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Amerika

Ouro Preto statt Rio de Janeiro und Sao Paulo

Zu den touristischen Attraktionen Brasiliens zählt fernab der Küstenstrände das Barockstädtchen Ouro Preto - vielen Brasilianern aus Rio de Janeiro und Sao Paulo dient es als Fluchtpunkt, als romantische Oase der Ruhe.

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Auf dem Kopfsteinpflaster der malerischen Praca Tiradentes mit dem früheren Gouverneurspalast war einst der Sklavenmarkt – heute treffen sich dort die jungen Leute, Späthippies und Aussteiger zum Schwatzen, Flirten und Gitarrespielen. Eine Bundesuniversität macht Ouro Preto zum lebendigen Studentenstädtchen. Die vielen Wohngemeinschaften, "Republicas" genannt, vermieten gerne an Rucksacktouristen. Der bergige Teilstaat Minas Gerais gilt als Wiege der brasilianischen Kultur – und das 1711 gegründete Ouro Preto ist seit jeher sein kostbarstes Stück.

Hier steht sogar Lateinamerikas ältestes Theater, in dem man einst Bachs Matthäuspassion aufführte. Im Gewirr unglaublich steiler Gassen begegnet man garantiert dem Kunstmaler Vandico, eine der originellsten Figuren Ouro Pretos und sogar Samba- und Karnevalskomponist: "Ouro Preto ist kosmopolitisch und wie ein Zauberhut, immer entdeckt man Neues – wer sich für Kunst interessiert, ist hier richtig, findet Museen, Galerien, 13 außergewöhnliche Barockkirchen. Dazu die Feste, die prachtvollen Prozessionen. Ja – Ouro Preto ist spektakulär anders – Brasiliens Unabhängigkeit wurde schließlich hier geboren."

Goldene und blutige Vergangenheit

Prozession in Ouro Petro

Dem Himmel nahe: Prozession in Ouro Preto

Während des Goldrauschs im 18. Jahrhundert schuften in Ouro Preto etwa 100.000 aus Afrika verschleppte Männer über und unter der Erde. Revoltierende, ungehorsame Arbeiter werden öffentlich ausgepeitscht, aufgehängt, gevierteilt – Sklavinnen mitten in Ouro Preto massenhaft zur Prostitution gezwungen. Viele der Misshandelten und Erniedrigten entkommen und gründen in den Urwäldern um Ouro Preto Flucht-Dörfer, Quilombos. Wegen des Goldes erlebt die ganze Region einen wirtschaftlichen Aufschwung – und Ouro Preto übertrifft sogar New York weit an Reichtum.

In Ouro Preto fließt aber auch viel Blut, ereignen sich Hungersnöte, Aufstände, Seuchen, menschliche Tragödien jeder Art. Die portugiesische Krone fordert ein Fünftel allen Goldes für sich; Bürger, die dagegen rebellieren, werden von Kolonialsoldaten niedergeschossen, die Anführer geköpft. Der berühmteste ist Leutnant Joaquim José da Silva Xavier. Bevor 1789, just im selben Jahr wie die französische Revolution, seine freiheitliche Bewegung der Inconfidentes, der Treulosen, zur Tat schreiten kann, wird sie verraten, da Silva Xavier in Rio de Janeiro gehenkt und gevierteilt. Heute ist er Nationalheld Brasiliens.

Renitente Priester

karnevaleske Marschkappelle in Ouro Petro

Höhepunkt der Prozession: der Auftritt der Marschkapelle

Auf den Türmen der berühmten Igreja Nossa Senhora da Conceicao schlagen schwarze Jungen die Glocken an, während unten am Portal eine Blaskapelle mit fröhlicher Marschmusik eine der berühmten katholischen Prozessionen Ouro Pretos eröffnet. Biblische Figuren und dahinter die Stadtbewohner selbst schreiten über schöne, sinnträchtige Ornamente aus Blumen und gefärbten Sägespänen.

Priester und Ordensleute zogen sich früher den Unmut der Krone zu, weil sie für Aufruhr in den Goldminen sorgten. Noch heute gelten die Priester aus der Ouro-Preto-Region als besonders sozialkritisch. Danival Milagres Coelho ist einer von ihnen – er kennt Deutschland von vielen Reisen und rät den Deutschen, unbedingt einmal nach Ouro Preto zu kommen:"Das wird eine tolle Erfahrung, da erleben sie die ansteckende Fröhlichkeit von uns Brasilianern, da feiern sie mit uns und gestalten mal eine Prozession mit!"

Mix aus brasilianischer und deutscher Küche

Ouro Petro Brasilien Speiseangebot im Restaurant Chafariz

Der Chef serviert: brasilianische Spezialitäten, die der deutschen Hausmannskost ähneln

Wer gerne Caipirinhas trinkt – die besten brasilianischen Zuckerrohrschnäpse kommen aus der Region von Ouro Preto. In kleinen Verkaufsbars wie dem „Milagre de Minas" kann man sie gratis durchprobieren. Und wer den Einheimischen ins beliebte „Chafariz" mit regionaltypischer Minas-Küche folgt, wird sich wundern – und womöglich weitere Brasilienklischees beerdigen. Denn dort findet man ein reiches, köstliches Buffet mit unerwartet deftiger Hausmannskost, die teilweise der deutschen ähnelt. Kein Wunder – haben doch deutsches Eisbein, Haxe und Sauerkraut auch in Brasilien viele Anhänger.