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Kultur

Osterbräuche in Deutschland: Kult, Kirche und Kommerz

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Was haben Hasen und Eier mit der Auferstehung zu tun? Und wie christlich sind die heutigen Osterbräuche noch?

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Das Ei ist ein uraltes Symbol des christlichen Osterfestes, erklärt Gunther Hirschfelder, Professor der Volkskunde an der Universität Bonn: "Das Ei spielt an Ostern spätestens seit dem Mittelalter eine ganz zentrale Rolle, wie wir auch in der Spätantike 1000 Jahre vorher schon Hinweise auf Ostereier haben. Das Ei ist Symbol des Leben, liturgisch flüssiges Fleisch." Zudem durften während der Fastenzeit Eier nicht gegessen werden und kamen auch deshalb zu Ostern zahlreich auf den Tisch - gekocht, gebraten oder in verzierter Form.

Osterhase im Gras

Der Hase dagegen gilt wegen seiner starken Vermehrung mit bis zu 20 Jungen im Jahr als Symbol der Fruchtbarkeit, erklärt Gunther Hirschfelder. Er gehört damit zu den heidnischen Symbolen, die den Frühling und das neue Leben in der Natur darstellen und später mit der österlich-christlichen Botschaft der Auferstehung verschmolzen sind. Für Joachim Gerhard, einem evangelischen Pfarrer aus Bonn, passt das durchaus zusammen: "Das Osterfest und die Osterbräuche sind nicht zu trennen von den Frühlingsbräuchen. Es passt ja auch gut zusammen, dass am Frühlingsfest, wenn die Blumen wieder sprießen, das Grüne in den Wäldern, in den Büschen und auf den Wiesen wieder wächst, ein Auferstehungsfest gefeiert wird." Die christlichen Rituale hätten sich mit den heidnischen Brauchtümer verbunden, sagt Pfarrer Gerhard.

Modernes Fasten

Manche christlichen Rituale allerdings sind mit der Zeit fast völlig verloren gegangen. In den 40 Tagen vor Ostern, also in der so genannten Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag, fasteten gläubige Christen früher. Streng genommen waren dann tierische Produkte wie Fleisch, Eier, Milch, aber auch Wein verboten. Man ging - vor allem in der Karwoche - in die Gottesdienste. Die Fastenzeit sollte in Anlehnung an die Zeit, die Jesus in der Wüste verbrachte, eine Zeit der Buße und inneren Einkehr sein.

Heute verzichten Christen in Deutschland allerdings eher auf Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten. Kinder bereiten sich in der Fastenzeit auf Ostern vor, indem sie basteln, Hühnereier auspusten und als Ostereiern bemalen.

Sternstunden für andere

Einige Osterbräuche allerdings haben einen ausschließlich religiösen Hintergrund. Das Osterlamm ist beispielsweise aus dem jüdischen Ritual entstanden, am Passahfest ein Lamm zu verspeisen. Das Christentum nahm die Symbolik des Opferlamms auf und setzte es gleich mit Jesus, der für alle Menschen am Kreuz gestorben war. Daneben steht die Osterkerze in der jüdischen und christlichen Lichttradition. Das Licht gilt als das Zeichen des Lebens.

Kaufen ist eines der wichtigsten Stichworte des Osterfestes in der heutigen Zeit. Schließlich werden auch in diesem Jahr die bunt bemalten Eier, die in Schokolade gegossenen Hasen und Eier und die zahllosen anderen Süßigkeiten und Geschenke die Verkaufsrenner des Frühlings sein. Und das hat mit der Auferstehungsgeschichte Jesu Christi gar nichts zu tun, sagt Gunther Hirschfelder.

"Ostern ist heute ein Termin, bei dem die Süßwarenindustrie eine Sternstunde feiert. Ansonsten ein Feiertermin, ein Ferientermin, ein Ausflugstermin." Die wichtige Bedeutung, die etwa der Karfreitag hat, sei heute in weiten Teilen der Bevölkerung kaum mehr vermittelbar, sagt Hirschfelder. Auch wenn der Karfreitag der höchste protestantische Feiertag ist und Ostern zusammen mit den anderen christlichen Hochfesten der wichtigste Punkt im Kirchenjahr.