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Alltagsdeutsch – Podcast

Osterbräuche

Versteckte Eier, prall gefüllte Nester und lecker zubereitete Lämmer - während der Osterzeit gibt es die verschiedensten Traditionen und Bräuche. Bei den Kindern ist wohl der Schokoladenhase am beliebtesten.

"Frühling lässt sein blaues Band

wieder flattern durch die Lüfte

süße wohlbekannte Düfte

streifen ahnungsvoll das Land..."

(Eduard Mörike)

Meister Lampe:
"Immer diese Romantiker. Während die faul im Gras liegen und vor sich hin schwadronieren, muss ich schuften. Denn für mich bedeutet der Frühling doch wieder nur Arbeit. Gestatten, mein Name ist Meister Lampe alias Osterhase. Tja, alle Welt erwartet von mir, dass ich Ostern Eier verstecke und vorher auch noch bunt anmale. Klar, meine Familie macht das seit Jahrhunderten, und wir beherrschen die Sache aus dem ff, aber ich kann Ihnen sagen: Das Gelbe vom Ei ist es nicht, tagaus tagein zu malochen, damit andere sich ein schönes Osterfest machen. Manchmal würde ich mich schon gerne davor drücken und einfach mal blau machen."

Sprecherin:
Nana, wer wird denn da so jammern. Meister Lampe beschwert sich, dass er schuften beziehungsweise malochen, also schwer arbeiten muss. Lieber würde er blau machen, nämlich müßig gehen. Diese Redewendung stammt aus dem Sprachgebrauch der Färber. Die Stoffe, die sie sonntags mit einem indigoartigen blauen Farbstoff im Wasserbad behandelten, wurden montags an der Luft getrocknet. So konnten die Gesellen sich an diesem Tag frei nehmen, sie konnten blau machen. Ihre Arbeit beherrschten die Färber sicher aus dem ff, sie waren bestens mit ihr vertraut, sie meisterten sie ausgezeichnet. Diesen Ausdruck verdanken wir der Rechtssprache. Früher kennzeichnete man Auszüge aus den Schriften römischer Juristen, die so genannten "Digesten", mit der Signatur "D". Dieses "D" war auf altertümliche Schreibweise durchgestrichen und sah deshalb einem "ff" sehr ähnlich. Wer also seine Digesten auswendig konnte, beherrschte sie somit aus dem ff.

Sprecher:
Dass man den Hasen gerne als Meister Lampe tituliert, verdanken wir der Welt der Fabeln und Märchen. Hier schwadronieren die Erzähler gerne über das Langohr, sie schwätzen ausführlich über ihn. In Märchen mag man sich das ja gefallen lassen, aber wenn jemand im täglichen Umgang zu sehr schwadroniert, dann möchte man sich manchmal ganze gerne vor seinen ausführlichen Schilderungen drücken. Wer sich vor etwas drückt, der geht ihm aus dem Wege. Man sagt auch, er verdrückt sich, er verzieht sich still und leise. Das stammt aus der Jägersprache. Ein Hase drückt sich vor dem Jäger und seinem Hund in eine Furche, um nicht entdeckt zu werden. Ob diese Methode zu entkommen immer das Gelbe vom Ei ist, ob sie vollkommen und befriedigend ist? Der Dotter gilt als der schmackhafteste Teil eines Eis. Wenn etwas also nicht das Gelbe vom Ei ist, ist es unzureichend, armselig, unbedeutend und...

Meister Lampe:

"Halt, halt, halt, jetzt habt Ihr aber genug schwadroniert. Wenn einer was über das Ei weiß, dann bin ich es. Schließlich schleppe ich die Dinger seit Jahrhunderten herum. Aber schön der Reihe nach. Ich erzähle Ihnen mal was über Ostern. Also, Ostern war ursprünglich ein heidnisches Fest zu Ehren der Göttin der Morgenröte, des Frühlings und der Fruchtbarkeit. Ostara hieß sie, das bedeutet Osten, und von ihrem Namen leitet sich unser heutiges Wort Ostern ab. Ihr Fest wurde immer nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Und ich sage Ihnen, die Ostara hatte das Zeug zum Feiern. Damals tanzten die Menschen den Schwerttanz, der den Kampf des Sonnengottes mit den Wintermächten darstellte, und der Winter hat immer den Kürzeren gezogen. Ich hab' natürlich immer meiner Freundin Ostara die Stange gehalten und die hat mit ihrem Rivalen nicht viel Federlesens gemacht. Aber das heidnische Treiben war der Kirche ein Dorn im Auge, und so haben sie das Frühlingsfest, das uns an die Auferstehung Jesu erinnern soll, zum bedeutendsten Fest der Christenheit erklärt. Und dann ... aber Moment, ich muss mal meine Lauscher aufstellen. Da bringt mir doch einer ein Ständchen:"

