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Kultur

Pücklers Kunst im Garten

Vor 225 Jahren wurde Hermann Fürst Pückler geboren. Weltbekannt wurde er als Namensgeber einer Eisspezialität, als Weltreisender und Dandy. Als Landschaftsgärtner hat er in Bad Muskau ein Weltkulturerbe geschaffen.

Blick vom Schlossturm des restaurierten Schlosses in die Weite der Parklandschaft (Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau)

Als wankelmütig und unzuverlässig charakterisierte sich der 1785 geborene Herman Fürst Pückler selbst. Und unstet war auch sein Lebenswandel. Seine Zeitgenossen hielten ihn zumeist für einen Dandy oder Frauenhelden, einer der wenigen Bewunderer seiner literarischen Erzeugnisse war Johann Wolfgang von Goethe, der ihn als "geprüften Weltmann" sah mit "unbestreitbaren Talenten". Der Fürst selbst wollte an seinem vermutlich größten Erbe gemessen werden und empfahl: "Wer Muskau gesehen, hat mir ins Herz gesehen".

Landschaft als Kunst

Der Stein des Fürsten Pückler war im 2. Weltkrieg zweckentfremdet worden. Jetzt steht er wieder an seiner ursprünglichen Stelle im polnischen Parkteil (Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau)

Am Pücklerstein

Auf 522 Hektar hat der schillernde Fürst dort in den Flußauen der Neiße und der bewaldeten Hügellandschaft der Oberlausitz einen der ersten Landschaftsgärten nach englischem Vorbild in Deutschland geschaffen. Statt mit Farben wollte er mit Bäumen, Flüssen und Wiesen, mit dem geformten Reichtum der Natur eine Parklandschaft als Idealbild gestalten. Ein Vorhaben, das den Fürsten zu Lebzeiten an den Rande des Ruins brachte und unvollendet blieb.

Doch in drei Jahrzehnten - von 1815 bis 1845 - wurde unter seiner Anleitung die Grundlage für eine Parklandschaft geschaffen, die aufgrund ihres Charakters in Europa ihres Gleichen sucht. Im Jahr 2004 wurde dem Park von der UNESCO deshalb der Titel "Weltkuturerbe" zuerkannt. Nicht zuletzt, weil Deutschland und Polen, zu dem Zweidrittel der Parkfläche gehören, den Antrag gemeinsam vorangetrieben hatten und Seite an Seite für die Restaurierung dieses europäischen Kulturdenkmals mit seinen zum Teil noch aus Kriegszeiten beschädigten Gebäuden gesorgt hatten. Oder die Doppelbrücke über die Neiße, deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg den Park auch physisch in einen deutschen und eine polnischen Teil getrennt hatte.

Grenzenloses Parkerlebnis

"Hier muss man sagen, dass die Neiße ursprünglich nie so etwas wie eine Grenze war zwischen der westlichen und der östlichen Seite des Parks. Im Jahr 2003 haben Deutsche und Polen die Doppelbrücke wieder aufgebaut und seit 2004 können wir mit dem Beitritt Polens zum Schengen-Raum ganz ohne Beschränkung wieder über die Neiße gehen", sagt Katarzyna Jagiello, die im polnischen "Nationalen Zentrum für Denkmalforschung und Dokumentation" in der Außenstelle Legnica maßgeblich für die touristische Entwicklung des Parks östlich der Neiße zuständig ist. Umso stolzer war man bei den Parkbetreibern als man 2005 genau auf dieser Doppelbrücke die Weltkulturerbe-Urkunde der UNESCO gemeinsam in Empfang nehmen konnte.

Mit der Kutsche lässt sich nicht nur durch den Park fahren, sondern auch durch die Ausstellung zum Leben und Werk des Fürsten (Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau)

Kultur - Kutschfahrt

"Schon Helmut Kohl hat Anfang der 1990er Jahre darüber philosophiert, dass dieser Park einmal zum Weltkulturerbe gehören könnte", erinnert sich Ute Martina Kühnel von der Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau". Die vom Freistaat Sachsen eingerichtete Stiftung ist mit der Pflege des Parks und seiner Gebäude betraut. Im Stiftungsrat sind auch Vertreter der polnischen Parkverwaltung vertreten.

Auch in der täglichen Praxis der Landschaftspflege arbeiten Polen und Deutsche Hand in Hand. So arbeiten in einem Gemeinschaftsprojekt jeweils zehn deutsche und polnische Jugendliche an der Freilegung des historischen Wegenetzes oder fällen Bäume, um alte Sichtachsen im Park wieder freizulegen. "Die bekommen eine Schulung, in der sie auch Deutsch und Polnisch lernen, damit sie sich gegenseitig verständigen können und dann arbeiten sie für ein Jahr zusammen im Park", erklärt Katarzyna Jagiello.

Restauriertes Schloss als neues Parkjuwel

Die im 2. Weltkrieg zestört englische Brücke über die Neiße wartet noch auf ihre Restaurierung (Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau)

Englische Brücke

Es gibt es viel zu tun. Die "Englische Brücke" im Park ist noch zerstört und das Schloss, das den gesamten Zeitraum der DDR als Ruine überdauerte und nun seit Mitte der 1990er Jahre aufwendig restauriert wird, soll bis spätestens 2013 komplett im Stil der Neo-Renaissance wieder hergestellt sein. Es fehlt nur noch der dritte, westliche Seitenflügel. Doch schon jetzt fügt es sich mit seiner harmonischen Farbgebung und der durch den preußischen Architekten Schinkel entworfenen Schlossauffahrt prächtig in die Parklandschaft ein.

Das Zimmer, in dem einst Herman Fürst Pückler seine "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" im Jahre 1834 zu Papier brachte, ist detailgenau wieder hergerichtet und Teil einer großen Sonderaustellung zum 225. Geburtstag des Fürsten. Die Macher der Ausstellung, standen vor der Herausforderung das vielfältige Werk und die facettenreiche Persönlichkeit Pücklers auf gleichermaßen angemessene wie unterhaltsame Art zu präsentieren. Nur im Titel der Ausstellung "Pückler? Einfach nicht zu fassen" haben sie vor dieser Aufgabe kapituliert.

Autor: Daniel Scheschkewitz

Redaktion: Conny Paul