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Politik

Pöbeln für die Quote

Es ist eine Mischung aus Eifersucht, Niedertracht und High Society, die Amerika seit Wochen fasziniert: Der New Yorker Baulöwe Donald Trump hat mit einer Fernsehmoderatorin einen Streit vom Zaun gebrochen.

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In Amerika ist Bescheidenheit keine Tugend. Understatement, eine britische Erfindung, wurde vermutlich mit der Unabhängigkeitserklärung über Bord geworfen. Keiner weiß das besser als Donald Trump. Denn niemand ist im großen, weiten Amerika so sehr von sich überzeugt wie der selbsternannte Milliardär. Schließlich besitzt Trump mehr Hochhäuser, Casinos und Scheidungsurkunden als andere Amerikaner.

Libeskinds "Schrott"

Und Trump verbreitet gerne ungefragt seine Meinung. So ließ er vor geraumer Zeit auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz die staunende Öffentlichkeit und den Stararchitekten Daniel Libeskind wissen, das Design des neuen World Trade Center sei "Crap". Schrott. Dass das Design des Stararchitekten Daniel Libeskind von den New Yorkern in einem Wettbewerb ausgewählt wurde, kümmerte ihn wenig.

Vor wenigen Wochen quälte Trump die Öffentlichkeit erneut mit einer Pressekonferenz. Diesmal informierte er die Öffentlichkeit live auf CNN über sexuelle Verfehlungen und den Alkoholkonsum der amtierenden Miss Amerika. Der Fernsehmoderatorin Rosie O'Donnell reichte das endgültig. Sie hielt Trump den Spiegel vors Gesicht und zweifelte öffentlich an seiner Vorbildfunktion.

"Fette Schlampe" gegen "schlechte Frisur"

Und genau dies war der Startschuss für eine verbale Schlammschlacht, in der alle ihre gute Erziehung vergessen haben oder sie zumindest nicht mehr vorgeben. Rosie sei eine "fette Schlampe", "eine Verliererin", rächte sich Trump im Fernsehen. "Wenn sie ihren IQ herausfinden wollen, sage ich Ihnen, der ist gar nicht da." Moderatorin O'Donnell legte nach. Trump sei nichts weiter als heiße Luft. "Mit einer schlechten Frisur.”

Wie bei jeder guten Seifenoper gab es fast täglich eine Fortsetzung. Rosie sei "ein Tier" gab Trump zu Protokoll. Die lesbische Rosie sei "eifersüchtig, weil Miss USA mich mag und nicht sie.” Rosie O'Donnell hingegen holte sich mit der Moderatorenkollegin Barbara Walters Verstärkung. Die konstatierte in einer anderen Sendung Trump sei ein bedauernswerter Mann.

Vermutlich geht der Schlagabtausch in den nächsten Wochen weiter. Aber getreu dem Motto, dass jede Art von PR gute PR ist, hat die Seifenoper schon jetzt ein Happy End. Die Fernsehsendungen von Rosie O'Donnell (“The View”) und Trumps Reality-Show ("The Apprentice) haben höhere Einschaltquoten als je zuvor. Und Donald Trump wurde vor wenigen Tagen mit einem Stern auf dem Hollywoodboulevard geehrt. In gewisser Weise relativiert das seine Bedeutung in Amerika endgültig: Auf dem Boulevard ist Trump Stern Nr. 2327.