Kinderstimme:

"Stups, der kleine Osterhase, fällt andauernd auf die Nase, ganz egal, wohin er lief, immer ging ihm etwas schief."

Meister Lampe:

"Ja, ja, Kinder. Ich nehme es ihnen nicht krumm, dass sie falsche Sachen erzählen, denn sie meinen es gut mit mir. Aber eins muss gesagt werden: Ich falle niemals hin und es geht natürlich auch nichts schief bei mir."

Sprecherin:

Meister Lampe nimmt Kindern nichts krumm, er nimmt ihnen nichts übel. Im Gegensatz zu "gerade" verbindet der Volksglaube mit dem Krummen etwas Böses. Wer krumme Sachen macht, der tut etwas Schlimmes oder Verbotenes. Ähnlich lässt sich der Ausdruck "schief gehen" ableiten. Und wer schief gewickelt ist, der ist falsch informiert. Auch wer den Kürzeren zieht, ist im Nachteil, er verliert und geht leer aus. Vielleicht wäre das nicht passiert, wenn man ihm die Stange gehalten hätte, wenn man ihm also Hilfe geleistet hätte. Diese Wendung bezieht sich auf den früheren Brauch beim Zweikampf, in dem Sekundanten den Gegnern in gefährlichen Augenblicken mit einer Stange beisprangen.

Sprecher:

Meister Lampe erinnert sich an die graue Vorzeit, als Ostara noch im Mittelpunkt des Osterfestes stand. Sie machte nicht viel Federlesens mit ihrem Rivalen, dem Winter, sie ging barsch mit ihm um und machte sich keine Umstände. Die ursprüngliche Bedeutung war, dass Untergebene dem Adel in kriecherischer Schmeichelei angeflogene Federn vom Gewand ablasen. Man nannte sie verächtlich "Federleser". Diese Leute hatten bestimmt nicht das Zeug zu Höherem, sie hatten nicht die notwendigen Voraussetzungen, um Höheres zu erreichen. Wer das Zeug zu etwas hat, der ist gut gerüstet für etwas, gut vorbereitet. So, und jetzt sehen wir mal, was der Osterhase gerade so treibt.

Meister Lampe:

"Entschuldigen Sie, ich habe im Moment keine Zeit für Sie, ich bin gerade auf dem Sprung."

Zitat:

"Ei nanu, was ist denn das unter'm Apfelbaum im Gras, kräuselt seine Schnuppernas und versteckt da irgendwas. Ist das gar der Osterhas?"

Meister Lampe:

"Jetzt hat mich ja doch wieder jemand aufgespürt. Gottseidank ein Mensch und keine Henne. Ich kann Ihnen sagen, die muss ich wirklich mit Glacéhandschuhen anfassen. Dieses Federvieh ist sauer, dass ich an Ostern die ganzen Lorbeeren einheimse, wenn ich in den Gärten die Eier verstecke, obwohl sie ja die Eier legt."

Zitat:

"Die Henne Kunigunde legt jeden Tag ein Ei / ovale und auch runde, das ist ihr einerlei. / Sie legt die Eier sacht ins Nest und gackert froh dabei / sie sind für's nahe Osterfest und keines geht entzwei."

