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Kultur

"Ozapft is": Das Oktoberfest hat begonnen

Eine Maß Weißbier wird in diesem Jahr auf dem Münchner Oktoberfest über acht Euro kosten. Und auch für alkoholfreie Getränke muss man tiefer in den Geldbeutel greifen. Aber nicht nur die Wirte machen ihre Geschäfte.

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude eröffnen den Bierkampf (Quelle: AP)

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude eröffnen den Bierkampf

Das Oktoberfest ist ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Während nach dem Ersten Weltkrieg der Münchner Stadtrat das Oktoberfest aus Geldmangel absagen wollte, bringt es heutzutage einen geschätzten Umsatz von weit über 900 Millionen Euro. Die eine Hälfte davon bleibt auf der Festwiese bei Wirten und Schaustellern, die andere wird von Hotels, Geschäften, Taxiunternehmen und dem öffentlichen Verkehr eingenommen. Und es ist klar, das auch die Stadt München davon profitiert, nämlich über die Einnahme von Gewerbesteuern.

Acht Euro 30 für einen Liter Bier

Blick über das Oktoberfest mit der Paulskirche im Hintergrund (Quelle: AP)

Das Oktoberfest ist eines der größten Volksfeste der Welt

Bei bedecktem Himmel und kühlen Temperaturen begann das 175. Münchner Oktoberfest am Samstag (20.09.2008) um Punkt 12 Uhr. Mit zwei Schlägen stach Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) im Schottenhamel-Zelt das erste Fass Bier an und eröffnete mit dem Ruf "Ozapft is" die Wiesn. Zwölf Salutschüsse hallten über die Theresienwiese, als Ude die erste Maß dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) reichte, um auf eine friedliche Wiesn anzustoßen. Der erste Krug mit Wiesnbier gebührt stets dem bayerischen Regierungschef.

In den kommenden zwei Wochen erwarten die Veranstalter rund sechseinhalb Millionen Besucher. Im Mittelpunkt steht natürlich das Bier. Der Preis des Gerstensaftes sorgt immer schon Wochen vor Beginn der Wiesn in der Münchner Lokalpresse für Schlagzeilen. In diesem Jahr verlangen die Gastronomen für eine Maß, also für einen Liter, bis zu 8,30 Euro. Toni Roiderer, Wirt im Hackerzelt, hält diese stolzen Preise aber für gerechtfertigt: "Über den Bierpreis diskutiert man einfach, das ist in München ein Muss." Aber so ein Bierzelt aufzubauen, zu lagern und die Platzmiete kosten ungefähr zwei Millionen Euro, und wenn man das wisse, dann erkenne man, dass das Wiesnbier kein billiges Bier sein könne, so Roiderer.

Nur Bier von Münchner Brauereien

Die Besucher schrecken die hohen Preise jedenfalls nicht ab. Durch deren durstige Kehlen flossen im vergangenen Jahr fast sieben Millionen Liter Bier. Außerdem verzehrten sie 521.000 Brathähnchen, 142.000 Schweinswürste und 104 Ochsen. Den größten Reibach machen zweifellos Wirte und Brauereien. Kein Wunder, dass viele Bierproduzenten gerne auf dem Oktoberfest ausschenken würden. Doch auf der Wiesn gibt es traditionell nur Gerstensaft der Münchner Brauereien und das wird laut Oberbürgermeister Christian Ude auch so bleiben: "Selbstverständlich würden doch, wenn wir europaweit ausschreiben müssten, auswärtige Konzerne, die größer sind als die Münchner Brauereien, jede Kalkulation auf sich nehmen, um einen Fuß auf das Münchner Oktoberfest zu bringen. Und dann wären wir die Werbeplattform für Getränkekonzerne, die dem Münchner Bier das Licht ausblasen wollten. Das würde kein Mensch verstehen."

Bis zu 10.000 Euro für die Bedienungen

Bedienung mit Bierkrügen in der Hand (Quelle: AP)

Für die Bedienungen ist das Schleppen der Bierkrüge ein Knochenjob

Damit die Durstigen nicht lange auf das begehrte Gebräu warten müssen, arbeiten auf dem Oktoberfest rund 1800 Bedienungen. Die Versorgung der Bierzeltbesucher ist allerdings eine ziemlich strapaziöse Angelegenheit. Versüßt werden ihnen die Strapazen durch die sehr guten Verdienstmöglichkeiten: "Das bewegt sich sicher in einer großen Spanne: Die Langsameren, ein paar Tausend Euro, das können 4000 sein und die ganz Schnellen, die viel Erfahrung haben, maximal 10.000 Euro", so einer der Beteiligten.

Es soll hier aber kein falscher Eindruck entstehen: Das Münchner Oktoberfest ist nicht nur eine riesige Gerstensaftorgie, sondern nach wie vor auch ein Fest für die ganze Familie. Das ist wohl auch das Erfolgsrezept der Wiesn. Während die Väter zielstrebig die Bierzelte ansteuern, starten Halbwüchsige am Autoscooter ihre ersten Annäherungsversuche beim anderen Geschlecht. Die Kleinsten dagegen begeistern sich für Kettenkarussell, Ponyreiten und Zuckerwatte. Kaum dem Kinderwagen entwachsen, war auch der Münchner Oberbürgermeister schon auf der Wiesn unterwegs. "Die Wiesn stand einfach für das dralle Leben, für hemmungsloses Vergnügen auf der Achterbahn oder dem Autoscooter, für die exotische Welt der Schausteller, die Damen ohne Unterleib angepriesen haben oder wilde Tiere aus dem Urwald. Das sind Geschäfte, die es heute nicht mehr gibt. Das war die kindliche Begeisterungsphase", so Ude.

Hohe Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt

Blick in ein Festzelt des Oktoberfestes (Quelle: AP)

Sechseinhalb Millionen Besucher werden dieses Jahr zum Münchner Oktoberfest erwartet

Heutzutage erfreut sich das Münchner Stadtoberhaupt noch immer am Oktoberfest. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Wirte und Schausteller rund vier Millionen Euro an Platzmiete auf die städtischen Konten überweisen. Außerdem sorgt das Oktoberfest für kräftig sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen. "Die Wiesn bedeutet, dass die Münchner Hotels über zwei Wochen lang fast restlos ausgebucht sind, dass die Leute, die aus aller Herren Länder nach München kommen auch Einzelhandelsgeschäfte besuchen und dort die Umsätze erhöhen. Und davon profitiert die Stadt wieder indirekt als Gewerbesteuergläubigerin", so der Bürgermeister.

Nach Berechnungen des Münchner Tourismusamtes wird durch das Oktoberfest in München und Umgebung rund eine Milliarde Euro umgesetzt. Kein Wunder, dass die Wiesn im Ausland gerne kopiert wird. Von Argentinien bis Taiwan gibt es inzwischen Anfang Oktober Bierfeste mit Blasmusik und bayerischer Tracht. Dass diese Plagiate allerdings irgendwann einmal so erfolgreich werden wie das Original, ist eher unwahrscheinlich.

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