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Wissen & Umwelt

Pötschke-Langer: Markt für E-Zigaretten "zielt auf Kinder und Jugendliche ab"

E-Zigaretten dürfen künftig nicht mehr an Kinder und Jugendliche verkauft werden - so der Gesetzesentwurf der Bundesregierung. Zu recht, sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

DW: Frau Pötschke-Langer, warum ist ein Gesetz nötig, das den Verkauf von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche verbietet?

Martina Pötschke-Langer: Wir haben seit Beginn dieser aggressiven Marketingstrategie der Hersteller von E-Zigaretten davor gewarnt, dass sie sich an Kinder und Jugendliche richtet. Unter den 12- bis 17-Jährigen haben etwa 30 Prozent eines Jahrgangs diese Produkte schon mal ausprobiert. Das muss nicht bedeuten, dass sie dauerhafte Konsumenten werden, aber diese Produkte wurden an Kinder verkauft. Es schien uns äußerst problematisch, dass dieses Chemikaliengemisch mit E-Zigaretten inhaliert wird. Es gelangt in die Atemwege und in die Lungen von Kindern und Jugendlichen.

Welche Chemikalien sind das?

Das sind vor allen Dingen Propylenglykol und Glycerin, Aromastoffe und auch Nikotin. Bei einigen Aerosolen dieser Produkte sind auch Kanzerogene festgestellt worden, also Stoffe, die krebserregend sind. Die Produktpalette ist sehr groß. Sie ist auch sehr attraktiv für Kinder. Einige davon werden mit Vorliebe von Kindern gekauft. Sie sind sehr bunt, wie in einem Mäppchen. Man kann sie kaum von einem Buntstift unterscheiden. Sie werden für etwa ein Euro pro Stück verkauft.

Werden diese E-Zigaretten vorwiegend für Kinder produziert?

Martina Pötschke-Langer (Foto: DKFZ)

Martina Pötschke-Langer: "Die Hersteller haben skrupellos alle Methoden genutzt, um einen Kinder- und Jugendmarkt aufzubauen."

Ja, dieser Markt zielt ganz eindeutig auf Kinder und Jugendliche ab, zumal auch die Aromen gerade für Kinder sehr attraktiv sind. Es gibt Kaugummi, also Bubble-gum-Geschmack, und viele andere Aromen der Lebensmittelpalette. Man hat das Gefühl, hier inhaliere man Apfelgeschmack oder Pfirsich oder sonstige Früchte. Das Design ist ein großes Problem: Sie sind bunt, einige mit Glitzersteinchen. Sie sind eben einfach attraktiv für die sehr junge Altersgruppe.

Die E-Zigarette sollte die Tabakzigarette ablösen und Rauchern bei der Entwöhnung helfen. Warum wurden gerade Kinder als Konsumenten entdeckt?

Die Hersteller haben skrupellos alle Methoden und Strategien genutzt, um einen Kinder- und Jugendmarkt aufzubauen. Das war geplant. Es ist auch nachvollziehbar. Wir haben dazu entsprechende Publikationen vorgelegt. Deshalb begrüßen wir natürlich die Entscheidung der Bundesregierung, dass jetzt dieses Gesetz zur Regelung von nikotinhaltigen und auch nikotinfreien E-Zigaretten endlich durchgesetzt wurde.

Warum hat man denn nicht schon früher gegengesteuert? Erste Studien waren ja bereits erschienen, als die E-Zigarette eingeführt wurde.

Man hat dieses massenhafte Ausprobieren der Kinder und Jugendlichen nicht erwartet. Wir haben erst jetzt, in den letzten zwei Jahren, valide Daten für Deutschland vorliegen, die so erschreckend sind, dass die Politik eigentlich relativ rasch gehandelt hat. Das Gesetz zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ist relativ schnell durchgesetzt worden.

Was sollte denn jetzt noch unternommen werden, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen?

Das Internet und die sozialen Medien müssen viel stärker kontrolliert werden. Was da an aggressiven Werbemethoden gerade im Bezug auf E-Zigaretten und E-Shishas vonstatten geht, ist sehr problematisch.

Ist Passivrauchen bei E-Zigaretten genauso gefährlich wie bei Tabakzigaretten?

Es ist eine Emission, und die verschlechtert deutlich die Innenraumluft. Das gilt insbesondere, wenn mehrere Konsumenten in einem Raum E-Zigaretten konsumieren. Wir haben einen hohen Anstieg an lungengängigen Partikeln, die in der Lunge verbleiben und dann vom Körper aufgenommen werden. Wir haben bei Messungen der Raumluft krebserzeugende Substanzen gefunden: Acetaldehyd, Formaldehyd, aber auch Metalle. E-Zigaretten sollten unbedingt den Tabakzigaretten gleich gestellt werden.

Sind mögliche langfristige Schäden und Gefahren gerade für Kinder und Jugendliche bekannt?

Da gibt es zu wenige Untersuchungen, weil die Produkte zum einen zu unterschiedlich sind und daher noch gar nicht Untersuchungsgegenstand waren und auch zu kurzfristig auf dem Markt sind. Aber es laufen jetzt viele Studien und auch Laborstudien. Ich denke, in ein bis zwei Jahren wissen wir da deutlich mehr.

Martina Pötschke-Langer ist Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Das Interview führte Gudrun Heise.

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