Meister Lampe:

"Sehen Sie, schon wieder muss sich diese Henne in den Vordergrund spielen. Aber es ist ja nicht meine Schuld, dass man mir die Aufgabe als Eierbringer zugeteilt hat. Unter uns gesagt: Ich bin viel flinker als so 'ne lahme Henne. Die Menschen haben mich schon zu Ostaras Zeiten als heiliges Tier verehrt, denn niemand ist so fruchtbar wie meine Frau, immerhin schenkt sie mir viermal pro Jahr bis zu 20 Hasenkinder. Tja, und Ostern ist ein Sinnbild für neues Leben, im germanischen Brauchtum ebenso wie bei den Christen. Und so hoppele ich denn jedes Jahr durch die Gärten und verstecke Eier. Der Erste, der über mich geschrieben hat, war im Jahre 1678 ein gewisser Georg Franck von Franckenau, ein Medizinprofessor aus Heidelberg. Und seitdem wurde ich immer populärer. Heute glauben viele Kinder sogar, dass ich die Eier lege, die ich verstecke, aber das ist natürlich Unsinn. Ich will mich schließlich nicht mit fremden Federn schmücken, sonst regt sich die Henne wieder auf."

Sprecherin:

Ja, ja, beruhigen Sie sich, Frau Henne, Meister Lampe will sich ja gar nicht mit fremden Federn schmücken und den Lorbeer für sich einheimsen, er will sich nicht mit Ihren Verdiensten brüsten. Der Lorbeer galt als Symbol des Ruhmes, siegreiche Feldherren zogen mit einem Lorbeerkranz in Rom ein. Zu Recht wären sie sauer gewesen, ungehalten, wenn sich ein anderer in den Vordergrund gespielt hätte, wenn er sich vorgedrängelt hätte. Ein Bild aus der Theaterwelt, wo die Hauptdarsteller im Vordergrund der Bühne spielen.

Sprecher:

Sie sind jetzt nicht dran, Frau Henne. Die Dame muss man wirklich mit Glacéhandschuhen anfassen, man muss ganz behutsam mit ihr umgehen, damit sie nicht beleidigt ist. Oh, ich glaube, Meister Lampe ist auf dem Sprung, er ist bereit loszuziehen - so wie ein Raubtier zum Sprung ansetzt, um über sein Opfer herzufallen. Hallo, Meister Lampe, warten Sie doch mal.

Meister Lampe:

"Ich wollte ja gar nicht weit weg. Ich habe nur da drüben ein paar Kinder entdeckt, die sich über Ostern und über mich unterhalten. Sperren Sie mal ihre Lauscher auf:"

Kinderstimmen:

"An Ostern tut man auch immer die Eier auspusten und dann tut man die färben in den verschiedensten Farben, und dann kann man auch Ostergestecke basteln. / Und Ich weiß über den Osterhasen, dass es ihn in Wirklichkeit gar nicht gibt. / Der bringt Ostereier und Schokoladenosterhasen. / Von wegen, dass der Osterhase die versteckt, aber dabei weiß ich ganz genau, dass meine Mutter das ist. Wieso sollte sie sonst, bevor wir loslegen, im Garten rum kriechen?“

Meister Lampe:

"Haben Sie das gehört! Mich soll es nicht geben. Da reißt man sich jahrhunderte lang die Beine aus, damit die Familien am Ostersonntag gemeinsam Eier suchen gehen können und dann so was. Ich bin bedient."

Sprecherin:
Jetzt regen Sie sich doch nicht auf, Meister Lampe. Wir glauben an Sie. Sie kommen doch weit herum, erzählen Sie doch mal, was die Menschen Ostern so treiben. Und wir wissen immer noch nicht, was für eine Rolle das Ei spielt.

Meister Lampe:

"Na ja, wenn Sie meinen, es sind eben Kinder. Ostern ist natürlich ein Familienfest. Viele fahren von Karfreitag bis Ostermontag ins Grüne. Wenn irgendwo die Koffer gepackt werden, schwant mir nichts Gutes, dann muss ich die Eier nämlich bis ins Ausland liefern. Wussten sie übrigens, dass das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit schon im 4. Jahrhundert bei Römern und Germanen als Grabbeigabe populär war? Im Mittelalter überreichten die Pächter Ostern ihren Gutsherren Eier, damit bezahlten sie die Abgaben für ihr Lehen. Auf diese ursprüngliche Bezahlung geht auch der heutige Brauch zurück, Ostereier zu verschenken. Versteckte Eier zu finden, macht natürlich mehr Spaß. Die Sache hat nur einen Haken: Manchmal finden die Kinder die Eier erst Monate später, und dann sind die Eier längst ungenießbar."

