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Aktuell Nahost

Osten Aleppos nach Luftangriffen ohne größeres Krankenhaus

Die syrischen Regierungstruppen lassen ihre Bomben offenbar gezielt auf Krankenhäuser in den von Rebellen gehaltenen Stadtteilen fallen. Das Rote Kreuz warnt vor dem Zusammenbruch der gesamten Infrastruktur.

Syrien zerstörter Krankenwagen in der Nähe von Aleppo (Reuters/A. Abdullah)

Auch in den Außenbezirken wie hier in Atareb ist die medizinische Versorgung im Visier der Angreifer

Nach den andauernden Angriffen des syrischen Regimes und seiner Verbündeten sind in den von Rebellen gehaltenen Stadtteilen von Aleppo offenbar alle größeren Kliniken außer Betrieb. Wie die Union of Syrian Medical Organizations (UOSSM) mitteilte, wurde zuletzt das Omar Bin Abdul Asis Krankenhaus im Ostteil der umkämpften Stadt durch eine Reihe von Bombardements zerstört.

Unklar ist, ob Menschen starben. Laut Berichten soll es unter den Trümmern Verschüttete geben. Laut UOSSM hatten vier weitere Krankenhäuser am Freitag schließen müssen, nachdem sie durch Luftschläge schwer beschädigt worden waren. Demnach befand sich unter den Kliniken die letzte noch funktionierende Kinderklinik im Osten der früheren Wirtschaftsmetropole. Anwohner, Mediziner und Rebellen berichteten, die Kliniken seien bei den Luftangriffen zum Teil direkt getroffen worden.

Syrien Zerstörung in Bab al-Nayrab Aleppo (Getty Images/AFP/K. Al-Masri)

Die Nachbarschaft Bab al-Nayrab liegt nach den Bombardements vom Samstag in Trümmern

Humanitäre Hilfe kaum noch möglich

Der Leiter der internationalen Zusammenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz, Christof Johnen, warnte derweil vor dem Zusammenbruch der Infrastruktur. Wenn das Stromnetz zusammenbreche, sei auch die Wasserversorgung betroffen, sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Wenn diese nicht mehr funktioniere, versage das Abwassersystem. Dies könne zu einer fatalen Abwärtsspirale führen, die das gesamte Versorgungssystem gefährde.

Die humanitäre Hilfe in Syrien ist nach seinen Worten wegen fehlender Sicherheitsgarantien praktisch unmöglich. Bis zur Jahresmitte seien die Menschen im Osten von Aleppo noch mit Hilfsgütern versorgt worden - zwar nicht mit Lastwagen sondern mittels Handkarren. Nun sei der Zugang zur Stadt für den Syrischen Roten Halbmond - dem Partner des Roten Kreuzes - praktisch unmöglich.

Aktivisten: 27 Tote bei neuen Angriffen

Auch an diesem Samstag gingen die Kämpfe weiter. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, wurden mindestens 27 Menschen getötet, nachdem die Regierungstruppen mit Fassbomben und Artilleriefeuer angegriffen hatten.

Nicht ein einziges Viertel von Ost-Aleppo sei von den Bombardements verschont geblieben, berichtet die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle. Sie stützt sich auf ein breites Netzwerk von Informanten in Syrien, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind.

Scharfe Kritik von USA und UN

Die USA verurteilten die permanenten Angriffe auf die syrische Großstadt. "Es gibt keinerlei Entschuldigungen für diese abscheulichen Taten", erklärte die Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice am Rande des Apec-Gipfels in Lima. "Das syrische Regime und seine Verbündeten, vor allem Russland, sind verantwortlich für die aktuellen und langfristigen Konsequenzen dieser Taten." 

Der UN-Hilfskoordinator in Syrien, Ali al-Saatari, und der Regionalkoordinator Kevin Kennedy erklärten, die Vereinten Nationen seien "entsetzt" über die jüngste Gewalteskalation in Syrien. 

Die mit Machthaber Baschar al-Assad verbündete russische Luftwaffe wies die US-Anschuldigungen zurück und betonte, sie fliege Angriffe nur in anderen Teilen Syriens. Syriens politische Führung distanzierte sich von dem Vorwurf, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen absichtlich ins Visier zu nehmen.

uh/se (dpa, afp)