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Kultur

Osteuropäer dominieren den Eurovision Song Contest

Die serbische Sängerin Marija Serifovic hat in Helsinki mit deutlichem Vorsprung den ersten Platz belegt. Der deutsche Swingsänger Roger Cicero landete trotz starken Auftritts abgeschlagen auf dem 19. von 24 Plätzen.

Die serbische Sängerin Marija Serifovic (AP)

Hosenanzug statt Glamour: die serbische Sängerin Marija Serifovic

Die serbische Sängerin Marija Serifovic lag mit ihrer bewegenden Ballade "Molitva" (Gebet) am Samstagabend klar vor der Ukraine und Russland. Für Deutschland gab es eine weitere Pleite: Roger Cicero wurde von den europäischen Fernsehzuschauern mit seinem Swing-Song "Frauen regier'n die Welt" nur auf Platz 19 von 24 Teilnehmern gewählt, obwohl er in der Helsinki Arena einen guten und stilvollen Auftritt hingelegt hatte. Im vergangenen Jahr war Deutschland mit der Country-Band Texas Lightning in Athen 15. geworden. Der bislang einzige Sieg mit Nicoles "Ein bisschen Frieden" liegt 25 Jahre zurück.

der ukrainische Beitrag von Verka Serduchka

Gewöhnungsbedürftige Ästhetik: der ukrainische Beitrag von Verka Serduchka

Beim Finale des Eurovision Song Contest war diesmal alles dabei - von schrillen Glitzernummern über folkloristischen Balkan-Pop, von Glam-Rock bis Hardrock-Gitarrensounds. Die 22-jährige Gewinnerin aus Serbien verzichtete bei ihrem Auftritt zwar auch auf jegliche Showeffekte, brachte dafür aber jede Menge Wucht und Gefühl rüber. 268 Punkte räumte sie bei der europaweiten Telefon- und SMS-Abstimmung ab.

Swing-Sänger Cicero enttäuscht

Auf dem zweiten Platz landeten die Ukrainer. Verka Serduchka alias Andrej Danilko strapazierte das Auge mit einem skurrilen silbernen Sternenkostüm und das Hirn mit sinnfreien Zeilen wie "Sieben, sieben, ailulu - sieben, sieben, eins, zwei" zu bizarren Polka-Rock-Klängen. Dritter wurde Russland, das auf eine Casting-Mädchenband im koketten Schuluniformen-Look und typischem Britney-Spears-Sound setzte.

Roger Cicero bei seinem Auftritt

Roger Cicero bei seinem Auftritt

Cicero zeigte sich sehr "enttäuscht". "Dass es doch so extrem ausgeht, damit hätte ich persönlich jetzt doch nicht ganz gerechnet", sagte der 36-Jährige in der ARD-Grand-Prix-Show in Hamburg. Die deutschen Fans stehen aber weiter zu ihm: Es gab heftigen Beifall als Cicero auf der Leinwand erschien. Der Auftritt Ciceros war gut und professionell. Im schneeweißen Anzug mit passendem Hut präsentierte er seinen Song mit Esprit, seine Musiker hatten ebenfalls sichtlich Spaß auf der Bühne. Die Dekoration versprühte Las-Vegas-Flair, der Name Roger Cicero prangte in großen glitzernden Lettern auf der Leinwand im Hintergrund. Allerdings ließ der routinierte Auftritt einen echten Kracher vermissen.

Nord- und Westeuropäer abgeschlagen

Auf jeden Fall war dieser 52. Eurovision Song Contest ein Wettbewerb der Osteuropäer: Auf den Plätzen 1 bis 16 liegen bis auf die Türkei und Griechenland nur Länder aus dem ehemaligen sozialistischen Einflussgebiet. Die Nord- und Westeuropäer müssen sich mit den Plätzen 17 (Finnland) bis 24 (Irland) begnügen. Das führte erneut zu hitzigen Diskussion über Punkteschieberei zwischen osteuropäischen Freunden führen. "Es gibt da Seilschaften", beklagte sich Deutsch-Rocker Heinz-Rudolf Kunze.

Die Casting-Mädchenband Serbro aus Russland

Die Casting-Mädchenband Serbro aus Russland

Der Ruf nach Regeländerungen war schon nach dem Halbfinale am Donnerstag laut geworden: Neun der zehn Qualifikanten kamen aus dem Osten. Und tatsächlich erhielt Serbien im Finale von allen ehemaligen jugoslawischen Republiken die Höchstzahl von zwölf Punkten (Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien) - aber auch von etlichen westlichen Ländern gab es hohe Wertungen.

Gute Show

Mit 42 Ländern hatte der 52. Grand Prix in Helsinki eine Rekord-Teilnehmerzahl zu verzeichnen. Rund 9000 Fans in der Halle verfolgten die Show. Das finnische Fernsehen YLE lieferte eine gute Show ab: Selbstironische Einspielfilmchen zwischen den Beiträgen, einige witzige Gag-Einlagen und ein sympathisches Moderatoren-Duo machten den ersten Grand-Prix aus Finnland zu einem Erfolg. Traditionell findet der nächste Eurovision Song Contest immer im Siegerland des Vorjahres statt. Nachdem 2006 die finnische Horror-Rockband Lordi mit ihrem "Hard Rock Halleluja" Erster geworden war, wurde der diesjährige Wettbewerb somit in Helsinki veranstaltet. Mit rund 100 Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt gilt der Eurovision Song Contest als größter Musikwettbewerb überhaupt. Im nächsten geht es dann in die serbische Hauptstadt Belgrad. (stl)

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