Sprecherin:

Meister Lampe ist ja gut informiert, da sollte man wirklich seine Lauscher aufsperren. Das ist eine saloppe Redewendung dafür genau hinzuhören. Wenn etwas keine Rolle spielt, ist es unwichtig. Diese Wendung ist der Theaterwelt entlehnt, denn was ist schon ein Schauspieler ohne Rolle wert? Wird er bei der Vergabe von Rollen übergangen, ist er sicher restlos bedient, er ist sauer, es reicht ihm.

Sprecher:

Wem nichts Gutes schwant, der hat eine böse Vorahnung. Der Volksglauben dichtet dem Schwan hellseherische Fähigkeit an. Danach hätte dieses Tier sicher erkannt, wenn eine Sache einen Haken hat, wenn es eine versteckte Schwierigkeit oder Gefahr gibt. Unweigerlich drängt sich das Bild vom Fisch auf, der sich auf den Köder an der Angel stürzt, ohne den Haken zu erkennen. Und wer sich die Beine ausreißt, gibt sich sehr viel Mühe. So wie Meister Lampe, wenn er die Ostereier bemalt und versteckt.

Meister Lampe:

"Nicht dass Sie denken, die Menschen würden Ostern nur Ostereier essen. Nein, es ist sehr verbreitet, das Osterlamm auf den Tisch zu bringen. Dieser Brauch ist aus dem Ritual der Juden entstanden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen. Eigentlich sollte man Fleischessern tüchtig einheizen! Die armen Lämmer. Aber jeder nach seiner Fasson, vielleicht können die Menschen nicht anders. Ich persönlich bin ja Vegetarier, Möhren sind meine Leibspeise. Tja, wenn ich meine Pflicht getan und alle Eier versteckt habe, gehe ich immer zu den Osterfeuern. Die gab es schon zu Ostaras Zeiten. Das Feuer steht als Symbol für die Sonne, die das Leben auf der Erde ermöglicht. Mit den Osterfeuern wurde im Frühjahr die Sonne als Hüterin von Fruchtbarkeit und Wachstum begrüßt. Im Weserbergland rollen die Menschen sogar brennende Räder ins Tal, in anderen Gegenden binden sie eine Strohpuppe ans brennende Kreuz, die Jesus Verräter Judas darstellen soll. Hoffentlich gehen diese alten Bräuche nicht flöten. Trotzdem ist es für mich am schönsten, wenn Ostern vorbei ist und ich endlich ausspannen kann. Tja."

Sprecherin:

Gönnen wir dem Osterhasen seine Ruhe, lassen wir ihn ausspannen, sich erholen - so wie ein Pferd nach getaner Arbeit aus dem Geschirr ausgespannt wird. Daher kommt auch der Begriff abgespannt, also müde, erschöpft. Wer so abgespannt ist, dem hat vielleicht vorher jemand tüchtig eingeheizt, ihm scharf zugesetzt. Diesen Ausdruck verdanken wir dem Meistersinger und Poeten Hans Sachs, der in seinem Schwank "Das Höllenbad" die Hölle als riesige Badestube schildert. Der Teufel lässt die Badenden ganz furchtbar schwitzen, er heizt das Wasser viel zu sehr auf.

Meister Lampe:

"So jetzt aber Schluss mit dem Schwadronieren. Lassen Sie jeden nach seiner Fasson, auf seine Weise, Ostern feiern. Ich will jetzt nämlich ausspannen!"


Fragen zum Text

Wenn etwas nicht das Gelbe vom Ei ist,…

1. ist es unzureichend.

2. ist es sehr schmackhaft.

3. ist es farblos.

Meister Lampe ist die Bezeichnung für…

1. einen Hasen.

2. einen Elektroinstallateur.

3. eine Stehlampe.

Welche der folgenden Aussagen stimmt in Bezug auf Ostern?

1. Meister Lampe nimmt Kindern nichts krumm.

2. Meister Lampe findet Kinder dumm.

3. Ostern ist ausschließlich für Erwachsene.

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