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Kultur

Päpstlicher Einfluss auf das Weltgeschehen

Nicht jeden Tag spricht ein Papst vor der Weltgemeinschaft. Der Rede von Benedikt XVI. vor der UN messen viele große Bedeutung bei. Doch wie stark ist der Einfluss des Papstes auf die Weltpolitik wirklich?

Papst in Robe hebt eine Hand (Quelle: AP)

Päpstliche Geste: Wie bedeutsam ist die Rede des Papstes vor der UN (Archivbild)

"Wie viele Divisionen hat der Papst?", soll der sowjetische Staatschef Josef Stalin 1945 in Jalta spöttisch gefragt haben. Der damalige amerikanische Präsident Franklin Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill hatten angeregt, bei der Neuordnung Europas solle auch das Oberhaupt der katholischen Kirche beteiligt werden. Die Mitsprache fiel bekanntlich aus, Stalin konnte ungestraft spotten.

Am Freitag (18.4.2008) betritt wieder ein Papst die politische Weltbühne - wenn man das Podium der Vereinten Nationen (UN) in New York so nennen kann. Die Rede eines Oberhauptes einer der größten Religionsgemeinschaften vor der Weltversammlung ist kein alltägliches Ereignis. Das wissen auch die Zuhörer - die Delegierten der Weltgemeinschaft. Doch wie groß ist der Einfluss von Päpsten auf die Weltpolitik wirklich?

Politischer Papst Johannes Paul II

Zwei Männer stehen nebeneinander (Quelle: AP)

Politischer Papst: Johannes Paul II (r.) mit Ex-US-Präsident Clinton

Bisweilen sehr groß, meint Ludwig Ring-Eifel von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA). Der Chefredakteur der Agentur verweist auf die Geschichte: "Das Paradebeispiel ist der Einfluss des polnischen Papstes Johannes Paul II auf die friedliche Revolution in Polen." Es gebe andere Situationen, in denen Päpste völlig wirkungslos sind aber auch solche, wo ein Papst scheinbar wirkungslos bleibt, sich am Ende aber doch durchsetze, "siehe Irakkrieg", sagt Ring-Eifel. Der Vorgänger von Benedikt, Papst Johannes Paul II, hatte sich oft ungewöhnlich deutlich zu Wort gemeldet. So machte er keinen Hehl aus seiner Meinung, der 2003 von Präsident George W. Bush begonnene Irakkrieg sei nach kirchlicher Lehre kein gerechter Krieg.

Auch Benedikt sei ein Papst mit weltpolitischem Gestaltungswillen, meint der Hamburger Theologe Gerhard Beestermöller. Der jetzige Papst habe zum Beispiel in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2007 auf klare Grenzen für staatliches Handeln auch in Extremsituationen gepocht. Der Papst "forderte damals schon, dass im Hinblick auf den Kampf gegen den Terrorismus neue Regeln für diesen Abwehrkampf entwickelt werden müssen", sagt Beestermöller. Aus Sicht des Papstes könne ohne jeden Zweifel nicht alles erlaubt sein. "Und die katholische Kirche hat sich schon vor Jahrzehnten auf ein absolutes Verbot der Folter festgelegt."

Anwalt für Menschenrechte - mit Einschränklungen

Mehrere Männer gehen einen Korridor entlang (Quelle: dpa)

Dialog in Washington: Papst Benedikt XVI (in weiß) hat sich mit Vertretern anderer Religionen getroffen

Man kann davon ausgehen, dass Benedikt sich in dieser Sache bei seiner Rede vor der UN als Anwalt der ganzen Menschheit präsentieren will. Doch der Papst vertritt zunächst einmal eine Gruppe, nämlich die gut eine Milliarde Katholiken der Welt. Das kann zu Interessensgegensätzen führen, glaubt Ring-Eifel, etwa beim Thema Tibet. Der Papst arbeite daran, die Situation der katholischen Minderheit in China nach 50 oder 60 Jahren der politischen Verfolgung endlich zu verbessern. "Jetzt ist er wahrscheinlich bereit, einen Preis gegenüber den Chinesen zu zahlen und zu sagen: 'Wir werden im Fall Tibet weniger offensiv kritisieren, wenn Ihr dafür die katholische Minderheit in China in Ruhe lasst'."

Problematisch innerhalb der UN dürften auch Benedikts konservative Ansichten zur Familienplanung sein. Viele Länder setzen die künstliche Empfängnisverhütung gezielt als Mittel bei der Familienplanung ein. Der Papst lehnt sie weiterhin ab.

Doch insgesamt, so Theologe Beestermöller, gingen die weltliche Organisation UN und die katholische Kirche mit ihrem Oberhaupt ziemlich unproblematisch miteinander um: Ganz offensichtlich sei man auf beiden Seiten der Meinung, dass die Frage, "wie ein gerechter Frieden auf dieser Welt zu organisieren ist, letztlich nicht ohne die Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beantworten ist". In diesem Sinne sei hier eine wechselseitige Befruchtung möglich.

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