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Afrika

Ouattara ruft zu Versöhnung auf

Sein Widersacher Laurent Gbagbo ist zwar noch nicht ausgeschaltet – doch der international anerkannte Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, will die Macht nun endgültig übernehmen.

Alassane Quattara vor einer blauen Wand, im Hintergrund eine gestreifte Fahne. (Bild: DAPD)

Im Fernsehen versprach Alassane Ouattara Frieden und Ordnung

Junge Männer mit Maschinenpistolen über den Schultern, im Hintergrund ein großer LKW. (Bild: AP)

Soldaten auf den Straßen von Abidjan

Im Ton eines entschiedenen Staatsmanns wandte sich der international anerkannte Sieger der Präsidentenwahl, Alassane Quattara, an die Ivorer. Mit fester Stimme versprach er, dass die Banken bald wieder öffnen und die Beamten-Gehälter gezahlt würden. Ouattara betonte am Donnerstag (07.04.) auch, dass er die Europäische Union gebeten habe, die Sanktionen gegen das Land aufzuheben.

Vor allem aber versprach er, für Ordnung und Sicherheit in der Millionenmetropole Abidjan und im ganzen Land zu sorgen: "Um eurem Leiden ein Ende zu machen, habe ich die Regierung beauftragt, die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren und die alltägliche Lage unverzüglich zu verbessern", sagte der international anerkannte Präsident. Und fügte hinzu: "Es muss gewährleistet werden, dass die Lebensmittel wieder auf den Märkten und in den Geschäften sowie die Medikamente in den Krankenhäusern und Gesundheitszentren ankommen."

Untersuchungskommission soll Massaker klären

Alassane Ouattara klatscht in die Hände, hinter ihm steht ein Mann in Uniform. (Bild: AP)

Das Gbagbo-Lager erkennt Ouattaras Amtseid nicht an

Danach kündigte Ouattara an, eine Untersuchungskommission solle die in den vergangenen Tagen und Wochen begangenen Gewalttaten und Massaker aufklären. Die Täter würden hart bestraft werden. Vor allem aber appellierte er an die Menschen, den Krieg zu beenden: "Ich rufe alle Ivorer dazu auf, auf Racheakte und Repressalien zu verzichten. Die Elfenbeinküste ist unteilbar. Nur zusammen können wir sie wieder aufbauen“, so Ouattara.

Ein kluger Schachzug eines gewitzten Diplomaten oder authentischer Wille – da sind sich auch Experten nicht einig. In jedem Fall aber loben sie, dass Alassane Quattara die Notwendigkeit von Frieden und Versöhnung betont hat. In ihren Augen eine der vordringlichsten Aufgaben in dem krisengeschüttelten Land.

Frieden in der Elfenbeinküste - eine Mammutaufgabe

Der Menschenrechtsexperte Alioune Tine aus dem Senegal lässt allerdings auch keinen Zweifel daran, dass dies eine Mammutaufgabe ist. "Wenn der Sieger nicht echten Kampfgeist und den Willen an den Tag legt, die ivorische Bevölkerung miteinander zu versöhnen und den Frieden zu fördern, dann wird dieser Konflikt anhalten", betonte Tine im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Denn immerhin wurde der international anerkannte Präsident nur von etwas mehr als der Hälfte der Ivorer gewählt. Die anderen hatten in der Stichwahl vor mehr als vier Monaten für seinen Widersacher Laurent Gbagbo gestimmt – und der hat sein Amt offiziell noch nicht aufgegeben. "Es geht darum, die Macht für alle Ivorer zu öffnen. Es bedarf einer Regierung der nationalen Einheit. Außerdem ist es extrem wichtig, eine Kommission für Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung zu schaffen", sagt Alioune Tine.

Die Ivorer sind skeptisch

Die Bevölkerung reagierte skeptisch auf die Ansprache Ouattaras, wie eine Umfrage in Abidjan zeigt. Die einen sind wütend, dass Ouattara sich als Staatsoberhaupt geriert. Die anderen zweifeln am Friedenswillen Gbagbos und seiner Getreuen: „Die Ivorer haben aber nicht wirklich entschieden, dass ADO (Alassane Dramane Ouattara, d. Red.) ihr Präsident ist", sagt ein Mann. "Das Problem ist noch nicht gelöst.“ Eine Frau zweifelt daran, dass sich umsetzen lässt, was Ouattara vorhat. Denn die Gbagbo-Leute seien ja nicht entmachtet. "So lange die da draußen rumlaufen, ist die allgemeine Sicherheit gefährdet", glaubt sie.

Laurent Gbagbo schaut ernst in die Kamera. (Bild: picture alliance/Landov)

Laurent Gbagbo will die Macht nicht abgeben

In der Tat sind die Anhänger des geschmähten Machthabers Gbagbo trotz ihrer aussichtslosen Lage – verschanzt in einem Bunker – weiterhin nicht zur Machtübergabe bereit. Gbagbos Berater Alain Toussaint etwa weist jeglichen Anspruch Ouattaras auf das Präsidentenamt nach wie vor zurück: "Ouattara ist ja nicht einmal als Präsident vereidigt worden. Er kann sich also auch nicht als Präsident der Republik Elfenbeinküste aufspielen. Für uns ist das ein Staatsstreich!", sagt Toussaint.

Und den werde man sich ebenso wenig gefallen lassen wie die Blockade rund um die Residenz Gbagbos. Seine Antwort auf die Frage, mit welchen Mitteln sie diese Blockade aufheben wollen, gibt den berechtigten Zweifeln der Ivorer am Frieden neue Nahrung: "Das werden Sie sehr bald sehen", sagt er mit düsterer Stimme.Autorin: Dirke Köpp
Redaktion: Daniel Pelz

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