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Sport

Ottmar Hitzfeld hat noch nicht fertig

Im Schatten der großen WM-Teams kämpft die kleine Schweiz um den Einzug ins Achtelfinale. Allen voran Trainer Ottmar Hitzfeld, dessen glanzvolle Karriere an diesem Mittwoch in Manaus enden könnte.

Er sieht immer noch ziemlich drahtig aus. Die Beine sehnig, die Statur aufrecht, die Gesichtszüge wie eh und je etwas verkniffen. Nur ein kleines Bäuchlein wölbt sich unter dem blau-grauen Trainingsdress. Ottmar Hitzfeld hat sich kaum verändert. Gut, die Haare sind noch ein wenig grauer geworden, die Falten ein bisschen tiefer, aber auch mit inzwischen 65 Jahren ist er äußerlich immer noch ganz der Alte. Aufmerksam verfolgt er das Training seiner Mannschaft aus ein paar Metern Entfernung. Hitzfeld steht mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf dem Rasen und beobachtet seine Spieler, die auf einem kleinen Feld auf große Tore schießen - vermutlich weil sie ein paar Erfolgserlebnisse brauchen.

Denn noch immer steckt den Schweizer Spielern die 2:5-Pleite gegen Frankreich in den Knochen, so wirkt es. Auf dem Platz geht es zur Sache, gelacht wird nicht, gesprochen auch nicht viel, dafür aber ordentlich ins Tackling gegangen. Es ist ein öffentliches Training im kleinen Stadion von Porto Seguro, doch gekommen sind nicht viele: Drei Fotografen, ein Kameramann, eine Handvoll Journalisten und vielleicht 30 Zuschauer. Kein Vergleich zum öffentlichen Training der deutschen Mannschaft, das vor zwei Wochen rund 30 Kilometer weiter nördlich vor etwa 500 Zuschauern und Medienvertretern stattfand.

Nummer sechs der Welt, aber kaum beachtet

Das Interesse an der Schweizer "Nati" ist nicht gerade groß, dabei trainiert hier die Nummer sechs der Welt. Dank starker Leistungen in der WM-Qualifikation liegt die Schweiz in der FIFA-Weltrangliste noch immer vor Fußballgranden wie Italien, England, den Niederlanden oder Frankreich. Obwohl das schweizerische Team als Kopf der WM-Gruppe E gesetzt wurde, spielen die Eidgenossen in Brasilien nur eine Nebenrolle, zu wenig bekannt ihre Spieler, zu klein ihre Chancen auf ein erfolgreiches Turnier. So sehen es viele, nicht aber die Schweizer.

Schweizer Fans. (Foto: dpa)

Gegen Ecuador war die Freude bei den Schweizer Fans noch groß...

Max Kern berichtet als Reporter seit 1996 für die Schweizer Zeitung "Blick" von der "Nati" und glaubt nicht nur daran, dass die Schweiz nach bisher einem Sieg (gegen Ecuador) und einer Niederlage (gegen Frankreich) im letzten Gruppenspiel gegen Honduras (25.6.2014, ab 22.00 Uhr MESZ im DW-Liveticker) noch die Runde der letzten 16 erreichen kann. "Ich denke, sie können sogar das Achtelfinale überstehen, wenn alles zusammenläuft. Ottmar Hitzfeld hat die Fähigkeit, eine Mannschaft auch nach einer bitteren Niederlage wieder richtig heiß zu machen", glaubt Kern.

Hitzfeld glaubt an sein Team

Der Trainer ist also nicht nur der Star, sondern auch der Hoffnungsträger im Schweizer Team, in dem die großen Namen auf dem Platz bisher wenig überzeugten: Xherdan Shaqiri (FC Bayern München) Valon Behrami (SSC Neapel) oder Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin) wirken allesamt ausgelaugt von einer langen Saison, meint Journalist Kern. Hitzfeld aber glaubt an seine Spieler, er will es noch einmal wissen. Natürlich war das Team nach fünf Gegentoren gegen Frankreich "extrem enttäuscht", meint Hitzfeld auf der Pressekonferenz, auf die er sich bewusst alleine setzt, um seine Spieler zu schützen, sich vor sie zu stellen, wie er sagt.

Schweizer Training. (Foto: dpa)

Schafft die Schweiz den Sprung ins Achtefinale?

"Ich traue der Mannschaft zu, das wegzustecken. Ich bin trotz der hohen Niederlage zuversichtlich, dass wir gegen Honduras gewinnen. Wir haben ein großes Ziel: das Achtelfinale zu erreichen. Danach ist der Druck bei den anderen." Typisch Hitzfeld, er wirft den Blick immer schon ein Stück voraus, verdrängt dabei aber, dass schon am kommenden Mittwoch in Manaus gegen Honduras Schluss sein könnte. Für die Schweiz bei dieser WM und für ihn für immer.

Das Ende? Verdrängt Hitzfeld noch ein bisschen

Ottmar Hitzfeld will nach der WM als Schweizer Trainer zurücktreten und seine einzigartige Karriere beenden. Mit Borussia Dortmund und Bayern München holte Hitzfeld jeweils einmal die Champions League und gewann insgesamt sieben Bundesliga-Meisterschaften. Gemessen an Titeln ist er damit nach Udo Lattek der zweiterfolgreichste deutsche Klubtrainer, gemessen an Punkten pro Bundesligaspiel (1,98) ist er sogar der erfolgreichste Bundesligatrainer aller Zeiten. Und nun könnte all das in der schwülen Hitze des Amazonas zu Ende gehen, erinnert ihn ein Schweizer Journalist auf der Pressekonferenz.

"Das ist jetzt gerade neu für mich, daran habe ich jetzt nicht gedacht. Ich gehe jetzt davon aus, dass es nicht mein letztes Spiel ist", sagt Hitzfeld und wirkt dabei wirklich überzeugt. "Wir werden gewinnen, so einfach ist das." Noch will er nicht loslassen von seinem Job, das Trainerleben nicht jetzt schon hinter sich lassen. Nun ist es an seinen Spielern, ihm diesen Gefallen zu tun.