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Fokus Osteuropa

Osteuropabank: Wirtschaftlicher Boom birgt Inflationsrisiken

Die Osteuropabank hat ihre Prognose für das Wachstum in den Ländern der Region angehoben. Sie warnt allerdings vor immer schnelleren Preissteigerungen.

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Sitz in London: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)

Der Wirtschaftsaufschwung im Osten Europas hält noch immer an. Die Länder Zentralasiens, der ehemaligen Sowjetunion, des Balkans und Mittelosteuropas melden seit Jahren üppige Wachstumsdaten. Im Schnitt wuchs die Region letztes Jahr um gut sieben Prozent. Auch dieses Jahr dürfte es kaum weniger sein, glaubt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), kurz Osteuropabank. Sie traut der Region in diesem Jahr sechs Prozent Wachstum zu - kaum tangiert von Kreditkrise und Wirtschaftsschwäche in einigen westlichen Ländern. Erik Berglof, Chefvolkswirt der Bank, sagt: „Wir sehen eine Verlangsamung, aber nur eine sehr moderate. Etwas stärker betrifft sie Zentral-, Ost- und Südosteuropa, weniger die GUS-Staaten.“

Gefahr von innen

Direkt sind die Banken der Reformstaaten ohnehin nicht von der Kreditkrise betroffen: Ihre Banken waren in der Regel derart mit dem stürmischen Wachstum im heimatlichen Geldgeschäft beschäftigt, dass sie keine riskanten Engagements in der Fremde, etwa im US-Hypothekenmarkt, eingegangen waren. Die größte Gefahr droht derzeit von Innen: allenthalben entlädt sich der Dauerboom in immer schnelleren Preissteigerungen. Flächendeckend ist die Inflation zurück, mit zweistelligen Raten in EU-Ländern wie den baltischen Staaten, in GUS-Staaten wie der Ukraine oder im Kaukasus. Dass die Preisspirale außer Kontrolle geraten könnte, ist die Sorge in vielen Hauptstädten des Ostens, und auch Hauptthema auf der Jahrestagung der Osteuropa-Bank, die am vergangenen Sonntag (18.5.) in Kiew stattfand.

Kampf gegen Inflation

Besonders betroffen ist das Gastgeberland, die Ukraine. Mit Preiskontrollen und Exportbeschränkungen für Agrarprodukte versucht das Land, den Preisschüben vor allem bei Lebensmitteln Einhalt zu gebieten, bislang ohne Erfolg. So erreichte die ukrainische Inflationsrate zuletzt 30 Prozent. Bank-Präsident Jean Lemierre hält Inflationsbekämpfung für das Gebot der Stunde: „Wir wissen, wie wichtig es ist, darauf zu achten, nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus sozialen Gründen. Denn wenn man da nicht aufpasst, dann könnte das, egal was die Gründe sind für die Entwicklung, die Unterstützung für Reformen untergraben.

Lemierre scheidet im Juli aus der Führung der Bank aus. Neuer Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, wie das Londoner Finanzhaus mit vollem Namen heißt, wird der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Mirow. Das SPD-Mitglied tritt dabei in die Fußstapfen Horst Köhlers: Der war, bevor er an die Spitze des Weltwährungsfonds aufstieg und schließlich Bundespräsident wurde, ebenfalls Chef der Osteuropabank.

Jan Pallokat