus Syrien hat in Bayern spontan zwei Ausflügler bewirtet - weil diese ein Heim für Asylbewerber für ein Gasthaus gehalten hatten. Das Paar war der Meinung gewesen, der ehemalige Gasthof im oberfränkischen Zapfendorf sei noch in Betrieb - tatsächlich leben hier längst Asylbewerber. "Ich sagte: Kommen Sie herein, machen Sie es sich bequem, fühlen Sie sich wie zu Hause", schilderte Suliman die Szene, die sich bereits vor einigen Monaten ereignet hatte und über die jetzt die Zeitung "Fränkischer Tag" berichtete.

Das Paar aus Karlsruhe war demnach zum Kanufahren in die Region gekommen und hatte nach einem Ausflug am Nachmittag ein Lokal gesucht. "Mir hing der Magen in den Kniekehlen, wir mussten unbedingt ein Gasthaus finden", sagte die Rentnerin Gabriele Stärz der Zeitung. Nachdem sie eine Weile gelaufen seien, seien sie auf das Schild Brauerei-Gasthof Hennemann gestoßen.

Kawa Suliman bereitet syrisches Brot zu (Foto: dpa)

Kawa Suliman bereitet syrisches Brot zu

Sie hätten sich zwar über den zugemauerten Eingang gewundert, seien dann aber von einem Mann mit Handzeichen zu einem Eingang im Hof geleitet worden. Im Gastraum sei ihr zwar aufgefallen, dass Tische und Stühle nicht zusammen passen. "Ich dachte: Die fangen neu an. Da muss man Verständnis haben, wenn's nicht so schnieke ist."

"Nette Gastronomen unterstützen"

Die in dem Gebäude lebenden Asylbewerber hätten angesichts des Besuchs den Syrer Kawa Suliman geholt, weil dieser am besten Deutsch gesprochen habe. "Der junge Mann, der nach unseren Wünschen fragte, war so nett - so nette junge Gastronomen muss man doch unterstützen."

Ahmed Abd Elal, Kawa Suliman und Bassam Elshoull boten offenbar einen erstklassigen Service (Foto: dpa)

Ahmed Abd Elal, Kawa Suliman und Bassam Elshoull (v. l.) boten offenbar einen erstklassigen Service

"Wir wussten nicht, was das für Leute waren", berichtete Suliman der Zeitung. "Keiner kannte sie, aber ich verstand sie gut: Sie hatten Hunger", sagte der 30-jährige Anwalt weiter. Die Asylbewerber um Kawa Suliman tischten den Gästen spontan Brot, Marmelade, Eier, Käse und Tee auf: "Wir stellten den Tisch voller Essen." Er habe alles auf einer Platte angerichtet und mit Fladenbrot serviert.

"Toll hat das geschmeckt", erinnerte sich die Rentnerin. Sie habe dazu einen grünen Tee bestellt, ihr Partner Milch, das "syrische Restaurant" mitten in Franken haben ihnen gut gefallen. Erst als ihr 72-jähriger Lebensgefährte nach der Rechnung fragte, stellte sich heraus, dass das hungrige Paar in einer Flüchtlingsunterkunft gelandet war. Sie sei zu Tränen gerührt gewesen angesichts der Gastfreundschaft der Migranten, erzählte die Frau der Zeitung. Auch Kawa Suliman erinnerte sich daran: "Die Frau hat geweint." Dabei sei es für ihn und seine Mitbewohner selbstverständlich gewesen, den beiden hungrigen Menschen zu helfen. Einige Tage später kam eine Postkarte mit Dankesworten im Asylbewerberheim an. Die Flüchtlinge wollen sich jetzt revanchieren - und zu Weihnachten eine Karte nach Karlsruhe schicken.

stu/wl (afp, dpa)

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