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Aktuell Deutschland

Ostermarschierer solidarisieren sich mit Günter Grass

Anfang der 80er Jahre kamen Hunderttausende zu den Ostermärschen. In diesem Jahr war die Resonanz viel geringer. Ein zentrales Thema war die Israelkritik von Günter Grass.

Bei den diesjährigen Ostermärschen haben mehrere tausend Menschen in ganz Deutschland gegen Krieg und Atomkraft, für Frieden und Abrüstung demonstriert. Die Veranstalter räumten ein, dass die Teilnehmerzahlen vom vergangenen Jahr nicht erreicht worden seien. 2011 waren viele wegen des Atomunglücks in Japan auf die Straße gegangen.

Rege Beteiligung nur in Berlin, Frankfurt und Hamburg

Eine der größten Ostermarsch-Aktionen gab es am Samstag in Berlin. Dort gingen nach Veranstalterangaben rund 1.500 Friedensaktivisten auf die Straße. Am Frankfurter Römerberg fanden sich am Ostermontag laut Polizei etwa 750 Menschen ein. In Hamburg demonstrierten rund 450 Menschen für Abrüstung und Frieden. In vielen anderen Städten fanden sich aber nur einige wenige Sympathisanten der Ostermarsch-Bewegung zusammen.

Die Ostermärsche haben ihre Wurzeln im Protest gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges. In Deutschland erlebten sie 1968 und 1983 ihre Höhepunkte. Damals beteiligten sich in Deutschland hunderttausende Menschen an Ostermärschen.

Solidarität mit Günter Grass

Ein zentrales Thema der bundesweit rund 80 Veranstaltungen in diesem Jahr waren die israelkritischen Thesen des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Günter Grass. Sie fanden bei der Merhheit der Teilnehmer Sympathie. "Nicht Günter Grass gehört an den Pranger, sondern diejenigen Politiker/innen, die weiterhin an der Eskalationsschraube im Nahen und Mittleren Osten drehen, indem sie den Iran mit Wirtschaftssanktionen immer mehr in die Enge treiben", heißt es etwa in einer in Kassel veröffentlichten Mitteilung des sogenannten "Bundesausschusses Friedensratschlag".

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor,dapd

Grass ist kein Antisemit und ich weiß, wovon ich rede - so Israels früherer Botschafter in Deutschland, Avi Primor

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht das von Innenminister Eli Jischai verhängte Einreiseverbot gegen Grass mit kritischen Augen. Die Maßnahme gegen den Literaturnobelpreisträger sei übertrieben und populistisch, sagte Primor der ARD. "Ich glaube, dass der Innenminister gar nichts von Deutschland versteht. Er betreibt Innenpolitik." Für ihn sei Grass kein Antisemit. "Ich weiß, wovon ich spreche", ergänzte er.

Primor: Grass-Behauptung ist lächerlich

Gleichzeitig übte der Diplomat scharfe Kritik an dem als 'Gedicht' deklarierten Text "Was gesagt werden muss" des 84-Jährigen. Die darin aufgestellte Behauptung, das iranische Volk sei von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht, sei lächerlich. Gleichzeitig seien die Sorgen der israelischen Regierung berechtigt, dass der Iran Atomwaffen plane. Schließlich habe nicht nur der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, sondern auch der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, wiederholt von der Auslöschung Israels gesprochen, gab der Diplomat zu bedenken.

Primor wies darauf hin, Teheran unterstütze terroristische Gruppierungen gegen Israel. Es bestehe eine echte Gefahr, dass der Iran diese Gruppen mit Atomwaffen ausrüste.

Kritik an dem deutschen Literaturnobelpreisträger hatten in den vergangenen Tagen auch viele andere Politiker geübt, unter ihnen Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Es sei " nicht geistreich, sondern absurd" - so Westerwelle - wenn man Israel und Iran auf die gleiche moralische Stufe stelle.

haz/kle (dpa, rtr)